●17 - Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen...

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Part - 2 - Und der Blinde ist blind, solange. er nicht sieht.

(ACHTUNG: könnte traurig werden :>)

Ich schaute zu, wie Cassiel dem christlichen Krieger zur Front folgte.
Ich schnaubte.
»Ich kann es nicht glauben...«, murmelte ich.
Irgendwie konnte ich verstehen, dass er auf der Seite seiner Leute kämpfen wollte, doch ich war trotzdem so wütend, dass ich nicht klar denken konnte. Ich fühlte mich von Cassiel im Stich gelassen, war enttäuscht.
Ich war sauer, weil er sich nicht für mich entschieden hatte.

Ich rieb mir die Augen. Meine Sicht verschwamm etwas und ich fühlte mich, als bräuchte ich eine Brille.
Ich versuchte mich zu entspannen, doch ich konnte nicht. Cassiel spukte durch meine Gedanken und wollte nicht verschwinden.
Ich rieb mir erneut die Augen und seufzte.
Einer der anderen Heiden bemerkte mein Verhalten und sprach mich an.

»Nervös, Bursche?«, fragte er mich.
»Ein wenig, denke ich mal...«, antwortete ich und versuchte, mich zu konzentrieren.
Ich sah, wie Cassie ein Schwert und ein Schild in die Hand gedrückt wurden. Meine Sicht verschwamm erneut, dieses mal länger.
Mir wurde eine Hand auf die Schulter gelegt:
»Die Götter sind auf unserer Seite. Mach dir keinen Kopf.«

Ich schaute über meine Schulter, durch meine getrübte Sicht sah ich Odin auf dem Hügel stehen, er hob die Hand zum Gruß.

»Ja, das sind sie wohl...«
Ich umfasste den Schaft meines Speeres fester und kämpfte weiter gegen die Blindheit an. Was war los mit mir?!

Ich wollte nicht gegen Cassiel kämpfen, doch er hatte sich dafür entschieden.
Ich machte mich kampfbereit.
Im nächsten Moment stand ich mitten im Geschehen.

Der Speer lag angenehm in meiner Hand und meine Instikte führten mich einwandfrei. Weder wusste ich, woher besagte Instinkte kamen, noch verstand ich es. Das einzige, das ich wusste – zumindest wurde es schnell klar – war: Je mehr ich mich auf diese Instinkte verließ, desto weniger konnte ich sehen, desto weniger von meiner Umgebung bekam ich mit.
Irgendwann fühlte ich mich, als wäre ich auf Autopilot. Der Lärm rückte in den Hintergrund und mir war nicht mehr bewusst, was ich genau tat.

Für einen kurzen Moment meinte ich, Cassies Gesicht durch den Schleier der Blindheit, die mehr und mehr zunahm, gesehen zu haben, doch ich nahm ihn nicht richtig war und da war er schon wieder weg...

Ich fragte mich, wie lange ich wohl weg gewesen war, nachdem sich meine Sicht endlich besserte. Ich lag auf dem Schlachtfeld. Langsam richtete ich mich auf, mein Kopf tat weh und meine Schulter pochte.

Ich schaute mich um.
Etwas entfernt sah ich den Schaft meines Speeres, die Spitze tief in der Brust einer blonden Person steckend. Ich schreckte zurück... ich kannte diese Person.

Cassiel lag in einer Pfütze aus seinem eigenen Blut. Mein Speer ragte bedrohlich aus seinem schlanken Körper.

Mir stiegen Tränen in die Augen und ich schrie. So laut wie noch nie in meinem Leben.

Ich sprang auf und stolperte ein paar Meter nach vorne, um vor Cassiels lebloser Gestalt auf die Knie zu fallen.
Mit zitternden Fingern nahm ich Cassies kaltes Gesicht in meine Hände.
Seine grauen Augen waren geschlossen.

Durch meinen Körper lief ein Schauer und ich schluchzte.
Ich legte meine Stirn gegen seine und weinte bitterlich weiter.

Ich hatte ihn getötet.
Das wusste ich...
Ich wollte sterben...

Ich zitterte am ganzen Leib.

»Cassie...«, flüsterte ich und schluchzte erneut.

Vergeblich hoffte ich: Hey, vielleicht antwortet er ja, vielleicht ist er nicht wirklich tot.

Doch je länger ich hier weinend auf dem Boden kauerte, war das einzige, was ich hörte, das Brummen der Fliegen.

Ich stand auf.
Meine Beine zitterten, und mein Gesicht tat weh. Sowieso, alles tat irgendwie weh...

Ich schaute auf Cassiels leblosen Körper und wusste nicht, was ich tun sollte.
Ich wusste nicht, wie ich weiter machen sollte.

Was würde ich seiner Mutter erzählen? Ich bin ein Mörder. Sein Mörder. Sie wird so wütend sein. Mich womöglich hinter Gitter bringen. Könnte ich es ihr verübeln?

Am liebsten würde ich mich umbringen...
Es ausgleichen. Seinen Tod ausgleichen.
Cassiel hatte das nicht verdient.
Nein. Er hatte das ganz und gar nicht verdient. Er war ein guter Mensch... so viel stärker, als es vielleicht auf den ersten Blick schien.
Er war so liebevoll, so süß... wieso... wieso hatte ich das getan...?

Ich sah durch den Schleier aus Tränen meine Hände, wie sie langsam den Schaft des Speeres umklammerten, ihn vorsichtig aus Cassiels Körper zogen. Vorsichtig... Ich wollte ihm nicht noch einmal wehtun, auch wenn es eigentlich schwachsinnig war... Cassie war schon lange tot...

Ich ließ den Speer neben mich fallen und meine Hände von der Waffe gleiten.
Meine Finger streiften etwas Kaltes.
Ich schaute zu meiner Linken.

Meine Hand berührte einen silbernen Dolch, er war erstaunlich sauber, glänzte mich an.
Ich nahm ihn in die Hand, wie in Trance schaute ich auf die Klinge; in mein Gesicht.
Schwach. Ich sah schwach aus. Zerzaust und müde. Blut verkleidet, meine schwarzen Haare, und meine hellen Augen hatten ihren Schein verloren.
Ich sah tot aus... doch ich war es nicht... Wieso eigentlich?

Ja... Ich sollte sterben...
Es war meine Schuld...
Ich muss bezahlen...

Ich drehte die Schneide des Dolches, so, dass sie auf mich zeigte.
Meine Hände zitterten fürchterlich, als ich den Griff fest umschloss.
Die Spitze der Schneide berührte meinen Bauch. Ein Schauer durchzog mich.

Ich wollte das... Ich wollte sterben.
Ich muss sterben.

Ich kniff die Augen zu.

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Wieso heute nur zwei Kapitel?

- weil es im Grunde ein großes Kapitel ist, welches in etwa die Mitte der Geschichte darstellt. Diese beiden Kapitel gehen sehr stark auf unsere beiden Haubtcharaktere ein und zeigt sie aus ihren "Übernatürlichen" Blickwinkeln. Der nächste Haufen Kapitel is in Arbeit :)

- Stay save

Ms. Pumpkin :>

Zwei Welten - Wie im Himmel so in Midgard Where stories live. Discover now