Das Turnier

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Heute findet das Turnier bei sengender Hitze statt. Alle Lehrlinge waren schon in der großen Arena versammelt , wo wir kämpfen sollten. Ich fühlte mich eher wie ein Gladiator denn überall waren Zuschauer und jubelten uns zu als wir den Platz betraten. Respektvoll verneigten wir uns vor den höheren Leuten, die uns mit wachsamen Blicken durchbohrten. Ich fühlte mich etwas unwohl, dass so viele wichtige Leute zum Turnier erschienen sind. Ich durfte heute keine Fehler machen. Wir wurden von einem hoch gewachsenen Mann in Räumen geführt, in die wir warten sollten, ehe man uns aufruft.

Aufgeregt saß ich auf einer der Bänke und sah zu wie nervöse Lehrlinge aufgerufen wurden. Irgendwann wurde auch Lucian aufgerufen, ich ging vorher zu ihm und wünschte ihm viel Glück . Er hatte nur genickt und trat schweigend nach draußen. Ich setzte mich wieder still hin und starrte auf den sandigen Boden zu meinen Füßen. Ich hörte die Menge draußen toben. Ob aus Freude das jemand nieder gemacht wurde oder ob jemand gewonnen hatte, konnte ich nicht deuten. Ich wischte mir die ausbrechenden Schweißperlen von meiner Stirn und biss mir auf die Unterlippe. Hat es Lucian geschafft? Mich quälten viele Gedanken und Fragen die sich nach einer Antwort sehnten. Ein Gongschlag ließ mich auffahren. Das Geräusch wenn der Kampf gewonnen oder Verloren wurde und der nächste am Zuge war. Ich kniete mich auf den staubigen Boden um mich vom geschehen abzulenken. Die erste Stunde über spannte ich meine Muskeln von den Zehen bis zur Kopfhaut immer aufs Neue an und entspannte sie wieder, wie Meister Furion es mich gelehrt hatte, um mich warm und gelenkig zu halten. Ich ballte abwechselnd die Fäuste und streckte die Finger wieder. Ein massiger Mann rief in die Räumen ,, Ayon Gaius!" Sofort sprang ich auf und lief in die Arena. Zuschauer klatschten und auch Drachenritter waren in der Zuschauer Menge. Plötzlich wurde alles leise. Ich schaute zum Podest der höheren Leute und konnte an der Haltung und den Augen des Rats Oberhauptes erkennen, dass er irgendetwas gespannt erwartete . Dabei starrte er mich an. Mein Gegner trat auch in die Arena. Es war einer der älteren, erfahreneren Lehrlingen. Hatte der etwa Muskeln auf seinen Muskeln ? Er schaute mich herablassend an und grinste. Wir nahmen beide aus der Hand  eines Bediensteten ein Breitschwert und ein Lang Schild . Dann ertönte ein Gong und der Junge griff mich an. Ich wich geschickt aus, jedoch zog ich das Schild zu langsam hinterher und der ältere Junge hätte mir das Schild fast aus der Hand gerissen. Immer wieder wich ich ihm aus, mittlerweile beherrschte ich es und es war eine gute Taktik um den gegenüber zu ermüden . Ich musste mir ein Lachen verkneifen . Der ältere Jung ist nur darauf aus mich schwer zu verwunden und achtet nicht auf meine Bewegungen. Ich wich erneut aus und gab ihm mit meinem Schwert einen Schlag in die Hüfte . Das Schwert fühlte sich jetzt leichter durch das harte Training an und gleitete durch die Verteidigung des Gegners. Nach ein paar parierten Schlägen gelang es dem Jungen mich aber aus dem Gleichgewicht zu bringen als er mir mit dem Schild mir ein Kinnhaken verpasste. Ich hörte die angespannten Atemzüge der Zuschauer, die gebannt darauf warteten das einer zu Boden stürzte und der andere ihn erledigte. Mit den Zähnen knirschend, sammelte ich mich schnell und stieß mit dem Schwert zu, er blockte aber mit dem Schild, das unter der Wucht des Schwertes langsam nachgab . Wir standen uns keuchend gegenüber, die haut mit Schweiß überzogen, die Sonne brannte unbarmherzig über unseren Köpfen. Der Junge rannte noch einmal mit schweren Schritten auf mich zu, jedoch hatte ich es geschafft ihn zur Erschöpfung zu treiben. Ich wich zur Seite und stellte ihm ein Bein. Er stürzte mit dem Gesicht vor raus auf den Boden, auf einen Stein und schlug sich den Kopf auf den Stein auf. Er blieb regungslos liegen. Erste Runde gewonnen dachte ich nur erleichter und ließ meine schmerzenden Schultern kreisen. Ich ging zu einem aufgestellten Pavillon, wo bereits einige standen die ebenfalls gewonnen hatten. Darunter sah ich Lucian, der sich Wasser über den verschwitzten Kopf schüttete.

Die zweite Runde war eher ein Gemetzel. Es gab drei Gruppen und in den Gruppen musste man Jeden gegen Jeden kämpfen . Insgesamt 6 Lehrlinge waren in der Arena und kämpften gegeneinander. Als ich aufs Feld trat, sah ich zum Glück nicht Lucian darunter, doch Tutrin stand mit einem Morgenstern in der Hand auf dem Platz .Als er mich entdeckte grinste er blutrünstig. Er sinnte anscheinend noch immer auf Rache. Ich holte mir wieder ein abgestumpftes Schwert und ein Schild , dann hörte man den Gong. Mit Gebrüll prallte die Menge aufeinander . Ich bezwang erst einen kleinen Burschen und widmete mich dann einen Jungen in meinem Alter zu. Wir umkreisten uns und schlugen immer wieder aufeinander ein, bis ich den Jungen zum Stolpern bringen konnte, und ihn zum aufgeben gebracht hatte. Immer weiter kämpften ich und Tutrin aufeinander zu , bis nur noch wir übrig waren. Außer Atem umkreisten wir uns. Dann warf sich Tutrin plötzlich auf mich. Er riss mein Schild aus meiner Hand und trat mit einem Fuß auf die Hand , dann drückte er die kalte, scharfe Klinge, eines Dolches, den er soeben gezückt hatte, in die andere Handfläche, sodass ich sie nicht bewegen konnte. Ich schrie vor Schmerz auf . Genüsslich drückte er mit der Klinge fester gegen meine Haut. Die kalte Klinge bohrte sich in meine Handfläche und sie begann zu bluten. Keuchend schaute ich zu ihm empor und versuchte mich aufzubäumen, jedoch gelang es mir nicht, sondern bewirkte das der Schmerz zunahm. Tutrin stand direkt über mir und holte, mit einem fiesen grinsen, mit dem Morgenstern aus. Keuchend wand ich meine Hand unter seinem, Fuß , versuchte mich loszubekommen. Meine Sicht verschwamm und ich keuchte. Der Morgenstern nährte sich bedrohlich meinen Kopf. Ich versuchte meine Beine zu verwenden, um ihn von mir zu stoßen, es gelang mir ihn kurz mit den hochgezogenen Knien am Schienbein zu erwischen, sodass er leicht schwankte und ich meine Hand unter seinem Fuß befreien konnte. Sofort streckte ich diese aus um mein Schwert zu erreichen, ergriff es und schlug es Tutrin mit voller Wucht gegen die Seite. Er krümmte sich und ließ sein Dolch und den Morgenstern fallen .Ich rappelte mich schnell auf und stieß ihn zu Boden. Ich sah in seine geröteten Augen, die entsetzt zu mir hinaufstarrten. Ich hatte ein Anflug von Überlegenheit, dass sofort jedoch verschwand. Ich verpasste ihm ohne mit der Wimper zu zucken einen leichten Kopfschlag und er fiel in Ohnmacht. Der Kampf war entschieden. Die meng applaudierten begeistert vom Kampf. Ich nahm das bereits nicht mehr war, ich legte meinen Kopf in den Nacken, ließ das Schwert fallen und atmetet rasselnd die Luft ein. Dann stapfte ich zurück zum Pavillon und schaute den nächsten Gruppen beim kämpfen zu. Die Verletzten wurden in Tragen von Männern in aufgebaute, kleine Keilzelte gebracht und dort von Heilkundigen versorgt.

Die letzte Aufgabe war Bogen schießen. Nur noch 5 Lehrlinge waren mit mir übrig. Auch Lucian und Jiru hatten es geschafft. Wir nahmen uns alle Bögen und stellten uns ca. 30 Meter vom Ziel auf. Dann ertönte der Gong und wir schossen. Ich traf nur einmal ins Schwarze und es schieden 2 aus . Irgendwann schied auch Jiru aus , da er daneben schoss . Lucian und ich wetteiferten um den ersten Platz. Doch egal wie wir es versuchten, wir hatten immer ein Unentschieden. Da wir uns nicht den ersten Platz teilen konnten, wurde eine extra Lektion verkündet . Speer werfen . Na toll , genau das dass ich nicht so gut kann . Zum Glück musste ich nicht gegen Jiru antreten . Ich schnappte mir einen langen Speer . Wir hatten insgesamt drei Versuche . Wer das Ziel in der Mitte trifft , hatte gewonnen . Mein erster Wurf ging daneben. Lucian traf das Ziel an der Seite . Dann warf ich knapp an der Mitte vorbei . Was hatte der Meister mich gelehrt ? In der Ruhe liegt die Kraft oder sowas ? Ich atmete tief ein und aus. Dann schloss ich meine Augen. Ich wartete bis sich mein Puls reguliert hatte. Langsam öffnete ich meine Lider und schaute dem Ziel entgegen. Ich nahm Anlauf und warf . Der Speer bohrte sich mitten in das schwarze Feld, somit hatte ich gewonnen. Ich konnte ein Grinsen nicht verkneifen . Ich hatte es tatsächlich geschafft .Lucian kam auf mich zu . ,, Guter Wurf . " Er sah enttäuscht aus , aber er freute sich anscheinend auch für mich . Er klopfte mir auf die Schulter. Dann wandte ich mich um, als der Rats Oberhaupt die Stimme erhob.,, Das war eine Ausgezeichnete Leistung von unseren neuen Lehrlingen !" ,, Doch nun werden wir den 3., 2. und 1. Platz bekannt geben." fuhr er fort . Dann stand er auf und hob die Hand . ,, Den 3. Platz hat ein Lehrling namens Jiru belegt." Er winkte und zwei Bedienstete kamen auf den verschwitzten Jiru zu. Sie überreichten ihm eine kleine Medaille.  ,, Den 2. Platz hat Lehrling Lucian belegt." Er winkte abermals und die Zuschauer klatschten. Lucian bekam ebenfalls eine Medaille. ,, Und der Gewinner dieses spannenden Turnieres ist der Lehrling Ayon. " Abermals wurde jubelnd geklatscht. Ich bekam das Preisgeld überreicht. Plötzlich stand ein bärtiger mann mit kleinen Augen auf und rief ,, Deine Belohnung ist nicht nur das Preisgeld, du darfst einen Besuch in die Brutstätte des Ordens machen und du wirst dort eine Führung bekommen . " Ich spürte wie mein Blut schneller durch meine Adern schoss. Ich durfte Dracheneier sehen ! Aufgeregt bedankte ich mich, neigte meinen Kopf. Es gab noch einige Ansprachen, die ich jedoch nicht mehr war nahm, da ich mir bereits in meinem Kopf den Besuch in der Brutstätte bunt ausmalte. Es war eine Ehre zu den ungeschlüpften Drachen zu dürfen. Und mir wurde diese Ehre zuteil. In freudiger Erwartung starrte ich hinauf zum Himmel, wo bereits die goldenen Strahlen der Sonne am Horizont schwanden. 


Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!