5.01. Kinder im Verhör (3)

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Die fünf Jungen sitzen auf der überdachten und vergitterten Pritsche des schweren Polizeifahrzeuges. Es handelt sich um einen Pick-up. Vorne viertüriger PKW, hinten die Pritsche mit zwei Bänken für die Polizisten und Verbrecher. An der Tür der Pritsche, die sich mittig und hinten am Fahrzeug befindet, sitzt ein sehr junger, schwer bewaffneter Polizist in Kampfuniform. Desinteressiert stützt sich der Wachmann auf sein Sturmgewehr, raucht eine Zigarette und blickt in den Verkehr hinter dem Polizeifahrzeug.

Jan flüstert leise zu seinen Freunden: "Denkt an das, was Dodung gesagt hat. Wir sollen nichts vom Contest erzählen, den Aboy, Dan und Phil im Hotel gemacht haben."

Aboy, Dan und Phil schmunzeln und nicken.

Phil schaut verstohlen zum Rücken des Wachmanns, hält den Zeigefinger an die Lippen und flüstert: "Versprochen, kein Sterbenswort zur Polizei."

Die fünf Freunde sitzen an der Fahrerkabine dicht beieinander und nicken mit ernsten Mienen. Der Wachmann bekommt von der Unterhaltung nichts mit. Der Verkehrslärm und das schwankende Polizeifahrzeug sind höllisch laut.

Im Gegensatz zu den arglosen Phil, Dan und Aboy wirkt Sam nachdenklich. Mit niedergedrückter Stimme antwortet er Jan: "Und was ist mit dieser Hexe, Solano? Die hat doch gesagt, wir bleiben, bis wir achtzehn Jahre alt sind, im BSWD, wenn wir nicht alles vom Hotel erzählen."

Jan versucht Sam zu beruhigen: "Das können wir doch die Polizistinnen fragen. Warte doch erst mal, Sam, was die dann sagen."

Aboy ergänzt: "Ma'am Burque hat aber erzählt, das würde nicht stimmen, dass wir bis achtzehn im BSWD bleiben."

Sam zweifelt und schluchzt: "Aber, als ich Ma'am Burque dann erzählt habe, dass Ma'am Solano mir das gesagt hat, war sie ganz komisch."

Phil wiederholt und ergänzt: "Ganz komisch sind doch alle hier."

Dan, Jans kleiner Bruder, ist von der Unterhaltung verstört: "Kuya (großer Bruder), ich will nach Hause, ich vermisse Mama und Papa, unsere Schwestern und Freunde. Ich will nicht bis achtzehn dableiben."

Jan zieht seinen kleinen Bruder Dan an sich und legt ihm seinen Arm um die Schulter: "Dan, die lügen doch, hab keine Angst!"

Dan erwidert: "Ich habe aber Angst vor der Polizei und vor Ma'am auch."

Phil hört Dan und flüstert: "Ich habe auch Angst vor der Polizei."

Sam blickt schweigend auf das Straßenleben, sein linker Mundwinkel zuckt nervös.

Aboy ist nicht eingeschüchtert, dennoch wippt sein rechtes Bein hektisch auf und ab: "Aber Dodung hat doch auch gesagt, dass wir nicht bis achtzehn dableiben."
Er schaut in die Gesichter seiner Freunde. Resolut und mit fester Stimme verkündet er: "Dann fragen wir eben, wie Jan sagt, die Ma'ams von der Polizei, ob wir wirklich bis achtzehn dableiben müssen und wenn ja, hauen wir mit Dodung ab, ich jedenfalls."

"Und dann gehen wir zurück ins Dorf und verstecken uns dort, denn da findet uns niemand", ruft Phil begeistert und klatscht aufgeregt, von Abenteuerlust gepackt, in die Hände.

Die Jungen grinsen und nicken verschwörerisch.

Der Wachmann dreht sich kurz um und räuspert sich. Er schaut in fünf unschuldig blickende Jungengesichter mit großen Augen. Solche Gesichter, die Kinder haben, wenn sie sich bei etwas Verbotenem ertappt fühlen, es aber vertuschen wollen. Der Wachmann, er könnte gut und gerne der große Bruder der Jungen sein, kann sich ein Grinsen nicht verkneifen: "Ihr seid also die fünf total Wichtigen aus Sendong City? Also Ihr Hübschen, Ihr habt unserer Chefin eine Menge an Arbeit eingebrockt. Eine Menge!" Er lacht und wendet sich wieder dem Verkehr zu.

REISE INS VERDERBEN - by NOKBEW™Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt