27. Der erster Schritt

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Bist du dir sicher?« Es schien mir, als sei es die einzige Frage zu sein, die Kathrine noch stellen konnte. Meine Mutter hatte sich nach ihrem Ausraster am Montag nur schwer erholt, hatte zwei Tage später immer noch geheult und mich die ganze Woche über von der Schule abgeholt. Beruhigt hatte sie sich vermutlich auch nur, weil Kathrine mit ihr gesprochen hatte.

Von Jesse, geschweige denn seiner Geburtstagsparty, wusste sie jedenfalls nicht. Ich saß seit einer halben Stunde auf Kathrines Bett und sah ihr nun zu, wie sie sich schminkte. Sie veränderte nicht großartig viel an ihrem Aussehen, bloß Feinheiten.

»Ich bin mir sicher.«, behauptete ich. Die letzte Party auf der ich war, ist nun 4 Jahre her. Damals war ich noch Jennifers 'beste Freundin' und Lukas versprach mir mich immer zu lieben.

Dann hat er mich volllaufen lassen und es geschahen Dinge, die ich als dreizehn jährige nicht hätte tun müssen. Nicht hätte tun sollen.

Was sollte ich sagen, ich bin ein naives und dummes Kind gewesen. Dieses mal würde es anders laufen, ich würde normal werden.

»Gut.«, sie seufzte, erhob sich aus ihrem Stuhl und kam zu mir auf das Bett. In ihrer Hand hielt sie mehrere Mascaras und einen Eyelinerstift. »Es ist eine Party.« Sie sah mich abwartend an, ich zuckte bloß mit den Schultern.

»Tu' was du nich lassen kannst.« Das einzige was mich wirklich an der ganzen Sache störte war, dass ich kein Geschenk für Jesse hatte. Nicht einmal Glückwünsche würde ich ihm wünschen und vermutlich würde ich wegen der Menge nicht einmal eine Umarmung aufbringen. Ich ging hin, weil Jay mich gefragt hatte und weil ich Kathrine beistehen musste. Die ganze Sache zwischen den beiden sollte sich endlich legen. Jesse stand auf sie und sie auf ihn, wo war das Problem? Das keiner den ersten Schritt wagen wollte? Oder das die beiden einfach zu stur waren?

Ich verstand weder Kathrine noch Jesse, aber etwas musste passieren, so konnte es sicherlich nicht weitergehen.

Als Kathrine mir schließlich einen Spiegel in die Handdrückte und ich mir selbst in die Augen sah, war ich erstaunt. Erstaun und faszinierd, wie viel bloße Schminke mit einem anrichten konnte.

»Und?«, fragte sie mich. Ich staunte immer noch über mich selbst.

»Ich bin wunderschön.« Ich lachte kurz auf. Schminke war während der letzten Jahre nicht mein Ding, ich lebte nicht, da gab ich mir auch keine Mühe mit meinem Aussehen. Schminke veränderte das Aussehen, mehr als man auf dauer vielleicht realisierte.

Schminke hatte mich wunderschön gemacht.

»Du warst auch schon vorher wunderschön.«, behauptete Kath und erhob sich vom Bett. Es war gut, dass Mum ihr vertraute. Kathrine war Verantwortungsbewusst und schlau genug, um zu wissen, wie man Menschen glücklich machte.

»Wie lange haben wir noch?«, wechselte ich das Thema. Es war inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden, dass ich mit ihr sprach. Ein kleiner Schritt Richtung Normalität.

Ich würde es schaffen.

»Genug Zeit um noch etwas zu essen.«, lachte Kathrine mit einem Blick auf ihr Handy. »Wenn wir satt sind, fressen wir den anderen wenigstens nicht später die ganzen Chips weg.« Ich stand nun ebenfalls von ihrem Bett auf. Heute morgen hatte ich panische Angst davor gehabt einige Kleidungsstücke zum wechseln mit zur Kathrine zu schmuggeln. Vielleicht war ich weniger Party-Tauglich als Kathrine, aber es würde in Ordnung gehen. Dank der Schminke war ich wunderschön.

Ich folgte Kathrine in die Küche und ließ mich auf einen der Stühle nieder während sie eine Pizza in den Ofen schob. »Fünfzehn Minuten, dann sollten wir essen können.«

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!