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Das Ende des Schweigens

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Ab dem Moment wo Meister Furion zu mir kam  und sagte dass das Ei mir gehörte , war ich kein Lehrling mehr . Das wurde mir erst bewusst als es schon zu spät war . Zwar war ich auch noch kein vollwertiger Drachenritter , aber ein Lehrling war ich definitiv nicht mehr . Ich bekam auch keinen Schlaf mehr da jeden Augenblick das Ei schlüpfen könnte und ich in der Brutstätte schlief bis das Ei schlüpft . Jeden Tag brachte mir Helen das Essen. Sie war ziemlich überrascht gewesen,als sie mir vorgestellt wurde um als meine persönliche Zofe zu arbeiten bis das Ei schlüpft . Es war fast schon lustig Helen zu beobachten wie tollpatschig sie ist . Letztens hatte sie sogar aus versehen einen der Wachen mit einer Schüssel Haferschleim begossen , als sie mir gerade das Frühstück bringen wollte . Das tägliche Training brauchte ich jetzt auch nicht mehr machen, da ich jede Sekunde bei dem Ei sein würde. Am Fenster der Brutkammer prangten frostige Eisblumen an der Scheibe. Die Temperatur ist in den letzten Tagen gesunken und es wurde Winter. Doch der verschwand so schnell wie er gekommen war und schon bald wurde es wieder wärmer. Jetzt ist bereits einige Zeit verflogen und noch immer tat sich nichts im Ei.  Am Anfang war ich so voller Hoffnung doch jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob das Ei überhaupt noch schlüpfen wird. Wer weiß. Vielleicht bin ich gar nicht die zukünftige Reiterin dieses Eis, bestimmt liegt ein Missverständnis vor. Ich fand Trost in den restlichen Lehrstunden, die mir mein Meister gab, um mir das letzte Wissen beizubringen. So konnte ich mich zumindest etwas ablenken.

Heute passte Helen auf das Ei auf, da ich zum ersten mal seit Wochen frische Luft schnuppern wollte .Gedanken versunken lief ich in den großen Garten . Dort setzte ich mich auf eine splitternde Holzbank , in der Nähe des Springbrunnens. Ein Schatten fiel plötzlich auf mich, ich hob den Kopf und blinzelte zu meinem gegenüber hinauf. Vor mir stand Lucian. Ich konnte sehen das er hin und her gerissen war. Er wollte anscheinend mit mir reden und öffnete den Mund, brachte jedoch keinen Ton über seine geschwungenen Lippen und schloss diese wieder. Dann ging er raschen Schrittes den Weg weiter entlang . Er verhielt sich echt merkwürdig.... Mir fiel Tutrin ein. Er hatte ebenfalls in letzter Zeit aufgehört mir auf die Nerven zu gehen. Hatte ich irgendetwas verpasst? Stirn runzelnd machte ich  die Augen in der Nachmittags Sonne zu und schlief ungewollt ein . Es wurde bereits dunkel, als ich aufwachte . Mist ! Helen wird bestimmt auf taub stellen und mich mit ihren umbringen wenn ich zurück kehre! Ich wollte mich gerade bewegen, als ich spürte das mein Kopf auf jemandes Bein lag. Ich blickte hoch und sah zu meinem erstaunen Lucian der ebenfalls schlief . Ich war wie erstarrt und konnte mich nicht rühren. Ich starrte in seine Gesicht mit den sanften Gesichtszügen und dem kräftigen Kiefer. Mein Atem ging schneller, als ich vorsichtig versuchte aufzustehen. Als ich mich neben ihn ordentlich hinsetzte, flatterten kurz seine Augenlider und er öffnete seine Augen. Die blauen Augen schauten kurz verwirrt auf seine Beine, dann bemerkte er mich neben ihn und fixierte mich mit seinem Blick . Ich wich seinem Blick aus und stemmte meine Arme verkrampft gegen meine Oberschenkel. ,, Ich geh dann mal..." nuschelte ich und sprang auf. ,, Warte kurz. Es tut mir leid das ich dich an geschweigt habe. Ich kann dir nicht sagen wieso ..." Ich schnaubte und spürte wie die ganze aufgestaute Wut und Verwirrung aufkeimte. Er stand auf und versuchte meinen Blick einzufangen. Ich senkte den Blick und starrte auf die Steine zu meinen Füßen. ,, Ehrlich gesagt hatte ich Angst. Angst davor dir die Wahrheit zu sagen. Und jetzt..." Er seufzte. ,, Du bist aufgebracht." ,, Nein, ich bin nicht aufgebracht. Nur wütend da ich dachte du wärst mein Freund. Anscheinend ist das aber nicht der Fall! " Verdammt, meine Augen wurden feucht und ich das letzte was ich jetzt wollte, war vor Lucian zu weinen. Verzweifelt drehte ich mich von ihm weg.,, Am besten wir sehen uns nicht mehr . " gab ich von mir, unterdrückte ein schluchzen und rannte los . Doch Lucian packte entgeistert meine Hand . Mit der anderen Hand wollte er meine Schulter festhalten doch ich stolperte und was er zu fassen kriegte war meine Perücke. Entsetzt riss ich meine Augen auf und schaute zu ihm hoch. Meine langen , honigfarbenen Haare glitten sanft auf meine Schultern. Lucian's Gesichtsausdruck hatte ich schon nicht mehr gesehen, da ich aufsprang und los rannte, ohne die gedämpften Worte von Lucian zu verstehen, die er mir nach rief.. Ich sprintete so schnell ich konnte. Diesmal rollten die Tränen. Ich rannte durch das Tor und folgte dem holprigen Weg in die Stadt hinein. Ich traute mich nicht zurück zu blicken. Ich sprang einem alten Mann vor den Karren, der lauthals mir hinter her fluchte. Ich wurde langsamer und sah mich um, als ich um eine Kurve ging . Hier in den engen Straßen der Stadt war es Menschen leer. Um diese Zeit waren bereits alle zu Hause. Es drang nur das Geräusch einer einzelnen Katzen durch die Nacht. Ich keuchte und schnappte nach Luft . Mein Atem ging stoßweise. Ich stolperte in eine Seitenstraße und steuerte auf eine kleine Brücke über einen schmalen Kanal zu. Noch einmal blickte ich mich um . Ich brach auf der kleinen Brücke zusammen und hielt mich am Rand der Brücke keuchend fest . Mein Körper fing an zu zittern und benommen starrte ich auf den Boden. Meine Gedanken waren in Aufruhr. Mein Geheimnis ist aufgeflogen . Lucian wusste das ich ein Mädchen bin . Jetzt war alles aus . Plötzlich kam ein leises Geräusch immer näher, bis es stockte . Ich drehte mich keuchend zur anderen Seite der Brücke. Dort stand Lucian schnappend nach Luft , halbwegs auf der Brücke . ,, Hab ich dich endlich gefunden ." flüsterte er und trat vorsichtig näher . Ich rappelte mich auf und trat ein Schritt zurück . Lucian kam immer näher.Ich starrte in sein starres Gesicht, das mir nichts sagen konnte was er gerade dachte . Ruckartig drehte ich mich um und wollte wieder fliehen . ,, Bleib hier !" rief er , griff grob nach meiner Hand und zog mich kräftig in seine Arme . Ich wehrte mich heftig und versuchte meine Hände von seiner Umarmung los zukriegen .,, Nicht, Lucian. Lass mich gehen." zischte ich verzweifelt . Darauf fiel keine Antwort. Mein Puls jagte und meine Kehle war plötzlich so eng, dass ich kaum noch Luft bekam. Lucian's Gesicht kam meinem immer näher. Er drückte mich enger an sich. Ich konnte das rasende Pochen von seinem Herzen spüren. Dann legten sich unerwartet seine Lippen auf meine. Ich erstarrte in meiner Gegenwehr . Meine Augen starrten ihn kurz fassungslos an. Doch er hatte seine Augen geschlossen. Er zog mich mehr in seine Umarmung . Ich spürte seine starken Arme an meinem Haar und Rücken und seine rauen Lippen auf meine . Meine Arme fielen schlaff runter und ich schloss meine Augen . Schließlich gab er mich wiederwillig frei . Er starrte mich durch seine blauen Augen an . ,, Ich hatte es gewusst . Ich habe etwas für dich empfunden und wusste du kannst kein Junge sein . " Ich wurde rot .,, Du brauchst es nicht zu verbergen das du eine Frau bist . Sie brauchen dich so oder so , sonst wird dein Ei nicht schlüpfen . " Lucian lächelte und strich mir sanft über die Wange ,, Darf ich deinen Namen erfahren My Lady ?" Ich grinste ,, Aya . " ,, Aya . " er hauchte meinen Namen sodass ich Gänsehaut bekam . ,, Du hast einen betörenden Duft an dir. Wie eine Blume . Als ich ihn das erste mal roch , bei unserem Training , war ich sofort von dir bezaubert . " Er lächelte mich mit einem verführerischen Lächeln an . Er schlang ein Arm um meine Taille . ,, Ich lass dich nicht mehr los . " sagte ernst . Wir standen noch eine ganze Weile so , bis er mich los ließ. Er nahm meine Hand und wir gingen zurück zum Orden . Vor der Brutstätte erblickte er die Narbe , die der Feuer Angriff vom Drachen Jungen , verursacht ist . ,, Was hast du gemacht ? " fragte er mich besorgt und strich mit einem Finger über die dicke Narbe, die um meinem rechten Oberarm ein Brandmal zeichnete . ,, Feuer Angriff von einem Baby Drachen . " Er schaute mich kurz an . Dann mussten wir lachen.  Es tat gut wieder mit ihm zu lachen . ,, Ach ja bevor ich es vergesse !" Er gab mir die Perücke . ,, Hm Danke . " Mit einem bedeutenden Blick von Lucian verabschiedeten wir uns . Ich eilte schnell zur Brutstätte von meinem Ei und sah ...eine schlafende Helen neben dem Nest . Ich lächelte und deckte sie mit einer Decke zu . Dann ging ich kurz zum Ei . ,, Na du ! Ich kann verstehen warum du nicht schlüpfen willst . Die Welt ist wirklich verwirrend ...aber sie kann auch wunderschön sein . " Plötzlich hörte ich ein lautes knacken . Und bevor ich es mich versah , bildete sich auf dem Ei ein Riss .Oh mein Gott ! Es ist soweit !


Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!