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Die Straße ist menschenleer. Nur wenige Lampen erleuchten den Asphalt und spenden Licht, leises Rascheln und Knistern dringt aus dem Waldesrand an mein Ohr. Ich laufe, in meinen Mantel gehüllt über den Bürgersteig und lasse meine Finger durch die Palisadenzäune flutschen, sodass ein schneller Beat entsteht.
Bis zum Supermark sind es noch gut zwei Kilometer, aber ich kann mir ja Zeit lassen. Zu Hause hat ja niemand um essen gebeten. Genauso gut könnte ich mich jetzt auch in ein Restaurant setzen und leckerer essen, aber Nahrung kommt schließlich nicht von selbst in den Kühlschrank geflogen.
Eine Person kommt um die Ecke gebogen, die mich grüßt. Höflich wie ich bin, grüße ich natürlich zurück und setze meinen Weg fort. Ich schaue hinter mich und bemerke die Person... sie hat sich umgedreht und kommt mir hinterhergelaufen.
Sie trägt eine blaue Jeans mit einem grauen Kaputzenpulli, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, also kann ich das Gesicht nicht erkennen. Dem Körerbau nach würde ich einen Mann zuordnen. Der Kopf hebt sich ruckartig und dunkele, braune Augen blitzen im Laternenlicht auf.
Blitzartig schaue ich nach vorne und muss an die schlechten Horrorfilme denken, indenen der Mörder seine Opfer verfolgt, sie dann packt und im Gebüsch ersticht. Mein Herz pocht unter meiner Jacke, meine Finger umklammern den Stoffbeutel.
Vielleicht irre ich mich ja auch und der Typ hat einfach etwas vergessen... irgendwo. Ich drehe in eine Seitenstraße ein, werfe einen Blick über die Schulter, nichts. Kein Mann da.
Und zu früh gefreut!
Der unbekannte biegt um die Ecke.
Scheiße, scheiße, SCHEIßE!!
Panik.
Zwar weiß ich, dass Panik oft der Grund für das Versagen der Opfer in den Horrorfilmen ist, aber wer bekommt keine Angst, wenn ein vermummter Typ nachts auf einer verlassenen Straße dir hinterher läuft.
Ich beschleunige meinen Schritt und nehme die nächste Biegung, die wieder auf die vorherige Straße führt. Wenn er mir jetzt folgt, hat er es auf mich abgesehen.
Ich möchte...
Gut, mein erstes mal hatte ich mit Wooyoung, aber ich möchte nicht vergewaltigt werden. Die zahlreichen Todesberichte aus der Zeitung über vergewaltigte Frauen, die dann brutal ermordet wurde, tanzen vor meinem inneren Auge.
Der Mann... er... er folgt mir immernoch.
Ich muss hier weg.
Ich beschleunige meinen Schritt mehr und mehr. Der Typ auch.
Er kommt näher.
Noch einen Kilometer zum Supermarkt. Ich muss auf eine belebte Straße, jetzt, SOFORT!

Und dann renne ich, so schnell wie nie.

Ich höre das Stampfen hinter mir und renne instinktivartig schneller.
Es ist doch nicht mehr weit zum Supermarkt, aber das schert meine Beine nicht. Langsam aber sicher spüre ich wie sich meine Knie in Wackelpudding verwandelten.
Ein Arm umgreift grob meine Tallie und eine verschmutzte Hand wird mir auf den Mund gedrückt, dir nach Zigarettenrauch stinkt. Ich werde umher geschleudert und wir kommen zum stehen. Wild zappele ich in dem eisernen Griff des Fremden, erfolgslos. Er zerrt mich über die Straße ins Gebüsch, so sehr ich mich auch wehre.
Die starken Hände werfen mich ins Unterholz und fixieren mich dort.
Es ist dunkel.
Und mit ist es verwehrt den Kriminellen zu erkennen.
Wasser füllt sich in meinen Augenwinkeln, ballt zich zusammen und rollt als Träne meine schwitzige Wange hinunter.

Ich liege da und kann mir eigentlich schon denken, was gleich passieren wird.

Good or Bad Boy [ATEEZ FF / Wooyoung]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt