Chapter Four - Die Ruhe vor dem Sturm

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"Bist du da oben?" Zara schreit aus dem Wohnzimmer zu mir hoch und ich entscheide mich sie zu ignorieren, weil ich ganz genau weiß, worüber sie mit mir reden will. Ich schaue das Bild an, an dem ich gerade arbeite, und das so ganz und gar nicht aussieht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Bäume erscheinen nicht lebendig genug und es wirkt als hätte ich alle Farben einfach ineinander geschmiert. Wunderbar.

„Skyler?", schreit sie erneut und ich seufze.

„Ja?"

"Komm runter. Wir planen deine Geburtstagsparty!"

„Viel Spaß dabei! Ich werde nicht anwesend sein." Ich lache trocken. Ich hasse es meinen Geburtstag zu feiern. Ich kann mich noch so gut an die Geburtstage mit meinen Eltern erinnern, dass ich eine Feier ohne sie kaum ertragen kann. Das ich älter werde bedeutet ja nur, dass ich weitere Jahre ohne sie in meinem Leben beendet habe. Und das spendet mir einfach keinen Trost.

Jason nutzt natürlich genau diesen verdammt tollen Moment, um mich wieder Mal anzurufen. Ich lasse es einige Male klingeln und hoffe, dass er einfach aufgibt. Doch mein Klingelton schrillt immer und immer wieder durchs Zimmer, bis ich schlussendlich aufgebe.

"Was?", frage ich ärgerlich in den Hörer.

"Hey Darling."

"Du kannst dir dein Darling dahin stecken, wo die Sonne niemals scheint.", spotte ich höhnisch und warte auf seine gewöhnliche Reaktion.

"Warum bist du so wütend auf mich Skyler?" Dieser Typ enttäuscht einen wirklich nie.

„Ich werde diese Diskussion heute nicht mit dir führen."

„Dann lass uns einfach eine tolle Zeit gemeinsam haben und aufhören zu streiten. Du hast gelogen, ich habe mich dumm verhalten und jetzt können wir einander wieder gern haben. Ich liebe dich Darling, und das weißt du."

Ich hasse es, dass es nicht einmal etwas bringt wütend auf ihn zu sein, weil er immer so tut, als wäre es keine große Sache.

"Ich habe überhaupt nicht gelogen! Du hast dich entschieden ohne mich auszugehen. Das ist in Ordnung. Aber ich werde dich nicht kontrollieren lassen wohin ich gehe, Jason. Und dein Verhalten als du betrunken warst war mal wieder unglaublich. Was denkst du wer du bist, dass du so mit mir reden kannst? Hast du gar keinen Respekt vor mir?"

Ich hasse es, dass wütend auf ihn zu sein nicht einmal etwas bringt, weil es ihn nicht im Geringsten stört.

„Warum sagst du sowas? Du weißt, das ich dich respektiere und liebe. Ich war einfach eifersüchtig zu sehen, dass du dich ohne mich aus dem Haus geschlichen hast, um Feiern zu gehen, und mich nicht einmal gefragt hast, wohin ich überhaupt gehe. Wir hätten eine tolle Zeit zusammen haben können."

Ich weiß, dass er es nur gut meint, aber ich bin immer noch so schrecklich wütend auf ihn.

"Weißt du was Jason? Gib mir ein wenig Luft zum atmen. Wir können morgen darüber reden okay?"

"Also..."

"Was?"

"Wir können nicht morgen reden. Ich sitze in eurer Küche. Du müsstest einfach nur runter kommen, um mich zu sehen." Ich kann sein Grinsen gradezu hören und seufze erneut. Er ist unverbesserlich.

"Willst du mich verarschen?"

Will er nicht.

Ich lege auf und stampfe genervt die Treppen herunter, nur, um ihn mit Grandma und Zara am Küchentisch Kaffeetrinkend vorzufinden. Dieser Typ ist wirklich unglaublich. Manchmal frage ich mich, was genau an ihm ich eigentlich so liebe. Ich setze mich an den Tisch der Hölle und übergebe mich meinem Schicksal.

Wir bleiben nicht lang allein, doch Jason weicht nicht von meiner Seite. Als Zara und Grandma gerade über das Catering sprechen, lehnt er sich zu mir herüber und flüstert mir etwas ins Ohr.

„Es tut mir leid Sky, kannst du mir verzeihen?", bittet er sanft und streichelt unbeirrt über die Blutergüsse an meinen Armen, die nun niemand mehr sehen kann. Nach dem Vorfall mit Cayden trage ich jetzt ausschließlich lange Shirts, um die Beweise für unseren Streit zu verstecken.

„Vergiss es einfach.", sage ich erschöpft. Ich habe das Gefühl in letzter Zeit fühle ich mich viel zu oft so. Erschöpft, ausgelaugt, einsam. Und das, obwohl ich ständig von Menschen umgeben bin, die mich lieben. Oder zu lieben scheinen.

„Was sagst du dazu Skyler?"

Schnell setze ich mich grade auf und tue so, als wäre ich dem Gespräch gefolgt.

„Ich denke Zaras Idee klingt gut.", werfe ich ein und bereue es im selben Moment, als alle Augen am Tisch auf mich fallen.

„Hast du überhaupt zugehört?", fragt Cody grinsend.

Schuldig schüttle ich den Kopf. Archer bricht in schallendes Gelächter aus.

„Zara ist der Meinung wir brauchen kein Essen, damit der Alkohol besser rein haut.", verkündet er glücklich. Sofort ruckt mein Kopf zu meiner kleinen Schwester hinüber.

„Vergiss es."

„Du hast gesagt meine Idee ist gut." Sie zuckt entschuldigend die Achseln.

„Zara ich habe überhaupt nicht zugehört!" Und bin auch jetzt kurz davor abzuschalten, weil Jason begonnen hat mit kreisenden Bewegungen meinen Oberschenkel zu streicheln und immer weiter hinauf wandert. Genervt schiebe ich seine Hand ein Stück weg. Doch er gibt nicht auf. Ich verstricke mich gleichzeitig in ein Wortgefecht mit Zara und einen Fingerkampf mit Jasons vorwitziger Hand.

Irgendwann halte ich es einfach nicht mehr aus. All diese Erwartungen, die an mich gestellt werden. All die hoffnungsvollen Blicke, die auf mir ruhen.

Ich stehe ruckartig auf, sodass Jason sich die Hand an der Tischkante stößt und leise aufjault.

„Wisst ihr was? Feiert einfach, wie ihr Lust habt.", sage ich stur und lasse die anderen einfach stehen.

Wenn sie doch nur einmal darauf hören würden, was ich wirklich will, anstatt ständig zu entscheiden, was wohl das Beste für mich wäre. Ich verkrieche mich in meinem Zimmer und arbeite weiter an meiner stimmungslosen Landschaft, bis Jason leise an der Tür klopft und mich einfach wortlos in die Arme schließt, als ich ihn herein lasse. Müde lasse ich mich gegen ihn sinken und schließe die Augen. 

Kiss me in the DarkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt