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Die Luft in diesem Raum war so dick, dass man sie fast hätte schneiden können. Der Geruch von Schweiß, gepaart mit dem von Hochprozentigem und den Rauchschwaden eines Joints ergaben eine Mischung, die Enjolras für mehr als unangenehm empfand. Wenn es nach ihm ging, hätte er diesen Raum nie betreten. Aber er war auf der Suche nach jemandem, und dieser jemand war vermutlich in diesem stickigen Kellerraum zu finden. Also bahnte er sich seinen Weg, zwischen Tischen voller leerer Gläser und Flaschen hindurch, an einem sehr beschäftigt aussehenden Pärchen vorbei, hin zu einer Eckbank, der Bezug aus abgewetzem Leder, auf der er das gesuchte Subjekt fand. Dieses Subjekt war gerade dabei, einem jungen blonden Mann auf dem Schoß herumzurutschen und seinen Hals mit Küssen zu bedecken, und vor allem sehr deutlich nicht nüchtern. Enjolras atmete einmal tief durch (er bereuhte diese Entscheidung sofort) und zog seine Zielperson unsanft von dem Mann herunter. ,,Wir gehen jetzt", sagte er zielstrebig und würdigte den, ebenfalls sehr betrunken wirkenden, blonden Mann keines Blickes. ,,Finger weg!", murmelte Grantaire vor sich hin und versuchte vergeblich sich aus Enjolras Griff zu lösen. Als ihm auffiel, wie aussichtslos seine Lage war, blickte er seinen Freund nur an, die Pupillen der sonst so traurigen Augen groß, und sein Blick undefinierbar. ,,Ich bring dich jetzt nach Hause", brummte Enjolras nur und schleppte Grantaire aus diesem Kellerraum und war mehr als glücklich, als sie draussen waren.

Warum so viele Menschen Zerstreuung auf solchen Partys suchten war ihm ein Rätsel, er selbst hatte dafür nichts übrig. Eigentlich hatte er auch nichts dafür übrig Babysitter zu spielen, und das hatte er Marius und Eponine mehr als deutlich gesagt. Aber als die beiden, von der Sorge über Grantaire geplagt, der schon wieder mehrere Tage nicht aufgetaucht war, bei ihm vor der Tür standen und ihn um Hilfe baten, konnte er nicht nein sagen. Die beiden hatten in der Zwischenzeit jeweils an anderen Orten gesucht, die öfter von ihrem gemeinsamen Freund frequentiert wurden. Währrend Enjolras ihn mit einem Arm festhielt, sendete er mit der anderen eine Nachricht über seinen Fund an die beiden. Und dann machte er sich auf den Weg, den Betrunkenen nach Hause zu bringen. Auf dem Weg sprach Enjolras kein Wort, er war viel zu tief in Gedanken versunken. Grantaire schien durch seinen Zustand und seinen Konsum eh wie in einer anderen Welt gefangen, und sagte nur wenige, zusammenhangslose Worte.
Enjolras sperrte mit dem Ersatzschlüssel die Tür zu Grantaires Wohnung auf, wobei ihm bewusst wurde, dass er diese noch nie betreten hatte. Wozu auch, die beiden hatten ausserhalb der Treffen nicht viel miteinander zu tun und keiner von beiden legte es darauf an, dies zu ändern. Der eine von ihnen war ein hoffnungsloser Idealist, dessen Prioritäten auf politischer Ebene Lagen, der andere war ein zynischer Trinker und Enjolras vermutete, dass seine Prioritäten entweder zwischen den Beinen eines halbwegs attraktiven Mannes lagen oder darin, ihm mit Widerworten die Treffen zu vermiesen. Ersterer brachte den Hausherr in seine Wohnung, die von Unordnung nur so strotze. Der Platz an dem man das Laminat tatsächlich sehen konnte und es nicht von Kleidern, Flaschen, Skizzenblättern oder Uniunterlagen bedeckt war, war knapp bemessen, aber denoch schaffte Enjolras es, Grantaire in sein Schlafzimmer zu befördern. Dieser stolperte dann eigenständig auf sein Bett zu und versuchte gar nicht erst, die vollgeschwitzte Kleidung loszuwerden , sondern lies sich sofort in das Bett fallen. Ein kurzer Blick durch den Raum verriet noch so viel mehr über ihn, aber Enjolras wollte in diesem Moment gar nicht mehr sehen, als das was sein Bild von Grantaire bestätigte. Und das waren eben die unzähligen leeren Flaschen und Tetrapacks (Enjolras trank zwar nicht, aber ihm war klar dass ein halbwegs anständiger Wein nicht aus einem kommen sollte) neben dem Bett, die wild auf dem Boden verteilte Kleidung und die Ansammlung kleiner Pillen auf dem Nachttisch. Hätte er etwas genauer geschaut, wären ihm sicherlich auch die Gemälde auf der Staffellei und auf dem Boden verteilt aufgefallen, die vielen Bücher überall oder die zahlreichen Fotos, auf einigen Gruppenfotos sich sogar Enjolras befand da es ein Gruppenbild nach einem Treffen war, oder was für Pillen sich dort befanden. Aber Enjolras schaute nicht genauer, sondern wartete nur bis Grantaire lag, schrieb dann Marius dass seine Tat vollbracht war und verließ dann so schnell wie möglich dieses Zimmer, das für ihn nur Versumpfung und schlechte Energie ausstrahlte. Aber naja, das tat Grantaire ja auch, auf eine gewisse Weise.

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Ich habe gerade angefangen in dieses Fandom einzutauchen, und ziemlich schnell hat sich mein favourisiertes Pärchen heraus kristallisiert. Ich hoffe irgendjemand hat beim Lesen dieser Geschichte wenigstens ein bisschen Freude, ich hatte sie beim bisherigen Schreiben auf jeden Fall. :)

Fortsetzung folgt...
You Give Love A Bad Name || Enjoltaire
Letzte Aktualisierung: Nov 12, 2019
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