5.02. Streit und Versöhnung

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Michael ist gegen 11:00 Uhr zurück an der Schranke der Polizeistation und sieht gerade noch die Kinder mit einem schwer bewaffneten Wachmann im Gebäude verschwinden. Zu rufen traut er sich nicht. Der Wachmann an der Schranke weiß inzwischen auch, dass eines der fünf Kinder Michaels Sohn ist. Unaufgefordert erzählt der Schrankenwärter, dass es für Michael jetzt nicht möglich sei, die Kinder zu sehen, da Ma'am Papillio die Kinder zum Verhör gebeten habe. Die reguläre Besuchszeit der Arrestierten beginne auch erst gegen 12 Uhr, aber da der Mann in der Zelle nun einmal Deutscher sei, könne man eine Ausnahme machen. Michael bedankt sich beim Schrankenwärter mit drei Marlboro und einem halbleeren Einwegfeuerzeug.

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Der Wachmann steht rauchend und gut gelaunt vor der Zellentür und nimmt wieder das gesamte Licht aus der Zelle. Diese wunderschönen Geräusche: Das Knacken des Schlosses und das Quietschen der Tür beim Öffnen.

Michael sieht gut aus, in der neuen halblangen Cargohose, die unzählige Taschen besitzt und dem schwarzen T-Shirt, mit den aufgedruckten gelben Schrauben, Muttern und Nieten. Außerdem trägt er neue dunkelblaue Flip-Flops der Marke Islander. Man sieht ihm den Stolz über sein neues Outfit an. Das schwarze T-Shirt und die dunkelblaue Hose passen aber auch perfekt zur sonnengebräunten Haut und dem starken, schwarzen Zopf am Hinterkopf. Auch drei Tüten führt er mit sich. In der einen Tüte ist seine Schmutzwäsche, die zweite beinhaltet eine Flasche und andere Utensilien und aus der dritten Tüte duftet es verführerisch nach Grillfleisch. Michael hat sogar an Einweggeschirr gedacht. Auch an Reis und heute nicht Coke, sondern Sprite bringt er.

„Limpo, Tommy", verkündet er gut gelaunt und kippt die gewürfelten Stücke schon auf einen Teller.

„Lecker, gegrillter Schweinebauch", antworte ich.

Wir lassen es uns schmecken.

„Michael, hast Du Franco einen Text (SMS) gesendet?"

Michael hat sichtlich Hunger: „Ja, Franco will so schnell wie möglich herkommen, schreibt er."

„Tommy, als ich gekommen bin, habe ich die Kinder in die Polizeistation gehen sehen. Mich haben die Jungen aber nicht bemerkt und ich wollte nicht rufen, da ich gerade an der Schranke war."

„Dann wird die Polizistin die wohl noch einmal in die Mangel nehmen."

„Ja, bestimmt." Michael gießt Sprite nach.

Just in dem Moment taucht Franco gemeinsam mit dem Wachmann am Zauntor auf.

Franco wirkt deprimiert: „Oh, Limpo!", sagt er müde.

„Hier sind Teller und Becher, Franco. Greif zu, es ist genügend da."

Franco hält mir eine kleine Tüte unter die Nase: „Ich habe Schokoladenkuchen dabei."

„Oh, der sieht lecker aus. Den Kuchen essen wir später."

Es entgeht mir nicht, das Franco und Michael keine Blicke wechseln. Ich entscheide mich, Franco direkt auf den gestrigen Abend anzusprechen: „Franco, was ist gestern los gewesen? Michael hat erzählt, Dein Geld hat nicht gereicht?"

„Oh, ja, Tommy. Pastor Jack hat den Vorschlag gemacht, De Baron zu besuchen. Dessen Law-Office ist gleich um die Ecke bei unserer Kirche. Jack und De Baron haben bald angefangen, Emparador Schnaps zu trinken. Ich nur ein Glas, Tommy. Dann ist schnell die Flasche alle gewesen. Pastor Jack hat Spaß gemacht und gesagt, dass der zukünftige Klient doch einen ausgeben müsse und da ich sozusagen Dein Sohn wäre, Tommy, haben die mich gefragt. Also habe ich Emparador gekauft und Junkfood und schon waren die 500 Piso, die Du mir gegeben hast, weg. Aber Tommy, das Geld ist gut angelegt. De Baron ist nicht so teuer wie die anderen Attorneys und der ist wirklich gut."

REISE INS VERDERBEN - by NOKBEW™Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt