Erwachen

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Es war ein ganz normaler Frühlings Morgen, wie jeder andere. Vor drei Tagen ist ein Riss auf dem Ei erschienen, doch bis jetzt hatte es sich nicht weiter gerührt. Mit tiefen Augenringen starrte ich das Ei an. Schlüpf endlich! Es tat sich wie erwartet nichts. Ich musste an die letzten Tage denken. Sie waren Himmel und Hölle zugleich gewesen. Himmel, weil ich und Lucian uns stetig trafen und er darauf bestand mit mir Essen zu gehen. Und Hölle, da es endlich ans Licht kam, das ich ein Mädchen bin. Mein Meister war nicht mal sonderlich überrascht. Er hat sogar Seelenruhig mit dem Rat über meine Zukunft diskutiert und sind zu dem selben Ergebnis wie Lucian gekommen. Ich war die zukünftige Reiterin des unbekannten Eis, deswegen war ich zu wichtig um rausgeschmissen zu werden. Ich war froh, das ich nicht mehr lügen musste und auch das ich diese bescheuerte Perücke nicht mehr tragen musste. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen, als die Lehrlinge  und Tutrin mich zum ersten Mal als Mädchen gesehen hatten und ihnen fast die Augen rausgefallen sind. So in Gedanken versunken, merkte ich nicht wie Helen rein kam und mir Frühstück brachte. Erst als Sie sich räusperte bemerkte ich Sie . ,,Oh, Helen!" ,,Fräulein Aya. Heute gibt es Brot mit Marmelade und ein kräftiges Müsli. " Ich bedankte mich .Helen war auch nicht weniger überraschter gewesen als Meister Furion, das ich ein Mädchen bin . Als ich Sie deswegen fragte, hatte Sie nur mit einem Augenzwinkern gemeint ,, Weibliche Intuition" und seit dem nennt Sie mich immer 'Fräulein Aya'. Das war mir zwar unangenehm, doch sie sagte nur, da sie meine Zofe sei, müsse sie es so förmlich aussprechen. Ich glaube aber eher, dass sie das aus Schadenfreude machte. Ich frühstückte schnell und widmete mich wieder dem Ei. Helen sagte entrüstet ,,Also wirklich! Sie sind eine Dame! Sie können doch nicht einfach ihr essen so runter schlingen!" Das war der Nachteil daran, ein Mädchen zu sein. Jeder erwartet von einem gebildet und vornehm zu sein. Ich guckte Helen finster an. Als Sie meinen Blick bemerkte, verflüchtigte Sie sich schnell mit dem dreckigen Geschirr. Irgendwann widmete ich mich dem Buch, das mein Meister mir gegeben hatte. Mit einem ernsten Blick hatte er es mir gegeben und meinte ,,Damit du den perfekten für sie oder ihn findest." Das Buch ist voller Drachennamen. Ich schlug das Buch auf. Die meisten klingen für mich irgendwie komisch. Zum Beispiel Kralli oder Untiturakus. Was soll das bitte schön für ein Name sein!? Es muss ein Name sein der nicht im Buche steht. Einer der den Stolz eines Drachen repräsentiert. Ich grübelte eine ganze Weile nach. Wie hieß die Mutter vom Ei nochmal? Kalaera. Also dann vielleicht...Kalué? Oder Erakles? Ich war so versunken in den Namen, dass ich erst jetzt bemerkte, dass das Ei sich bewegte. ,, Helen!" schrie ich erst mal. Sie ist Hebamme. Sie weiß bestimmt was jetzt zu tun ist. Oh gott, es schlüpft! Helen kam so schnell wie der Blitz mit einem Handtuch und einem Eimer Wasser wieder. Fasziniert sah ich, wie das Ei hin und her wankte. Dann taten sich immer mehr Risse auf, die zu einem einzigen großen Riss ineinander führten. Die obere Schale tat sich auf. Man sah erst ein weißlichen Eizahn, der sich durch die dicke Eischale bohrte um diese zu durchbrechen. Als der Eizahn dann ein Loch in die Schale gebohrt hatte und die Schale nun aufgelockert war, fiel der Eizahn ab. Dies tat er bei jedem Neugeborenem, flüsterte Helen mir eilig zu. Plötzlich fiel die obere Schale ab und ein dunkler Kopf kam zum Vorschein. Die Schale zerbrach jetzt ganz und spritzte Fruchtschleim um sich. Ich bekam einige Spritzer davon ab und wischte es mir angeekelt vom Gesicht. Ich blinzelte wieder zum Drachenjungen rüber. Das Wesen ist jetzt vollkommen von der Eischale befreit. Der Körper sah seltsam verrenkt aus, doch ich bemerkte schnell, das es seine Flügel sind, welche sich an ihn pressten. Er gluckste und tapste blind umher. Helen reichte mir das nasse Handtuch und verschwand plötzlich aus meinem Blickfeld. Ich war jedoch ganz auf den Drachen fixiert, das ich es gar nicht merkte. Ganz sanft versuchte ich den Drachen sauber zu machen. Seine tiefschwarze, noch empfindliche Haut war rau. Die Schuppen hatten sich noch nicht ganz ausgebildet. Als ich den Drachen an seiner Flanke berührte, machte er die Augen rasch auf und blickte in meine großen Augen. Kobaltblaue Augen blitzen mich neugierig an. Sie zogen mich in seinen Bann und es entstand ein unsichtbares Band zwischen unseren Blicken. Meine Brust schnürte sich mir zu. In meinem Kopf surrte es. Ich spürte eine tiefe Verbindung, wie damals zu Aeris, als ich meinen Geist nach ihr ausgestreckt hatte. Der kleine Drache quiekte auf und ließ mich nicht aus seinen Augen. Ich wandte mich wieder dem putzen zu und tauchte mit zittriger Hand das Handtuch in den Eimer. Ich bearbeitete seine Flügel und mir fiel auf, das diese im Vergleich zu seiner Körpergröße riesig waren. Sie waren um ein mehrfaches größer, als er selbst. An ihren oberen Rand bildeten sich bereits kleine Krallen. Dann versuchte ich eine hartnäckige Schale vom Kopf des Jungen zu befreien. Als ich es schaffte, kamen kleine Hörner zum Vorschein. Verwundert entdeckte ich unter ein paar winzigen Hörnern einen roten Strich. Ich verfolgte den roten Strich mit meinem Handtuch bis zur spitzen Schwanzspitze. Das Drachenbaby hatte von seinem Hinterkopf aus, über den Rücken bis zur Schwanzspitze einen roten Strich. Und auf dem roten Strich bildeten sich kleine, perlmuttfarbene Zacken. Ich machte anschließend noch seine scharfen Klauen sauber und versuchte mich, noch etwas zurückhaltend, an dem Maul. Das Mäulchen war klein, jedoch könnte es problemlos meine Hand abbeißen. Ich machte seine Nüstern sauber und wollte mich gerade seinem empfindlichen Bauch widmen, als er gurgelnd sein Maul öffnete. Ich blickte den Drachen überlegend an und traute mich aber hinein zu schauen. Der Geruch von Öl kam mir entgegen, welcher von den offenen Drüsen in seinem Schlund kamen. Dort würde eines Tages Feuer entfacht und gespeit werden. Meine Blicke wanderten zu seinen kleinen, scharfen Zähne. Neben einer seiner Reißzähne steckte eine Schale in seinem Zahnfleisch. Ganz bedacht darauf dem Drachen so wenig Schmerzen wie möglich zu bereiten, zog ich den Störenfried heraus. Der Drache fiepte kurz und leckte sich über die Stelle. Ich ging zur Flanke und als hätte der Drache meine Gedanken gelesen wälzte er sich spielerisch auf den Rücken. Er vertraute mir anscheinend. Ganz sanft streichte ich über seinen Bauch. Er machte leise Schnurr-Geräusche und beobachtete meine Bewegungen mit seinen schönen Augen. Erschöpft trat ich zurück und bewunderte mein Werk. Ich gab Helen das Handtuch, welche wieder neben mir erschienen ist und Sie brachte mir schnell einen Stuhl. Der Drache zögerte kurz, aber beugte sich zu mir und stupste mich schnurrend an. Ich stand auf und setzte mich neben dem Drachen, sodass er seinen Kopf auf mein Schoß legen konnte. ,, Na du. Du bist ja ein prächtiger Bursche. " Ich war beruhigt. Ich wusste von einer Zeichnung her, das mein kleiner Drache definitiv einem Himmelsdrachen ähnlich sieht. Er ist kein Mischling. Zum Glück, sonst würde man ihn töten. ,, Fräulein Aya. Das Drachenjunge kann jetzt in seine vorbereitete Box gehen. " rief mir Helen zu. ,,Ich komme. " Ich wandte mich dem Drachen zu. ,,Na , traust du dir schon zu zu gehen?" Er antwortete mir mit einem Quieken. Wir standen gemeinsam auf und ich ging ein paar Schritte. Der Drache quiekte aufgeregt und tapste mir noch unbeholfen hinterher. Ich bemerkte beiläufig, das er mir ungefähr bis zu den Knien ging. Als wir vor seiner Box standen, trat ich ein und er trotte mir brav hinter her. Davor hatte er alles was er sah genau beschnuppert und auch Helen blieb nicht ungeschont. Als Sie die Box schloss, sagte Sie mir bevor Sie ging ,,Ich bin echt überwältigt einen echten Himmelsdrachen zu sehen. Es fühlt sich an wie eine kleine Ehre, die mir zuteil geworden ist." Wir verabschiedeten uns und ich beschloss heute Nacht in der Box von meinem Drachen zu schlafen. Er kuschelte sich auf meinen Schoß und machte es sich dort bequem. Sein warmer Körper wärmte mich und so glitt ich sanft in den Schlaf .

Hey ich hab heute ein großes Kapitel geschafft , sry wenn ich manchmal nur kürzere schaffen werde :O


Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!