5.04. Teenager

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Michael und der junge Officer kommen vom Rauchen zurück. Aboy, Dan und Phil sind ebenfalls wieder im Büro. Die drei Jungen begrüßen stürmisch Jonathan und Marielou.

Jonathan sitzt nun im Stuhl aus Bambusrohr und sein Bruder Sam daneben auf der Lehne. Er hat seinen Arm auf die Schulter des großen Bruders gelegt. Jan und Dan sitzen links und rechts neben ihrer Mutter Lang auf der Bank der Sitzgruppe. Dan legt seinen Kopf in Mamas Schoß und Lang beginnt ihm das Haar zu kraulen. Phil geht seinem Vater Michael nicht von der Seite. Aboy sitzt etwas unschlüssig neben Michael, der hat auch auf der Bank Platz genommen. Aboy ist der einzige Junge, der keinen nahen Verwandten im Büro hat, abgesehen von Phils Vater Michael und natürlich Phil, dessen Mutter Vicente Aboys Cousine ersten Grades ist.

Marielou und Jonathan essen mit gesundem Appetit. Rica und Lang haben aber auch viel und sehr lecker gekocht.

Ich sitze auf einem der Stühle und bin gerade dabei, Attorney Padernestos Schreiben aus dem Kuvert zu ziehen, da betritt der Officer, der von Ma’am Papillio zurückkehrt, das Büro: „Mr. Heger, Ma’am Papillio erlaubt Ihnen das Cellphone später. Sie ist derzeit sehr beschäftigt.“

„Das ist sehr gut, Sir. Auch wegen der Zeitverschiebung."

„Zeitverschiebung?“, wiederholt der Officer verwundert.

„Die Philippinen sind meinem Land sieben Stunden voraus.“

„Aha“, ist seine kurze Antwort und er wendet sich seiner Schreibtischarbeit zu, blickt dann aber auf, sich im Büro um und bemerkt: „Oh, es ist ganz schön voll geworden. Ach, ich habe vergessen, in etwa 20 Minuten werden die Kinder zurück ins BSWD gebracht.“

Da der Officer Englisch spricht, verstehen die Kinder und Mütter das Gesagte nicht. Marielou übersetzt flüsternd. Als Reaktionen blicken die Kinder traurig und werden unruhig. Rica und Lang reden leise beruhigend auf die fünf Jungen ein. Michael legt die Arme um Phil und Aboy, die links und rechts neben ihm sitzen.

Marielou und Jonathan brennen darauf zu erfahren, wie es mir die letzten Tage ergangen ist, ob ich bald freikomme und ob meine Zelle in Ordnung sei. Ich berichte von Michaels Heldentat zum Müll in der Zelle. Michael sind erneut die anerkennenden Blicke peinlich. Ich hoffe, so schnell wie möglich freizukommen. Dann berichtet Marielou sehr emotional und mit ausholenden Gesten aus dem Dorf und dass alle geschockt seien und mich am liebsten sofort besuchen würden, wenn sie nur das Geld für den Bus hätten. Marielou und Jonathan berichten, dass das gesamte Dorf zu mir stünde und an meine Unschuld glaube. Dann gelangt sie in ihrer Erzählung zu Frank, dem Deutschen, und dem Gespräch auf dessen Balkon.

Mit gedrückter Stimme berichtet Marielou: „Tommy, der Frank, der hat komisch reagiert.“

Jonathan sagt, was er denkt: „Nicht wie ein echter Freund.“

Dass Frank mir weder in der fatalen Lage noch beim Geldtransfer helfen will, das verschweige ich erst einmal. Meine Enttäuschung darüber ist groß. Ich entgegne kurz: „Frank ist merkwürdig und unklar.“ Damit möchte ich das Thema beenden. Gedanklich setze ich Wolfgang, den anderen Deutschen in Sendong City, auf die imaginäre To-do-Handyliste: ‚Wolfgang wegen Geldtransfer fragen.‘

Nun erzählen Marielou und Jonathan von ihrem gefährlichen Abenteuer mit Frank auf dessen Motorrad. Sie seien quasi dem Tod von der Schippe gesprungen! Da die beiden Teenager sehr bildhaft und mit ausladenden Gesten berichten lachen alle Anwesenden herzlich. Die Officers blicken kurz verwundert von ihren Schreibtischen auf, reagieren aber nicht. Nur Rica, Jonathans und Sams Mutter, schüttelt entsetzt über die Schilderungen den Kopf.

„Danke, dass Ihr zwei sogar Euer Leben für mich geben würdet!“, kommentiere ich den Beinahe-Motorradunfall.

Wieder lachen alle lauthals.

REISE INS VERDERBEN - by NOKBEW™Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt