Der Engel springt

14 2 0
                                        

Und wieder tritt sie einen kleinen Schritt vorwärts. Wie in Zeitlupe fällt ihr Körper in die nichtenden wollende Leere.
Mich trifft etwas an Kopf. Ich öffne meine Augen und auf dem Tisch liegt eine Welle aus Tränen. ,,Ohhhh, sie weint schon wieder.", ruft eine weibliche Stimme durch die Klasse.
Es ist Chloé. ,,Papierkugelkrieg- Alle auf Jana." Sie lacht und es treffen mich ca. 30 Papierkugeln am Kopf und einfach überall. Ich falle tiefer und tiefer in mein Loch.

~Später am Tag (zuhause)
Ich schliesse die Haustür auf und mir kommt der Geruch von Lasagne entgegen. Mein Lieblingsessen.
Als ich an dem Spiegel im Flur vorbeikomme, werfe ich einen kurzen Blick hinein und merke wie verheult ich aussehe. Meine Mascara ist verwischt, der Concealer ist weg und nun sind meine dicken Augenringe für jeden sichtbar.
"Jana, Schatz, komm mal bitte in die Küche. Wir haben Besuch", ruft meine Mutter, "Sei aber bitte nett zu unserem Gast".
Dieser Satz bringt mich zum Nachdenken, als ich den großen Aktenkoffer vor der Kommode stehen sehe. Ich gehe zurück zur Haustür und schaue aus dem Fenster. Dort steht ein schwarzer VW mit der Aufschrift: Kinder- und Jugendlichen Betreuung Marseln.
"Jana. Komm bitte! Unser Besuch hat nicht ewig Zeit.", ruft meine Mutter erneut. In der Zwischenzeit halte ich mein Iphone in der Hand und fragte Siri nach der Aufschrift.
Was ich dort las schockierte mich zutiefst:
Die Kinder- und Jugendlichen Betreuung Marseln wird von Marcus Marseln und seiner Frau Sophia Marseln geleitet. Sie betreuen in einer Klinik Kinder und Jugendliche, die psyische und physische Probleme haben. In der Klinik wird ihnen wieder Lebensmut und Vernunft beigebracht. Sie müssen lernen ohne Handy, Eltern und soziale Kontakte zu leben. Es ist eine sehr strenge Methode die aber Erfolg zeigt. Die Kinder verbringen den ganzen Tag alleine. Sie dürfen mit keinen anderen Kindern oder Jugendlichen reden oder kommunizieren. Sie müssen ihr Essen alleine machen und duschen dürfen sie nur drei Minuten pro Tag. Wenn sie sich schlecht verhalten oder gegen die Regeln verstoßen, droht ihnen ein Aufenthalt im Erziehungsseminar.

Wie bitte? Lese ich richtig? Das ist doch pure Quälerei. Da mach ich nicht mit.
"JANA!! ZUM ALLERLETZTEN MAL! KOMM IN DIE KÜCHE ODER ES GIBT HAUSARREST!"
Ich nehme ruhig meine Tasche und gehe die Treppe hoch in mein Zimmer. Dort sehe ich einen Koffer gepackt mit meinen Klamotten. So schnell ich kann gehe ich in mein Zimmer und packe alles wichtige ein.
Mein Handy blinkt auf und ich sehe die Nummer von..........

~Irgendwo
Wo bin ich? Was ist passiert?
Ich öffne meine Augen einen Spalt und sehe ein grelles Licht. "Ihrer Tochter Jana geht es gut. Das Betäubungsmittel war etwas zu hoch dosiert. Es tut uns leid, dass wir die Tür ihrer Tochter kaputt machen mussten", flüstert eine mir unbekannte männliche Stimme.
"Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Jana ist es selber schuld. Hätte sie nicht versucht abzuhauen und wäre sie zu mir und meinem Mann gekommen, müsste sie nun nicht ans Bett gefesselt sein."
STOPP MAL! MAMA!?
Sie war die Auftraggeberin dieses Psychos??
"Wissen sie Marcus, als kleines Kind  war Jana immer glücklich."
SIE WILL DOCH JETZT NICHT ÜBER
KIM REDEN!! WEHE!!
"Was heißt 'war', Frau Klarssen?".

DIESES MIESE ARSCHL*CH! ER SIEHT DAS ICH WACH BIN!! UND FRAGT
TROTZDEM!!

"Vor ungefähr zwei Wochen ist Kim, Janas allerbeste Freundin gestorben und sie waren zusammen als Kim sich das Leben nahm. Kim und Jana waren ungefähr ihr ganzes bisheriges Leben befreundet. Sie müssen wissen, dass Jana und Kim alles zusammen gemacht haben und fast nie Streit hatten." , erzählt meine Mutter diesem mittelalterlichem Pyscho, "Seitdem Kim tot ist, distanzieren Jana und ich uns immer weiter."

Kein Wunder....

Cybermobbing und ein EngelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt