[22.07.2011 - D22 - Reue]

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Pakhet hasste es. Sie hatte sich eigentlich auf diesen Urlaub gefreut und nun saß sie in ihrem Zimmer und traute sich kaum rauszugehen. Sie war nicht feige, verdammt, doch sie wusste einfach nicht, wie sie mit Heidenstein reden sollte. Was sollte sie denn noch sagen? Wie konnte sie etwas sagen, ohne dass er es falsch verstand?

Wieso hatte ihr so etwas passieren müssen?

Sie lag rücklings auf dem Bett, während ihr Arm auf dem Tisch des Hotelzimmers wieder auflud. Was konnte sie noch tun?

Sie schloss die Augen und versuchte noch einmal Schlaf zu finden. Ihr Unterbewusstsein war jedoch nicht kooperationsbereit. Sofort schickte es ihr Erinnerungen an die letzte Nacht. Fuck. Wieso?

Sie musste letzte Nacht zu übermüdet gewesen sein. Sie hatte sich nicht unter Kontrolle gehabt. Sie war wütend gewesen und wenn sie wütend war, Ablenkung suchte, fand sie diese oftmals in einem Hotelzimmer mit einem Fremden. Nun, es war dieses Mal ein Hotelzimmer gewesen. Nur kein Fremder. Zumindest hatten sie ein Kondom verwendet – nicht das sie glaubte, dass er irgendeine Krankheit hatte.

Wieso hatte sie es nur getan?

Ein zögerliches Klopfen an der Tür.

Sie ignorierte es.

Ein weiteres Klopfen. „Pakhet? Bist du da drin?"

Ach, dieser verfickte Idiot!

Sie war nun seit sechs Stunden in diesem Zimmer. Wahrscheinlich war es langsam Zeit, etwas zu essen. Doch dafür müsste sie das Zimmer verlassen, müsste mit ihm reden.

„Pakhet?", war seine Stimme erneut zu hören.

Sie seufzte. Er war ihr Freund. Ihr vollkommen platonischer Freund. Sie konnte ihn auch nicht einfach so hängen lassen. „Ja", erwiderte sie halblaut.

Sie kämpfte sich auf die Beine, ging zur Tür und öffnete sie. Heidenstein sah so müde aus, wie sie sich fühlte. Offenbar hatte auch er keinen Schlaf gefunden.

„Kann ich reinkommen?", fragte er.

Sie seufzte. Nickte. Sie ging zu dem Tisch, auf dem ihr Arm lag, sah auf die kleine Anzeige am Ladegerät. Achtzig Prozent. Das sollte für den Tag reichen.

Sie löste die Prothese vom Ladegerät, löste die Abdeckung von ihrem Arm und befestigte die Prothese an dem aus ihrer Haut hervorragenden Metallbolzen, der der Prothese den Halt gab.

Heidenstein beobachtete all das von der Tür aus, schloss diese dann, kam zu ihr hinüber.

Er zögerte. „Ich wollte mit dir reden."

Musste das sein? Sie nickte matt und fixierte den Blick auf dem Fernseher, der an einer Aufhängung von der Decke über der Zimmertür hing.

Heidenstein zögerte. „Ich habe letzte Nacht nichts getan, was du nicht gewollt hast, oder?"

Natürlich fragte er so etwas! Das bedeutete, dass sie auch noch darauf antworten musste. Sie stöhnte leise, genervt, aber ergeben. „Doc. Glaubst du wirklich, dass du hier noch stehen würdest, wenn es so gewesen wäre? Glaubst du, dass ich mich dann nicht gewehrt hätte?"

Er schwieg, schürzte die Lippen, nickte dann. Erleichtert. „Nein, glaube ich nicht." Wieder seufzte er. „Ich wollte nur sicher gehen."

Sie sah ihn an, zögerte ihrerseits. Ach, verdammt. „Was letzte Nacht passiert ist, habe ich letzte Nacht auch gewollt. Es war nur eine extrem dumme Idee. Ich hätte es besser wissen müssen."

Er nickte wieder. „Okay. Ich verstehe." Er versuchte ihr in die Augen zu sehen. „Wirklich, Pakhet. Ich verstehe. Es war nur Sex. Wir sind nur Freunde." Offenbar wollte er sie beruhigen.

Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Ja. Das."

Sein Blick glitt durch den Raum, als er merkte, wie es ihr unangenehm wurde. Schließlich sah er auf seine Hände, die er auf dem Tisch gefaltet hatte. „Es tut mir leid."

Sie schüttelte den Kopf, verschränkte die Arme. „Es war meine Schuld." Sie hätte es nicht zulassen dürfen.

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