29. Du bist perfekt, aber ich nicht.

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„M-Mia... i-i-ich. Also...“
Der schwarzharige, große Mann wibbt unruhig auf seinem Stuhl herum und schaut mich nicht an.
Ich blicke ihn leer an, ohne eine Miene. Was ein verficktes Aschloch der ist, im wahrsten Sinne des Wortes.
Seine Hände liegen gefaltet auf dem Metall Tisch, sind dennoch gefesselt.
„Möchten sie es Mrs. Jhonson nicht erklären, Mr. Choi? Oder muss ich das für sie tun?“
Taehyung's Stimme klingt fremd und hart, von dem netten Lächeln ist keine Spur übrig.
Mein Lehrer, Mr. Choi, hebt kurz den Blick, richtet ihn aber wieder nach unten, als er mir in die Augen sieht.
„Es... es. Ich habe Probleme. U-und, a-a-also. B-b-b-b...“
„Von diesem Gestottere bekommt man ja Ohrenschmerzen. Ich wills dir sagen Mi--“
„Nein!“ ich rücke auf meinem Stuhl zurecht.
„Das möchte ich von Mr. Choi selbst hören. Die ganze Geschichte!“
Verzweifelung spiegelt sich auf den Angeklagten wieder wie blaue Farbe. Er ist sichtlich nervös und nicht erleichtert darüber, dass er mit mir sprechen muss.
„N-nun. Ich hatte schon... schon lange ein... also ein... Auge auf dich geworfen. Ich mein, schau dich doch mal an. Du bist nett, hast ne gute Figur, bist nicht zu überheblich, du hast große Brü--“.
KLATSCH!
Meine flache Hand hinterlässt einen weißen, aber gut sichtbaren Abdruck auf der Wange meines Lehrer. Was ein perversling er doch ist. Aber ich wollte ihn reden lassen. Allerdings nicht über meine Werte, sondern um seine Tat.
Ein Polizeibeamter zieht mich mit sammt Stuhl etwas vom Tisch weg, wahrscheinlich, damit ich das Arschloch nicht nochmal schlage.
„Red weiter!“ sage ich und nicke Richtung Choi.
„N-nun... entschuldige. Ich habe n-nunmal schon lange solche Probleme. U-und eigentlich war Max nur dafür da, damit er dich zu mir bringt. A-aber er wollte dann wohl auch mal... also. M-max ist der, der dich überfallen hat. A-also... Max ist sein Spitzname. S-simpel zu verstehen o-o-oder?“
Das reichte. Dieses Spatzenhirn von Perversling und Dumm war mir so egal, wie ein Taschentuch. Stumm stand ich auf, schüttelte Taehyung die Hand und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum.

Wooyoung schaut mich mit großen Augen an. Scheinbar hatte Taehyung ihn noch nicht eingeweit, wieso auch immer. Für mich jedenfalls wäre es kein Problem gewesen.
„Was passiert jetzt mit ihm?“
Ich zucke mit den Schultern und sage
„Er verliert auf alle Fälle seinen Job. Und ins Gefängnis wird er dich auch kommen. Aber er wurde ja nich nicht verurteilt.“
„Wann ist denn die Gerichtsverhandlung?“
Ich überlege, krame aber schließlich den Zettel heraus, auf dem alle anstehenden Ereignisse stehen.
„Am Samstag um 19:10...“
Wooyoung nickt.
„Es tut mir Leid, dass das alles so passiert ist.“
„Ach, ich glaube ich komme darauf zurecht. Immerhin ist ja dank... dank dir nichts passiert.“
„Das meine gar nicht.“
In Wooyoungs Augen glitzert es, aber sogleich verdunkeln sich seine Augen.
„Du warst perfekt. Aber ich nicht.“
Was? Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich war perfekt, aber er...
Wooyoung wollte die Treppr hoch gehen, aber ich sprang auf und hielt ihn an der Schulter zurück.
„W-was meinst du? Was meinst du mit “Aber ich nicht“? Weil du deine Eltern umgebracht hast? Im Grunde genommen hast du sie ja gar nicht getötet. Du hattest nur die Chance sie zu retten u-und du--“
Wooyoung legt mir einen Finger auf die Lippen und streicht darüber.
Ich hingegen erstarre und eine Wärme breitet sich aus, wie ich sie zuletzt im Urlaub gespürt hatte.
Wooyoung schaut mir in die Augen und drückt mich schließlich an ihn.
Sein Mund wandert hinunter zu meinem Ohr. Er flüstert:
„Weißt du Mia. Ich habe vielleicht meine Eltern nicht getötet. Klar ich hätte sie retten können. Aber ich habe noch so viele andere Menschen getötet. In meinem Herzen. Und das kann manchmal viel mehr Schmerzen, als ein Stich in den Schädel eines anderen.
Hier in der WG habe ich meine ersten richtigen Freunde gefunden.
Und dann kamst du. Ich habe dich so gehasst und doch so geliebt. Und ich habe versucht dich zu verbannen. Aus meinem Kopf und aus meinem Herzen. Aber es klappte nicht.
Anscheinend wollte das Schicksal, dass wir uns jetzt hier treffen und dass wir uns unsere Geschichten erzählen. Aber ich fühle mich, als wäre ich schon mein Leben lang bei dir gewesen und würde deine Geschichte kennen.“
Er srückt mich noch einmal ganz feste an sich und raunt:
„Ich konnte dich nicht verbannen. Vielleicht aus meinem Kopf, aber niemals aus meinem Herzen. Du hast den wahrscheinlich größten Teil in mir ausgefüllt, der all die Jahre leer und dunkel blieb. Du bist perfekt...“
Er löst sich und geht die Treppe hinauf. Oben angekommen fügt er hinzu:
„...aber ich nicht“

Good or Bad Boy [ATEEZ FF / Wooyoung]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt