[21.08.2011 - X12 - Scouts]

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Natürlich hatte Murphy etwas herausgefunden, doch das meiste bestätigte nur, was auch sie bereits gehört hatte. Ja, sie hatten einen Typen – dieselbe Beschreibung, die auch Pakhet bekommen hatte – gesehen, der Mädchen Angebote gemacht hatte, wenn sie für jemanden anderes arbeiten würden. Ja, angeblich arbeitete dieser Typ in einer kleinen Gang. Die Information war neu, passte aber zu der Autoentführung. Ja, sie bedrohten auch Mädchen, versuchten sie notfalls auch mit anderen Mitteln dazu zu bringen, mitzukommen.

Sie zweifelte, dass sie hier mehr erfahren würden, überlegte zu gehen. Sie hatten noch immer keine konkrete Spur. Wäre ihnen nicht die Zeit davon gelaufen, um das Mädchen zu finden, wäre sie gegangen. Aber die Zeit lief und sie hasste den Gedanken daran. Also blieb sie in der haltlosen Hoffnung, dass sie vielleicht doch den Scout zu sehen bekam. Sie würde mitgehen, das hatte sie beschlossen. Die meisten würden Probleme haben, sie festzuhalten, allein, weil sie keine Kraft von einer Frau erwarteten.

Die Tatsache, dass sie dank der Prothese leichter aus Fesseln und Handschellen entkam, spielte ihr dabei ebenfalls zu.

Dennoch. Langsam leerte sich der Club. Einige unermüdlichen feierten, tanzten weiter. Viele von ihnen sicher unter Drogen. Sie wartete. Vielleicht sah sie einen Scout. Vielleicht sah sie noch jemanden.

„Willst du nicht langsam nach Hause, Pearl, Süße", meinte Jake, der braunhaarige Barkeep.

Sie drehte sich ihm zu. Langsam hatte sie das Gefühl, dass sie einen vorläufigen Hörschaden von der lauten Musik hatte. „Nein. Ich warte noch ein wenig. Der Umsatz heute war echt nicht gut."

„Verstehe schon", meinte er. Er goss einen neuen Drink ein, reichte ihn ihr. „Auf's Haus."

„Danke", erwiderte sie, zwinkerte. Sie fühlte sich albern. Wahrscheinlich übertrieb sie mit den Klischees. Doch Klischees waren einfacher, als die Alternative und die meisten dachten sich nichts dabei.

Sie trank den Rum – es war wieder Rum – als sich jemand neben ihr auf den Barhocker schob. „Na, was machst du denn so spät noch hier, Sweetheart?", meinte eine tiefe Männerstimme.

Sie wandte sich ihm zu, schenkte ihm einen – wie sie hoffte – mitleidigserregenden Blick. „Ich bin ganz einsam." Sie wollte nach Haus. Sie wollte unter eine Dusche. Sie hatte keinen Bock mehr auf den Scheiß.

„Ach je, du Arme", meinte der Mann. Er war Mitte zwanzig, hatte gestyltes, blondes Haar, war gebräunt, gut gebaut. Er schenkte ihr ein gewinnendes Lächeln. „Soll ich dir ein wenig Gesellschaft leisten?"

„Ich weiß ja nicht", erwiderte sie, bemüht so naiv wie möglich zu klingen. „Kannst du dir das denn erlauben?"

„Na, na, na." Er wedelte mit dem Finger. „Da beschwerst du dich erst, einsam zu sein, und willst dann auch noch Geld dafür, Gesellschaft zu bekommen?"

„Ich bin halt auch ein armes Mädchen." Sie bemühte sich um Rehaugen. „Ich brauche das Geld ja."

„Ach je, und da soll ich mich erbarmen?", meinte er. Er lachte, lächelte. Dann beugte er sich zu ihr, sprach leiser. „Ich sage dir was. Ich gebe dir fünftausend, wenn du für den Rest der Nacht mit mir in ein Hotel kommst."

Bingo. Das war eine übliche Taktik. Gut, es war auch, was der ein oder andere Tourist machte, doch die Hoffnung starb zuletzt. Sie schenkte ihm ein zuckriges Lächeln, musterte ihn mit großen Augen. „So viel?"

„Ja", hauchte er verführerisch. Er beugte sich rüber, flüsterte ihr ins Ohr. „Was sagst du, Süße."

Sie tat, als würde sie kurz, aber wirklich nur kurz überlegen. „Okay." Sie lächelte breit und sprang auf. Ja, sie übertrieb eindeutig, doch ihn störte es nicht. Hatte er es so nötig oder war es eine Falle?

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