6.05. Nongovernmental Organization

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CIDG-Officer Villanova ist sofort in sein Büro verschwunden und Ma'am Papillio ist wie immer - sogar nach der Pressekonferenz - die Ruhe selbst. Sie hantiert an der kleinen grünen Efficascent Oil-Flasche herum und reibt sich sogleich einige Tropfen des ätherischen Öls auf die Schläfen.

"Ma'am Tolisan, möchten Sie?"

Ma'am Tolisan lehnt dankend ab, denn sie will auf keinen Fall, dass Ma'am das leichte Zittern ihrer Hände bemerkt. Das Zittern vor Anspannung und vor Aufregung wegen der Pressekonferenz, aber die ist ja nun glücklicherweise vorüber.

Ma'am Tolisan ist wie so oft ganz angetan von ihrer Chefin. 'Wie macht sie das nur?', denkt sie glücklich und voller Stolz, mit einer so herausragenden Polizistin wie Ma'am Papillio zusammenarbeiten zu dürfen. Vorsichtig fragt Ma'am Tolisan: "Ma'am, sind Sie mit der Pressekonferenz zufrieden?"

Es duftet angenehm nach Menthol, Kampfer und Eukalyptus.

"Ja, durchaus! Bis auf diesen NGO, aber das sind wir ja inzwischen hier auf den Philippinen gewohnt. Gerade in solchen Fällen, wo "Ausländer, Kinder, Hotel" genannt werden. Ich habe das nun schon ein paar Mal in den Medien gesehen. Nun sind wir halt selber betroffen. In Libertad de Santos hat dieser NGO tatsächlich einen studentischen Volontär als Lockvogel in einen Nachtclub geschickt. Der hat dann dort eine 17-Jährige verlangt und bekommen. Bang! Die Kollegen haben das Nest ausgehoben, den ausländischen Besitzer und dessen Helfer arrestiert. Die Aktivistinnen des NGOs haben anschließend vor dem Gerichtsgebäude demonstriert, bei jedem Verhandlungstag! Sie kennen die Story, Ma'am Tolisan."

"Ja, Ma'am, ich kenne diese Story. Das hätte für den Volontär, den Lockvogel, böse enden können."

"Ist es aber nicht!", wirft Ma'am Papillio ein.

Ma'am Tolisan berichtet weiter: "Der NGO hat sich dann damit gebrüstet und dafür gesorgt, dass der öffentliche Druck auf den Staatsanwalt und auf den Richter gewaltig gestiegen ist, obwohl das in diesem Fall nicht nötig gewesen wäre. Eine 17-Jährige im Nachtclub - oder war es sogar ein Bordell? - arbeiten lassen, die Beweislage ist hier mehr als eindeutig."

Ma'am Papillio klopft laut mit einem Stift auf den Schreibtisch: "Und das Mädchen war in der Zeit der Gerichtsverhandlung unter Obhut des Kinderheims im BSWD."

Ma'am Tolisan nutzt die kurze Gedankenpause: "Ma'am, der Ausländer und seine Helfer, die haben Lebenslänglich bekommen."

"Reclusion Perpetua, lebenslange Haft, Ma'am Tolisan, ich weiß, ging ja durch alle Medien." Ma'am Papillio stöhnt und fährt fort: "Wie anders ist doch der Heger-Fall gelagert." Obwohl Ma'am Tolisan schweigt, sagt Ma'am Papillio plötzlich: "Ma'am, seien Sie mal bitte gerade still, da reden doch Leute vor unserer Bürotür."

Ma'am Tolisan fixiert die Bürotür, da klopft es auch schon.

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Ma'am Papillio freut sich gedanklich: 'Oh, da ist endlich einmal jemand, der anklopft', aber dann wird die Bürotür doch unaufgefordert aufgestoßen.

Officer Sarang steht im Türrahmen. Ihm ist anzusehen, dass er nur sehr ungerne stört. Er räuspert sich: "Ma'ams, entschuldigen Sie, wenn ich hier so hereinplatze, aber dieser NGO, der Ausländer, möchte Sie unbedingt sprechen."

Ma'am Papillio und Ma'am Tolisan verziehen die Gesichter. Ma'am Papillio fragt: "Wo ist der NGO jetzt?"

"Na, hier!"

Der Ausländer scheint im Flur neben der Tür gestanden zu haben, denn nun sehen die Polizistinnen das grinsende Gesicht und die stahlblauen Augen des grau gelockten Mittvierziger.

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