Chapter One - Greys Anatomy Style

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Jason schläft wie ein Baby. Er legt immer beide Hände unter sein Kinn während er wie ein Embryo liegend schläft. Sein blondes Haar fällt ihm seidig ins Gesicht und seine vollen rosa Lippen sind leicht geöffnet. Ich habe ihn nie mehr geliebt als in diesem kurzen, ruhigen Moment. Er schnarcht nie. Er atmet nur ganz leise und sieht dabei aus wie ein Engel. Dafür hasse ich ihn ein wenig. Das Bett sieht immer aus als hätte darin ein Tsunami getobt, wenn ich allein darin schlafe. Was zugegebener maßen ziemlich selten der Fall ist. Ich versuche mich wie eine Katze auf leisen Pfoten aus dem Bett zu schummeln. Ich wackle mit den Füßen, bis ich die Decke abgeschüttelt habe und mit den Zehen den kalten Steinboden berühre. Die Sonne scheint warm auf meine kalten Füße und wirft pflanzenförmige Schatten auf mein Bett, weil es schon mittag ist. Jason schläft immer so lange wie möglich. Wenn meine Eltern in ihrem Geld baden könnten, würde ich es auch nicht anders machen. Ich hingegen muss leider aufstehen, um meine Schicht im Makao anzutreten. Wunderbar.

"Die heißeste Sushi Bar der Stadt". Wie wahr. Es ist heiß, laut und ein Mix aus Sushi Bar und Diskothek. Die besten Konditionen um die Ellbogen auszufahren und alle Kurven zu verstecken.

Ich halte die Luft an und versuche mich leise davon zu schleichen. Dabei schnappe ich mir schnell ein leichtes Seidentop und meine High Waist Jeans vom Stuhl. Genau jener epische Stuhl der die gesamte Kleidung des Hauses tragen muss. Man kennt diesen Stuhl. Wir alle haben ihn.

"So willst du doch nicht raus gehen oder?". Seine leise Stimme ertönt vom Bett. Also ist der doch wach. Der kleine Schauspieler. Ein kleiner Schauer wandert über meinen Rücken, weil ich genau weiß, wie diese Unterhaltung enden wird. Und ich habe absolut keine Zeit für eine stundenlange Diskussion über meinen Ausschnitt oder meine Schenkel.

"Natürlich nicht du Dummie.", antworte ich und ziehe mir schnell ein Sweatshirt über das süße Spitzenbesetzte Top, als ob es draußen nicht 30 Grad wären. Und das mitten im Herbst. Nun ist jeder verräterische Fleck meiner Haut bedeckt. Gott sei Dank.

"Bist du jetzt glücklich?", frage ich und verdrehe dabei die Augen.

„Ich wäre noch glücklicher, wenn du zurück ins Bett kommen würdest.", flüstert er dunkel und seine Hände wandern unter das Bettdeck. Ich kann ihn nicht ausstehen, wenn er sich so benimmt.

"Keine Zeit Süßer, sorry." Ich täusche ein entschuldigendes Lächeln vor und werfe ihm einen Luftkuss zu. Er schließt die Augen wieder und ich quetsche mich durch den Spalt in der Tür. Hastig eile ich die lange Treppe des Autumn Hauses hinab und versuche mich in die Küche zu schleichen.

"Ich hasse diese kleine Arschgeige."

Ich höre die rauchige Stimme meiner Grandma, bevor ich sie überhaupt sehen kann. ich schließe kurz die Augen und bete die Götter an mir Geduld zu schenken. Sie hasst Jason und sie macht absolut kein Geheimnis daraus. Ich weiß nicht einmal weshalb. Er ist immer höflich. Er bringt ihr Blumen, er kocht für uns, er hilft wo er nur kann und trotzdem hat sie nicht mehr als ein kurzes Nicken für ihn übrig, wenn überhaupt. Und ihre Ohren haben eigene Ohren. Kleine süße Ohren die durch die Flure laufen und versuchen unsere Geheimnisse aufzudecken, darauf wette ich. Sie belauscht uns immer. Jeden in diesem verdammten Haus. Sie ist die allwissende Göttin von ganz Dark Tree Hill.

"Ich weiß Oma.", seufze ich.

„Wie oft muss ich dir noch sagen nicht dieses furchtbare Wort zu benutzen?", fragt sie mich mit einem seichten Lächeln in ihrem perfekten Gesicht und hält mir eine Tasse Kaffee hin. Sie trägt einen jadegrünen Seiden-Morgenmantel und ihre Lippen sind bereits rot geschminkt. Vielleicht erwartet sie jemanden. Es wäre nicht das erste Mal. Sie sieht mit ihren Anfang 70 einfach großartig aus. Ich hoffe wirklich, dass ich genügend von ihren Genen abbekommen habe, denn jeder würde gerne wie sie aussehen, selbst die Damen in der Stadt, die nicht einmal auf die 50 zugehen, beneiden sie schamlos.

Kiss me in the DarkWo Geschichten leben. Entdecke jetzt