26. Myuri Akagamo

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In den letzten Tagen hatte ich sehr viel nachgedacht. Mir war ja glücklicherweise nichts passiert, aber die Rettung von Wooyoung bohrte sich in mein Gehirn, wie ein spitzer Nagel. Der Typ war mir wirklich ein Rätsel, aber dankbar musste ich ihm sein. Ohne ihn wäre wahrscheinlich noch was schlimmeres passiert.
Seitdem hat sich was verändert.
Zwar ist mein Überfall schon knapp fünf Tage her, ich spüre ein Flimmern in der Luft, wenn ich ihn sehen.
Er schaut mich dann an, wir reden zwei, drei Worte und laufen in unsere Richtungen. Aber dann kommt es mir immer so vor, als würde er mir nachschauen und lächeln.

„Ich danke euch vielmals für die tollen Unterrichtsstunden, die wir mit einander hatten. Es hat mir große Freude bereitet.“
„Ja ne, ist klar.“ murmelt San neben mir. Vorne am Pult steht Mrs. Chang und trägt uns eine große Dankensrede vor, sie geht nämlich heute in den Ruhestand. Zum Glück. Denn noch länger hätte ich diese langweilige Schreckschraube nicht ertragen, wie sie einem Strafarbeiten aufgibt, weil du deinen Stift vergessen hast.
Natürlich kann der nächste Lehrer noch schlimmer werden, aber die Chance darauf ist ziemlich klein.
Gleich würden wir ihn kennen lernen.
„Der Name des neuen Lehrers den ihr nach mir haben werdet ist Mr. Kim. Er ist nicht sehr viel älter als ihr, was mir bedenken gibt, also seit bitte respektvoll zu ihm.“
Mr. Kim. Na gut, so heißen viele. Und entweder sind junge Lehrer cool oder schrecklich, dazwischen gibt es nichts. Das gilt auch für alte Lehrer.
Dann verlässt Mrs. Chang den Raum und ein erleichtertes Stöhnen schwellgt durch die Reihen.
Kurz danach wird die Tür wieder aufgerissen und...
Ich schlage meine Hände vor mein Gesicht. Was macht DER hier!?
Es ist der nette Polizist, der in meinem Fall weiter ermittelt. Der nette Honigkuchenkomissar. Aber jetzt wirkt er nicht mehr wie ein kleines Kind, sondern dominanter. Er hat nicht diese affige Uniform an, stattdessen schmückt ihn einen cremefarbenen Anzug.

 Er hat nicht diese affige Uniform an, stattdessen schmückt ihn einen cremefarbenen Anzug

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Sein Haar viel ihm fluffig ins Gesicht und seine Gesichtzüge scheinen erwachsener. Er läuft, ohne seinen Blick aufzurichten zum Pult und setzt sich darauf. Nicht zu vergessen sein Mac Book, welches er unter dem Arm trägt, als sei es ein Paket.
„Ich bin Mr. Kim. Mit vollem Namen Kim Taehyung. Ich bin jetzt seit ca. 3 Jahren Lehrer, allerdings nur nebenbei. Hauptberuflich bin ich Komissar bei der „PJIB (Police Justice in Busan)“. Aber bitte fragt mich nicht nach diesem Job, das ist mein Privatleben und das gebe ich nur ungern weiter.“ sagt er mit fester Stimme und ohne Mimik. Er sitzt da wie ein Stein und starrt uns jeden einzeln an, dann bleibt sein Blick an mir hängen.
Er deutet auf mich und lächelt „Sie gehört jetzt auch zu meinem Privatleben.“
Lautes Gelächter beicht aus und ich laufe rot an. Das kam jetzt verdammt noch mal falsch an.
„Nein, nein! Ich stehe nur beruflich mit Mr. Kim in Verbindung.“
Ich drehe meinen Kopf zu Mr. Kim. Der grinst nur schämisch.
Dann steht er auf und bittet lautstark um Ruhe und die Stelle bettet unseren Klassenraum ein.
„Ich bin zwar ein großer Freund von Regeln, aber das heißt nicht, dass ihr nicht normal mit mir reden könnt. Ich bin jetzt zugleich euer Ansprechpartner für alle Fälle.“
Er zögert.
„Auch wenn ich nur ein paar Jahre älter bin als ihr, erwarte ich, dass ihr mich mit dem selben Respekt behandelt wie ich euch auch.“
Toll! Er ist jetzt nicht gerade anders als alle anderen Lehrer. Immer das selbe Blabliblub.
Aber wenigstens ist er ein Lehrer mit Stil und markelloser Schönheit.
Ja, ich könnte mich gerade selbst schlagen.

„Drrrrrrrriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiing“
Alle springen auf und stürmen auf den Flur hinaus. Mit gemischten Gefühlen packe ich meine Tasche und will gerade auf den Flur hinaus, als eine warme Hand mich zurück zieht.
Mr. Kim.
„Sorry, dass ich dir etwas von deiner Pause klaue, aber wir wissen jetzt ganz genau, wer dein... wer der Täter ist.“
Er beißt sich auf die Unterlippe. Ja, doch er sieht gut aus.
Und ich könnte mich wieder Schlagen.
„Willst du es wissen?“
Ich nicke.
„Sein Name ist Myuri Akagamo, er ist Japaner. Er wurde in Japan schon vorgestraft, hat es aber irgendwie geschafft hier nach Korea zu kommen. Seit einer Alkohol Erkrankung in seinen jungen Jahren ist er pädophil und sexsüchtig geworden. Er hatte schon viele Opfer, aber bisher konnte man ihn nicht schnappen. Ich behaupte, dein Freund Wooyoung ist ein ziemlicher Held. Zumindest was deine Rettung angeht.“
Er blickt auf und schaut mir in die Augen.
Wie ein Tennisball hüpft mein Herz auf und ab. Warum bin ich so aufgeregt.
„Das ist ja... cool... nein, nicht cool... es ist interessant... ne ich meine... also...“
Würde ich mich wirklich selber schlagen, wäre ich jetzt schon ganz blau.
Taehyung lächelt und schaut auf seine Schuhspitzen.
„Weißt du ich-...“
„Mia?“
Wooyoung steht neben mir und glotzt mich an.
„Wenn du jetzt nicht kommst verpasst du unseren Bus!“
„Ach stimmt ja...“ ich schlage mir gegen die Stirn. Absofort haben wir Sozialwissenschaften ja an einer anderen Schule, weil sonst kein Kurs zustande kommen würde. Und Wooyoung hatte recht. Der Bus fur um 12:35 ab und wir hatte 12:33.
Wie ein Tornado wirbele ich herum.
„Es tut mir unglaublich Leid Mr. Kim, aber ich muss jetzt wirklich los. Danke für die Informationen.“
Eigentlich wollte ich noch etwas sagen, doch da zieht mich Wooyoung schon auf den Flur heraus und sprintet mit mir an der Hand den Flur herunter. Zuerst stolpere ich nur wie ein Trampeltier hinterdrein. Dann realisiere ich die Situation und schon wieder wird mir unglaublich heiß.
Wooyoung dreht seinen Kopf zu mir und ich schaue ihm direkt in die dunkelen Augen.


Good or Bad Boy [ATEEZ FF / Wooyoung]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt