[12.08.2011 - D25 - Rückkehr]

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Stille herrschte zwischen ihnen, ehe Pakhet sich räusperte.

Sie nahm ihre Jacke, die sie auf dem Arztstuhl abgelegt hatte, um sie sich überzuwerfen. „Ich sollte vielleicht auch gehen", meinte sie rasch. Verdammt, sie wollte jetzt nicht mit ihm allein sein! Ja, es war feige, doch im Moment ... Sie konnte es einfach nicht.

„Einfach so?", fragte er.

Kurz sah sie ihn an, senkte aber schnell wieder den Blick. „Ja, warum nicht?" Sie wandte sich zum Gehen, als er erneut sprach.

„Warte, Pakhet. Bitte." Er seufzte leise. „Pakhet. Ich verstehe, dass du mir aus dem Weg gehst. Ich verstehe, dass du Abstand brauchst. Wirklich. Aber ... Wie lange willst du noch so weitermachen?"

Sie schüttelte den Kopf und machte einen weiteren Schritt auf die Tür zu. „Ich weiß es nicht." Damit streckte sie die Hand nach der Türklinke aus.

„Pakhet", drängte er. Ein weiteres Seufzen. Ein Räuspern. Wahrscheinlich schürzte er wieder die Lippen. „Hast du darüber nachgedacht, worüber wir gesprochen haben? Du weißt, das Angebot?"

Sie schwieg. Ohne es zu wollen, hatte sie die Kiefer aufeinandergepresst, die Stirn in Falten gelegt. Wie sollte sie denn mit ihm reden? „Hättest du es ihm gesagt?" Es war albern eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, doch ihr fiel nichts Besseres ein.

„Was?" Verwirrung sprach aus Heidensteins Stimme.

Noch immer hatte sie ihm den Rücken zugewandt, auch wenn sie wusste, dass er direkt hinter ihr stand. „Als ich angekommen bin. Er, das Kid, er hat dich gefragt, was passiert ist. Hättest du es ihm gesagt?"

„Was?" Er brauchte einen Moment, ehe er wirklich verstand. „Nein! Natürlich nicht. Es geht ihn nichts an." Er gab seinen Worten Nachdruck, schien empört über ihre Frage. Vielleicht war sie auch albern.

Sie nickte.

„Pakhet", versuchte er es erneut. „Ich mache mir Sorgen um dich. Bist du dir sicher, dass mit dir alles in Ordnung ist?"

Natürlich machte er sich Sorgen. Was auch sonst? Es war diese Art von Mann ... „Ja, es ist alles in Ordnung", sagte sie halbherzig. Sie wollte die Türklinke runterdrücken, als er die Hand auf ihre Schulter legte.

„Sieh mich zumindest an, Pakhet", meinte er ruhig.

Sie wollte nicht, aber dennoch zwang sie sich, sich umzudrehen. Sie sah ihm in die Augen und war halb überrascht, festzustellen, dass genau so groß war, wie sie – vielleicht sogar einen Zentimeter größer. Sie vergas es immer wieder.

Er musterte und tatsächlich sprach Sorge aus seinem Blick. „Ich will nicht, dass die Sache zwischen uns steht. Pakhet. Es tut mir wirklich leid, was passiert ist. Wirklich." Sein Blick war weicher, als er hätte sein sollen. „Ich will nicht verlieren, was wir hatten. Ja? Bitte."

Verdammt.

Sie schloss die Augen. „Schau, Doc. Ich ..." Ja, sie. Was? Was wollte sie sagen? „Ich will nicht, dass sich irgendwas verändert, okay? Ich will nicht, dass die Sache irgendwas verändert."

„Du bist diejenige, die Sachen verändert." Kein Vorwurf sprach aus seiner Stimme. Es war bloß eine Feststellung.

Verdammt. Warum musste er sie so ansehen? „Ich weiß", presste sie hervor, frustriert mit sich selbst. „Aber, Doc, ich ... Okay, du bist ein Freund, ja? Und ich will dich nicht verletzten." Hatte sie das wirklich gesagt? Fuck! „Ich meine, ich will nicht, dass du missverstehst."

Ein mattes Lächeln glitt über sein Gesicht. „Ich missverstehe nicht. Wirklich nicht. Du hast dich mehr als deutlich ausgedrückt: Für dich war all das ein Missgeschick und etwas, das nicht wieder vorkommen wird. Ich kann das respektieren, wirklich. Mir reicht es, einfach nur Freunde zu sein." Er schaute sie auf eine Art an, die sie nicht einordnen konnte. „Ich halte große Stücke von dir. Ich vertraue dir. Ich will deine Freundschaft wegen der Sache nicht verlieren."

Sie schloss die Augen und verfluchte sich selbst. Wie schaffte er nur, dass sie sich wegen der ganzen Sache schlecht fühlte? Schließlich zwang sie sich, ihn anzusehen. „Ich weiß", sagte sie leise. „Es tut mir leid. Ich wollte nur nicht, dass ..." Sie schüttelte den Kopf. Sie musste sich nicht wiederholen. „Ich werde versuchen das Ganze zu vergessen."

Er nickte, lächelte.

Schweigen.

Schließlich sah er sie an. „Du weißt, dass das Angebot ernst gemeint war. Ja?"

Sie nickte. Natürlich meinte er so etwas ernst. Er war nicht derjenige, der über so etwas scherzte. „Ja, ich weiß."

„Hast du darüber nachgedacht?"

„Ja, habe ich", erwiderte sie. „Aber ich weiß noch immer nicht. Ich habe meinen Job. Ich mag meinen Job. Ich ..." Sie schüttelte den Kopf. „Ich meine, ich kann es versuchen. Für dich arbeiten, meine ich. Aber nicht voll. Und nur ..." Wie sollte sie mit ihm darüber reden, ohne zuviel zu verraten? „Ich möchte vorher mit Mr Forrester sprechen, weißt du?"

Er zögerte, nickte dann aber. „Ich denke, ich verstehe." Er holte tief Luft, sprach erneut. „Und die andere Sache?"

Er wollte wirklich eine Antwort.

Sie hatte den Gedanken daran in den vergangenen Tagen mehrfach im Kopf hin und her geworfen. Es wäre dumm von ihr, zuzustimmen. Wenn sie die ganze Zeit beisammen wären, waren weitere Missverständnisse vorprogrammiert. Davon einmal abgesehen, dass es aus ihrer Sicht dumm wäre. Nein, es war nicht der richtige Zeitpunkt. Definitiv nicht. Auch wenn, so sehr sie sich auch bemühte, den Gedanken daran zu verdrängen, ihr Haus ihr mittlerweile seltsam leer vorkam.

„Nein, Doc", meinte sie. „Nicht ... Nicht jetzt. Es wäre aus meiner Sicht dumm, meinst du nicht?"

Er lächelte matt. „Wahrscheinlich."

Wieder senkte sich Schweigen zwischen sie. Dann holte sie tief Luft. „Ich werde Montag mit Mi..." Sie unterbrach sich. „Mit Mr Forrester sprechen. Und dann ... schauen wir mal, ja?"

Er nickte, lächelte.

„Dennoch", flüsterte sie. „Lass mir drei, vier Tage für mich, ja? Ich brauche noch etwas Abstand."

Wieder nickte er. „Mit drei, vier Tagen kann ich, denke ich, leben."

Sie schenkte ihm ein kurzes Lächeln und wandte sich wieder der Tür zu. „Ich melde mich dann bei dir."

„Okay. Komm gut heim."

„Was soll schon passieren?", meinte sie und konnte sich dabei selbst tausend Antworten auf diese Frage ausmalen. Dennoch öffnete sie die Tür und verließ den Raum, schritt ohne ein weiteres Wort des Abschieds den Flur hinab.

Erst als sie an der Treppe ankam, bemerkte sie, wie seltsam sie sich fühlte. Es war wirklich albern. Sie sollte darüber nicht so viel nachdenken.

 Sie sollte darüber nicht so viel nachdenken

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