Chapter 2

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Das kleine Café war zum Bersten gefüllt, als Keith es um zehn nach drei betrat; das war nicht weiter überraschend, es war schließlich Wochenende und noch dazu hatte das Schuljahr gerade erst begonnen, sodass noch niemand Großartig für irgendwelche Klausuren zu lernen hatte.
Suchend blickte er durch den hellen Raum, der in der durch die große Fensterfront scheinende Nachmittagssonne von einem orangenen Licht erfüllt war, sein Blick wanderte über die Tische und die dort sitzenden Menschen, bis er sie endlich sah.
Sie saß ganz hinten, in der Ecke unter dem Gemälde irgendeines berühmten Künstlers, dessen Name Keith nicht kannte, ihr glattes, honigfarbenes Haar fiel ihr über die Schulter, es sah aus wie Gold in diesem Licht...
Ein Lächeln erschien auf Keiths Gesicht. Langsam, ohne den Eindruck zu erwecken, es sonderlich eilig zu haben - sie würde ihm schon nicht wegrennen - machte er sich auf den Weg, ging vorbei an den anderen Gästen, dabei betont auf sein Handydisplay blickend und erst dann den Blick hebend, als er direkt vor ihr stand.
"Hey!"
"Hey." Sie lächelte, strich sich die Haare zurück, sah einen Moment lang aus, als wolle sie aufstehen und ihn umarmen, überlegte es sich dann jedoch anders. „Ich dachte schon, du kommst nicht mehr..."
„Ich musste noch was erledigen." Sein Lächeln wurde breiter, er setzte sich auf den Stuhl ihr gegenüber, griff nach der Karte.
Sie sah aus, als wäre sie ein wenig beleidigt, sagte jedoch nichts.
Natürlich. Sie sagten nie etwas. Nicht bei ihm. Dazu waren sie viel zu glücklich darüber, dass er sich überhaupt mit ihnen verabredet hatte.
Während er die Karte studierte fragte er, nicht wirklich sonderlich interessiert: „Und, wie geht's dir?"
"S...super! Fantastisch!" Sie senkte den Blick, biss sich auf die Unterlippe. „Und dir?"
"Ja. Auch."
Dann schwiegen sie.
Schwiegen bis der Kellner nahm, gaben ihre Bestellungen auf, schwiegen wieder.
Ein irgendwie unangenehmes Schweigen. Keith war es gewohnt, dass seine potentiellen Freundinnen redeten wie ein Wasserfall, ihn kaum zu Wort kommen ließen - so waren doch eigentlich alle Mädchen. Doch sie war anders, zurückhaltend, schüchtern...und das irritierte ihn.
Nach einigen Minuten, in denen sie nervös auf die Tischplatte gestarrt hatte, hob sie den Blick, murmelte „Ich geh kurz auf Toilette." und stand auf.
Keith nickte nur.
Er hatte keine Ahnung, was er von dem Mädchen halten sollte. Sie war vollkommen anders als all die anderen, doch nicht unbedingt auf eine negative Art und Weise...nein...vielleicht...würde es dieses Mal...
„Keith? Was machst du denn hier?"
Die Stimme überraschte ihn vollkommen. Sie kam von hinten, hatte einen seltsam rauen Klang und kam ihm ziemlich bekannt vor...doch er konnte nicht genau sagen woher.
Eines der Mädchen vom College wahrscheinlich...
Genervt verdrehte er die Augen; konnte sie denn nicht sehen, dass er beschäftigt war? Gehörte es sich, einfach so Leute in der Stadt anzusprechen? Hatte man denn überhaupt keine Privatsphäre mehr?
"Was ist denn?", fragte er gereizt, drehte sich augenrollend zu der Stimme um - und erstarrte.
Sein Unterkiefer klappte herunter, fassungslos starrte er auf die Gestalt, die dort vor ihm stand, ihn mit einem Blick anstarrte, der ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Ihr Mund verzerrte sich zu einem Grinsen als sie erwiderte: „Sehe ich das richtig? Du hast ein Date?"
Er versuchte, eine Antwort herauszubringen, schaffte jedoch nichts weiter als ein seltsames heiseres Krächzen, kniff die Augen zusammen, riss sie wieder auf...Sie stand immer noch dort.
Grinste, schüttelte langsam den Kopf. „Hast du mich so schnell ersetzt? Wirklich? Du verdammter..."
"Was tust du hier?" Seine Stimme klang schrill, ängstlich, und dafür hasste er sich, doch immerhin gelang es ihm, leise zu sprechen. „Ich dachte, du..."
Sie antwortete nicht. Lächelte nur. Und langsam begann sie, sich zu verändern.
Ihr dunkelbraunes Haar, eben noch seidig und glänzend, wurde matt, fettig und zerzaust, ihre Augen verloren jeden Glanz, wirkten nun beinah wie tote Fischaugen und ihr Porzellangleiche Haut bekam Risse, Flecken, begann aufzuquellen...
Sie riss den Mund auf, weiter, als es bei einem normalen Menschen jemals möglich gewesen wäre und mit Entsetzen erblickte Keith das verfaulte, nahezu schwarze Zahnfleisch, auf dem sich unzählige dicke, weiße Maden tummelten.
„Wie in meinem Traum", schoss es ihm durch den Kopf, während er fassungslos dasaß, wie hypnotisiert auf das ekelhafte, widerliche Bild starrte das sich ihm bot und langsam merkte, wie Übelkeit in ihm aufstieg...Übelkeit und das Bedürfnis, zu schreien. Doch kein Laut kam aus seiner Kehle.
Ja. Der Anblick glich dem in jenem Alptraum, der ihn heute Nacht aus dem Schlaf gerissen hatte. Doch einen unterschied gab es.
Sie.
Im Traum war es jemand anders gewesen. Nicht sie.
Nicht Joyce.
Und noch während er dies dachte, noch immer darum bemüht war, einen Laut hervorzubringen, zu schreien, spürte er wie sich ihre klammen Finger um seinen Hals legten und fest zudrückte, so lange, bis ihm langsam schwarz vor Augen wurde.

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