Chapter Seven - Unterwäsche Parade

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Als ich am nächsten Morgen früh in die Küche komme ist die ganze Familie ausnahmsweise versammelt. April schmiert sich in einem knappen Negligee bekleidet Nutella auf ihren Toast, Archer liegt in Zaras Schoss und lässt sich mit Ei füttern und Grandma liest die Zeitung mit einem riesigen Pott Kaffee vor der Nase. Cody lehnt am Küchen Counter und versucht sich verzweifelt Speck anzubraten. So langsam kommt es mir sogar so vor, als wäre meine Familie ziemlich klein, seitdem Anna und Sophie letztes Jahr ausgezogen und auf Weltreise gegangen sind. Cayden macht sich gerade einen Kaffee und sieht dabei mal wieder verboten gut aus. Sein wildes Haar trägt er heute offen und das schwarze T-Shirt legt einen Großteil seiner Tattoos frei, die ich traurigerweise immer noch nicht aus der Nähe betrachten konnte. Er wirft mir nur einen besorgten Blick zu und wendet sich dann wieder der Kaffee Maschine zu.

Ich hoffe er hat den anderen nichts von gestern Nacht erzählt.

Ich lasse mich an den Küchentisch fallen und versuche so unauffällig wie möglich auf mein Handy zu schauen. Immer noch keine Nachricht von Jason.

So langsam beginne ich zu glauben, dass er es dieses Mal ernst gemeint haben könnte und das bricht mir mein Herz. Würde er unsere Beziehung wirklich so einfach aufgeben? Unsere gemeinsamen Jahre so schnell wegwerfen, als wären sie für ihn nicht von Bedeutung gewesen? Ich will das einfach nicht glauben.

„Wo ist das Arschgesicht?", fragt Grandma im selben Moment als Zara fragt „Warum siehst du aus wie das Überbleibsel einer Zombieapokalypse?"

Ich ignoriere sie beide.

Ich will einfach nicht wahrhaben, dass sie Recht haben könnten. Mit Jason habe ich so viele erste Male erlebt und so viele schreckliche Dinge durchstanden, dass ein Leben ohne ihn mir karg und grau erscheint.

Plötzlich spüre ich jemanden hinter mir stehen und eine Tasse Kaffee landet direkt vor meiner Nase, bevor Cayden sich zwei Stühle weiter ebenfalls an den Tisch setzt. Damit hat er die Aufmerksamkeit des gesamten Raums auf sich gezogen. Cody sieht leicht enttäuscht aus, als hätte er immer noch gehofft, Cayden sei vom selben Ufer wie er. April schaut giftig zwischen mir und ihm hin und her und Zara und Grandma heben synchron eine Augenbraue, als würden sie tatsächlich DNA miteinander teilen.

Ich denke Grandmas innerer Zwang, obdachlosen und hilflosen Menschen zu helfen begann, als sie mich aufnehmen musste. Sie hat gemerkt wie einsam und verloren ich mich allein mit ihr in diesem riesigen Haus gefühlt habe. Ich habe mich immer mehr eingeigelt und in mich selbst zurückgezogen. Als sie dann hörte, dass eine Mutter ihr kleines Kind zur Schule gebracht hatte und nie mehr zurück kam, um es wieder abzuholen, hatte sie sich als Erste gemeldet das kleine Ding aufzunehmen und sich in die Papierschlacht ihres Lebens gestürzt. Das Pflegefamiliensystem in den USA ist ein wahrer Albtraum und beinahe hätte es nicht geklappt. So kam Zara mit ihren 10 Jahren als Pflegefall in in unser Leben. Sie ist die perfekte kleine Schwester, die ich mir immer gewünscht habe, auch wenn wir äußerlich und innerlich nicht unterschiedlicher sein könnten.

„Geht es dir besser?", fragt Cayden mich leise über den Tisch hinweg, als Grandma und Zara in ein angeregtes Gespräch verfallen, wo der „Vollarsch" Jason sich wohl herum treiben könnte.

Ich nicke und schüttle kurz darauf den Kopf. Ich weiß es nicht. Auf der einen Seite behandelt mich Jason zwar manchmal ziemlich unfair, aber ich liebe ihn dennoch. Und er ist ja nicht immer so. Die meiste Zeit ist er ein galanter und liebevoller Mann.

„Es ging dir schlecht?", grätscht Zara dazwischen. „Schlechter als jetzt?" Sie deutet auf meine von den nächtlichen Tränen verquollenen Augen und mein wirres Haar. Ich streiche es nervös glatt und versuche diesem unangenehmen Gespräch aus dem Weg zu gehen.

Kiss me in the DarkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt