the man with the child in his eyes

@katebushmusic

Irgendwann erwischt es jeden. Dieses Gefühl vollkommener Zufriedenheit. Später, wenn die Stimmen dich anschreien, musst du heulen, wenn du daran zurückdenkst. Doch in dem Augenblick, wenn dich die Erkenntnis trifft, ist sie einfach nur schön.Mich erfasste das Gefühl in einem ganz belanglosem Moment. Nachdem wir den ganzen Tag in der Halfmoon Bay verbracht hatten, fuhren Joan und ich in meinem Nachbau eines Ferrari 250 GT mit Elektroantrieb die Küste rauf, um im La Costanera etwas zu Essen. Die Surfboards auf dem Dach klapperten im Fahrtwind und aus dem Radio trällerte Kate Bush. Die Sonne stand schon tief und tauchte Joans Gesicht in flüssige Bronze.Fuck, dachte ich. Alles ist gut.Wie konnte das nur sein?»Hab ich was im Gesicht?« fragte Joan und strich sich eine Strähne ihres dunklen, noch feuchten Haars hinter ein Ohr.»Nein.«, sagte ich und grinste meine wunderschöne Freundin an. Joan erinnerte mich immer an die Frau in dem knappen Lederbikini aus ›Planet der Affen‹. Joans Haare waren kürzer, aber sonst hätte sie fast als Linda Harrisons Zwillingsschwester durchgehen können.»Cool« erwiderte Joan und begann ebenfalls zu grinsen.Wir fuhren irgendwo rechts ran und liebten uns, so angenehm wie man sich in einem Ferrari nur lieben konnte. Kate Bush sang uns dabei ein Ständchen.

Danach rauchten wir in aller Ruhe einen Joint. Der moderate Konsum von Marihuana war in Kalifornien mittlerweile legal, dennoch war es für mich immer noch mit dem Stigma des Verbotenen behaftet.Ich kurbelte das Seitenfenster herunter und blies den Rauch in die Abendluft. Ein Schwarm Amazon Drohnen zog surrend am Abendhimmel vorüber. Mit ihrer schwarz-gelben Lackierung erinnerten sie an einen Schwarm riesiger Hornissen.

(Something happened on the way to heaven),

erklärte die Stimme von Phil.Die künstliche Intelligenz mit dem beschränktem Sprachschatz steckte immer noch in meinem Kopf. Seit ich jedoch mit Joan zusammen war, machte Phil sich nur noch sporadisch bemerkbar. Vermutlich war die Gute einfach nur eifersüchtig. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich Joan noch nichts von Phil erzählt hatte. Zwei meiner vorigen Bekanntschaften hatten sich von mir spontan getrennt, als ich ihnen in der ›Nach gutem Sex erzählt man sich seine Geheimnisse‹-Phase damit rausgerückt hatte, dass ich eine weitere Persönlichkeit mit mir herumschleppte.Eine der Damen war eine Medizinstudentin an der UCSF und diagnostizierte daraufhin die Menière-Krankheit bei mir.»Ich habe nicht Morbus Menière, ich habe Morbus Philicus« erklärte ich. Ich wollte witzig sein, einen Scherz machen. Doch meine Bettgespielin war nicht zum Scherzen aufgelegt gewesen.»Wenn ich verrückte Schlampen vögeln will, dann nehme ich mir eine aus dem Schwesternwohnheim!« rief sie mir noch auf dem Flur ihres Studentenwohnheims hinterher.Frauen. Selbst wenn man selbst eine ist, erleichtert das einem nicht unbedingt eine zu lieben.

(Come with me)

sagte die Stimme von Phil in meinem Kopf. Seit Wochen war es das erste Mal, dass Phil wieder zu mir sprach. Ich gab einen Ton leichter Überraschung von mir. Etwa wie ein: »Hmh.«»Hey, alles klar?« fragte Joan. Sie reichte mir den Rest vom Joint. Ich machte einen letzen Zug und schnippte dann den Stummel auf den Asphalt.Ich lächelte sie schief an. »Yep. Alles bestens, Babe.« 

(Come with me)

forderte Phils Stimme erneut. Eindringlicher diesmal.»Ich kann jetzt nicht.« sagte ich zu Phil. Ich wollte es nur denken, aber durch den Einfluss vom Dope plapperte ich es laut heraus. Joan runzelte die Stirn. »Was kannst du nicht?« fragte sie mich.

(Take me home)

rief Phil so laut in meinem Kopf, dass ich vor Schreck zusammenzuckte. »Was ist los, Schatz?« fragte Joan. Ihre Stimme klang besorgt.

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