6.06. Alles unter einen Hut bringen!

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Die Mütter Rica und Lang sind noch verwirrt und aufgebracht wegen des Reportes, der dieses aggressive Verhalten an den Tag gelegt hat. Langsam beruhigen sie sich und freuen sich über das Lob zu den wirklich wieder ausgesprochen leckeren Speisen. Vor dem Essen hat Jonathan in Rekordzeit vom Platz vor der Polizeistation Cola, Sprite und Mineralwasser besorgt.

Das gute Essen und das Lob an die Mütter lenken ab und hebt die Stimmung. Keiner möchte über unangenehme Themen wie Kinder im Kinderheim des BSWD, Polizistinnen, Verhöre, Attorneys, TV-News, Reporter und Pressekonferenzen sprechen.

Um sich zu beruhigen, raucht Lang eine von Mik-Miks Zigaretten. Sie ordnet das störrische Haar mit der Marlboro in Hand. Dann wendet sie sich an mich: „Tommy, die nette Mitarbeiterin vom BSWD fragt nach Wechselwäsche. Am besten wäre es doch, könnte jemand die Wäsche aus dem Dorf bringen."

Ich verspeise gerade ein leckeres Stück gegrillten Fisch, da kommt mir eine Idee: „Wie wäre es, wenn Vicente und Romolo gleich morgen kommen würden? Attorney De Baron hat vorhin davon geredet, dass Ihr, also alle Eltern und auch meine Freunde, damit hat er Franco, Marielou und vielleicht auch Jonathan gemeint, sogenannte „Witness Affidavits" - also Zeugenaussagen - bei ihm anfertigen sollen. Kagawad Jacub Castro könnte das auch machen, wenn er möchte! Heute ist schon Donnerstag. Ich habe keine Ahnung, ob De Baron auch am Samstag arbeitet. Kann ihn ja gleich fragen. Ich wundere mich, wo der bleibt. Redet der so lange mit den Polizistinnen? Und was hat die Pressekonferenz ergeben?"
Bei den letzten Gedanken wird es mir leicht mulmig in der Magengegend. Die kalte Cola wirkt dagegen wie Medizin.

Franco tupft sich mit einem kleinen Handtuch den Mund: „Tommy, ich könnte den Wärtern sagen, dass ich dringend anrufen muss. Dann rufe ich Kagawad an und berichte von Deinem Plan und wir wissen gleich, ob Kagawad, Romolo und Vicente morgen schon kommen können."

„Gute Idee, Franco. Hast Du Load, also Guthaben?"

„Hab ich, Tommy. Eine Promo für 30 Piso, Unlimited Call." Er begibt sich sofort auf den Weg zur Schranke.

„Sehr gut! Vergiss nicht, nach Wechselwäsche zu fragen!", rufe ich ihm nach.

„Aber was ist mit Ernesto?", fragt Rica.

„Und mit Matthew?", ergänzt Lang.

„Ach, Gott, ja, die Zwei. Gut, wir müssen De Baron fragen, ob ein Elternteil zur Witness Affidavit genügt. Aber kommen sollen Eure Ehemänner natürlich auch."

„Tommy, schau mal, da ist ein Ausländer!", ruft unvermittelt Jonathan und springt auf.

Tatsächlich begibt sich gerade ein grau gelockter Ausländer in Begleitung dreier älterer philippinischer Frauen aus dem Gebäude zum Parkplatz. Am teuren, dunklen SUV mit schwarz getönten Scheiben lehnt ein rauchender und gut gekleideter Filipino mit Pilotensonnenbrille. Sofort schnippt er die Kippe weg, sprintet um den schweren Toyota und reißt die Beifahrertür auf. Die Frauen öffnen selber die hinteren Türen und steigen ein.

„Was der hier wohl will und was verstauen die Frauen da im Wagen? Das sieht aus wie zwei Stäbe!", berichte ich laut den Freunden und ergänze: „Na ja, jedenfalls ist der Mann wohl nicht wegen mir hier. Der weiß wahrscheinlich nicht einmal, dass ich hier sitze. Sonst würde der mich bestimmt kurz besuchen kommen und guten Tag sagen. So viele Ausländer hat es hier in Tugalm City ja nicht, da grüßt man sich schon mal."

„Bestimmt war der auf der Pressekonferenz, Tommy!", bemerkt Marielou.

„Vielleicht ein Reporter?", vermute ich und setze mich wieder hin. Da kommt mit großen Schritten und über das ganze Gesicht grinsend Attorney De Baron um die Gebäudeecke.

Jonathan springt auf und bietet dem Attorney seinen Platz an. Mik-Mik beginnt sogleich Marlboro zu verteilen. De Baron lehnt ab und holt eine Schachtel Lucky Strike aus der Aktentasche und bietet die an. Michael bekommt große Augen, greift schnell zu und drückt seine Marlboros zurück in die Schachtel. Auch ich nehme Attorneys Angebot gerne an.

REISE INS VERDERBEN - by NOKBEW™Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt