Chapter Eight - Velvet Dream

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„Mädels, das ist meine große Schwester Skyler. Einige von euch erinnern sich vielleicht an sie.", stellt Zara mich vor und wirft Becca sogleich einen bedeutungsschweren Blick zu, der nur heißen konnte „Lass sie heute bloss in Ruhe".

Gleich mehrere weibliche Augenpaare starren mich an und sorgen für eine spontane Schockstarre. Das Café um uns herum brummt und wir hatten den letzten großen Sechsertisch erwischt. Die Mädels waren schon vor uns da gewesen und hatten den Tisch gesichert, da Zara natürlich wie immer viel zu lange gebraucht hatte. Als ich in meinem schlichten schwarzen Lieblingskleid mit den Bänden am Rücken und meinen Plateau Dr. Martens vor ihr gestanden hatte, hatte sie nur anerkennend genickt und mich dann in ihr Auto verfrachtet. Wo sie Archer für den Nachmittag geparkt hatte, konnte ich nur ahnen. Ich hoffe wirklich, dass sie ihn nicht zur Strafe für irgendetwas im Schrank eingesperrt oder ans Bett gefesselt hat.

„Hi ich bin Larken.", stellte sich eine unscheinbare Blondine vor und auch die anderen streckten mir freundlich ihre Hände hin. Ich versuchte mir alle Namen passend einzuprägen, habe aber das Gefühl kläglich zu scheitern. Einzig und allein Ray konnte ich mir gut merken, da sie von oben bis unten tätowiert und gepierct war. Vermutlich könnte niemand sie mit ihren kurzen schwarzen Haaren und den großen blauen Augen jemals vergessen. Sie konnte sich vor Männern wahrscheinlich kaum in Sicherheit bringen, so atemberaubend schön war sie. Wie eine Kriegerelfe, die direkt aus einem Fantasyroman entsprungen ist.

„Wo hat Zara dich bisher versteckt?", fragt sie. Sie studiert offensichtlich mit Zara zusammen Sozialwissenschaften und Pädagogik und ist wie sie im 4. Semester.

„Ich war noch nicht stubenrein.", erwidere ich grinsend und schaue dabei entschuldigend in Beccas Richtung. Doch die lächelt nur gutmütig und schaut dann weiter in die Speisekarte. Anscheinend wurde mir bereits verziehen. Ray lacht leise, und ihr Lachen ist unwahrscheinlich tief und herzlich für eine so schlanke junge Frau.

„Ihr Freund Jason hat schon wieder Mist gebaut, und ich konnte mir das Elend einfach nicht weiter anschauen.", erzählt Zara und man hört einstimmiges Gemurmel, als wüssten alle anwesenden Frauen genau, was sie meint. Becca wirft mir sogar einen mitleidigen Blick zu.

„Was hat er denn gemacht?", fragt Ray mich grade heraus.

Irgendwie freut es mich, das gleich alle davon auszugehen scheinen, dass mich keine Schuld trifft. Jason gibt mir einfach viel zu oft das Gefühl, ich sei ganz allein an unseren Problem schuld. Oder in diesem Fall an unserer Trennung. Und meistens sitze ich dann zu Hause und versuche das Problem zu lösen. Versuche mich selbst und mein Verhalten zu reflektieren und herauszufinden, was ich hätte anders machen können, auch wenn mein Bauchgefühl mir ganz klar sagt, dass ich nichts falsch gemacht habe.

Also berichte ich ihnen vom Vortag, von Jason und Cayden und das ich rein gar nichts angestellt hatte, Jason das aber offensichtlich nicht hören wollte. Sogleich fingen die anderen an zu diskutieren. Während Sophie über Cayden zu schwärmen schien, den sie auch am Tag im Club gesehen hatte, regten sich zwei der anderen über Jason und sein albernes Verhalten auf.

Ray meint nur ganz trocken „Selbst der beste Sex der Welt wäre mir dieses Theater nicht wert."

Betreten schaue ich mich in meinem Lieblingscafé um. Es hat sich seit Jahren nichts verändert, denn die liebevoll selbst gebackenen Kuchen und die netten Kellner plus das tolle Interieur versetzen alle in Begeisterung. Die Besitzerin hatte das alte Gebäude komplett kernsanierten lassen und nur die alten Backsteine der Wände übrig gelassen. Dann zogen einige industriell wirkende Holzregale mit Stahlelementen an den Wänden ein, auf denen man immer aktuelle Zeitschriften und neue Bestseller fand. Außerdem eine ganze Menge Pflanzen, die von den Stahlrohren an der Decke hingen, in den Schaufenstern und auf jeder freien Fläche standen. Jeder der Vintage-mäßigen Sitzgruppen hatte außerdem einen frischen Strauß Blumen auf dem Tisch stehen. Und dann war da noch die lange Holztheke mit den fantastisch aussehenden Kuchen darauf, bei denen einem das Wasser im Mund direkt zusammen lief.

Kiss me in the DarkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt