Am Grund der Welt

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In regelmäßigen Abständen blitzte das blaue Warnlicht durch den grauen Schleier. Langsam stapfte er durch die Gasse, den Körper in einen Transparenten Regenmantel gehüllt, der wenigstens vor dem Regen schützte. Ein kleines Zeichen am Linken Unteren Rand seines Sichtfeld wies ihn darauf hin, dass kein Kontakt zum Netz bestand. Das Wasser, das auf dem Asphalt fast Knöchelhoch stand, drang trotzdem in seine Schuhe, welche bei jedem Schritt ein schmatzendes Geräusch von sich gaben. Als er sich der Polizeiabsperrung näherte, stellte sich ihm ein Beamter entgegen. Der Mann hatte seine Dienstwaffe gezogen und schaute ihn abschätzend an. In seinem Gesicht glaubte der Keetz-Mensch Hybrid eine ordentliche Menge Missmut erkennen zu können. "Sascha DeTiris von 'Kaishen Security and Investigations'. Ich wurde gebucht um den Tatort zu untersuchen." Er krempelten den rechten Ärmel des Capes und seiner Jacke hoch und streckte dem Uniformierten seinen Unterarm entgegen, an dem ein kleines Rechteck kahl rasiert war. Binnen Sekunden, war sein orangerotes Fell vollständig durchnässt und das Wasser tropfte von den, nun herunter hängenden, Haaren in den Bach, der die Gasse hinab floss. Der Scanner, ein kleiner silberner Kasten, brauchte ein paar Sekunden, dann bestätigte er die Identität des Detektivs. Unter den üblichen Personeninformationen, wie Name, Alter, Id-Nummer, etc. tauchten einer Reihe weiterer Felder auf. Hersteller, Seriennummer, Mietnummer, Technische und Genetische-Modifikationen, Verantwortlicher und die aktuelle Genetische Instabilität: 4,8%. Der Polizist packte das Gerät wieder weg und deutete mit einem Nicken in Richtung einer Lagerhalle zu ihrer Linken. Während der Detektiv sich dem Gebäude näherte, hielt der Polizist die Waffe weiter gezogen und beobachtete ihn Misstrauisch. Bevor Sascha die Halle betrat, zog er ein paar Einweghandschuhe aus der Tasche und zog sie über seine knochigen Finger. Mit einem Leisen quietschen glitt der schwere Torflügel zur Seite. Die Luft im Raum dahinter war stickig und sofort stieg ihm der Geruch von frischem Blut und verbranntem Fleisch in die Empfindliche Nase. Endlich im trockenen schob er die Kapuze des Capes herunter, unter der eine prächtige Orange Rote Mähne zum Vorschein kam. Seine Katzenaugen hatten sich zwar schnell an die Dunkelheit gewöhnt, dennoch schaltete er seine Implantate dazu. Das ganze Bild des Grauens erstreckte sich vor ihm. Die Körper wiesen dutzende Einschusslöcher und tiefe Wunden auf. Menschen, Sil, Feris, sogar ein Keetz lag etwas abseits. Er atmete einige Male Tief durch den Mund ein und aus, um die beißenden Geruch weg zu bekommen. Dann schluckte er und startete die Aufnahme. "Sascha DeTiris. ID 422172900. Auftrag 223c für das Europia Crime Investigation Department." Ein weiteres Symbol erschien in seinem Sichtfeld und reihte sich neben dem Netzstatus ein. Seine Blicke wanderten über die Leichen. Er begann mit der, die am nähesten zum Ausgang lag. Es war ein Terraner, Mitte 40, rasierte Glatze. Ihm war die Kehle durchtrennt worden. Seine toten Augen starrten in Richtung in der die anderen Leichen lagen. Der Detektiv ließ seine Blicke über den Körper und die nähere Umgebung gleiten. Darauf bedacht, möglichst kein Detail zu übersehen. Dann ging er weiter zum nächsten Opfer. Das blaue Gefieder der Sil war von rotem Blut durchtränkt. Ihre weiße Jacke wies im Brustbereich drei Brandlöcher auf. Vorsichtig packte er sie und drehte sie auf die Seite. Keine Austrittslöcher. Er ließ sie wieder auf den Rücken sinken. Dann prüfte er ihre Taschen. Ein Ausweis von "T-Genetics. R&D" Als er die Plastikkarte betrachtete, erschien ein grüner Rahmen darum. Er legte sie zurück. Der Feris wies ähnliche Verletzungen auf, auch wenn das Blut auf seinen Roten Federn nicht so gut zu erkennen war. Auch bei ihm fand er einen Firmenausweis, diesmal von "CoreTEX. Genetic R&D". Zuletzt kam Sascha zu dem Keetz. Er lag mit dem Gesicht zum Boden. Das gelbe Fell auf der linke Seite seines Kopfes war großflächig verbrannt. Von der einst prächtigen Mähne nichts übrig. Vorsichtig drehte der Detektiv auch ihn auf die Seite. Die Übelkeit überkam ihn erneut, diesmal wie ein Schlag in den Magen. Das, was mal ein Katzengesicht gewesen war, war nur noch eine schwarz rote, Masse. Die Haut war weg gebrannt und der Schädelknochen verkohlt, teilweise zerbröselt wie Holzkohle. Sascha starrte einige Sekunden auf den zerstörten Kopf, dann zwang er seinen Blick auf den Körper des Keetz. Er trug eine Uniform von Cartell Security Tec... "Sind sie langsam Fertig da drinnen? Hier sind einige Leute, die gerne Aufräumen möchten." kam es aus Richtung der Tür. "Noch zwei Minuten!" Er erhielt keine Antwort. Die Cleaner, in ihren weißen Ganzkörperanzügen blieben jedoch am Eingang stehen und warteten. Er ging zurück dem Mann nahe der Tür. Auch bei ihm fand er eine Ausweis... "Kaishen S&I"! Nachdem er sicher war, dass auch dieses Indiz erfasst war, ließ er seinen Blick noch einmal großflächig über den Tatort gleiten. Die Schusswunden der beiden Vögel passten zu den Waffen der Sicherheitsleute. Doch was hatte die Risswunden verursacht und vor allem, was hatte den Kopf des Keetz verbrannt. Er glitt mit seinem Finger über die Wunde in der Brust des Keetz. "Sind sie endlich Fertig. Wir haben auch noch anderes zu tun." Langsam stand er auf, zog die Handschuhe aus und verstaute sie in einem kleinen Plastikbeutel. "Na endlich." Kommentierte der vorderste der Cleaner. Er gab den anderen ein Zeichen und diese Rückten, begleitet von zwei schwebenden Liegen, vor, um die Halle zu säubern. Draußen wartete einer der Polizisten auf ihn. "Möchten sie meine Einschätzung?" wollte Sascha das Gespräch eröffnen, doch der Uniformierte würgte ihn mit einem kurzen, genervten "Nein" ab. Nach der Absage versuchte Sascha nicht weiter ein Gespräch auf zu bauen, sondern übermittelte wortlos die Daten der Untersuchung an den Beamten. Dann verließ der Hybrid zügig den Tatort. Durch das Rauschen des Regens konnte er den abfälligen Kommentar des Polizisten zwar nicht ganz verstehen, er ahnte jedoch, dass er ihm gegolten hat.

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