Mischlinge

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Tutrin ging seit dem gestrigen Vorfall Lucian und mir aus dem Weg. Ehrlich gesagt kam es mir sehr entgegen, dass er mich nicht mehr ständig schikanierte. So konnte ich mich auf das Training konzentrieren, ohne zu befürchten, dass er und seine Kumpanen mich nervten. 

Wie immer war das Training nicht gerade leicht. Mit Pfeil und Bogen mussten wir versuchen auf einem Pferd und zudem noch im Galopp Zielscheiben zu treffen, die an Ästen befestigt waren, hoch über unseren Köpfen. 

Das war nicht so einfach wie es klingt. 

Wir durften uns aus einigen Pferden, die darauf trainiert waren uns Lehrlinge auf ihnen reiten zu lassen, eines aussuchen. Ich ging zu einem großen Fuchs, der nervös den Kopf hoch warf, als ich auf ihn zu ging. 

Er schnaubte und ließ zu, dass ich ihn an den empfindlichen Nüstern streichelte. Dann stieg ich mit einem Satz auf seinen Rücken und packte die Zügel mit der linken Hand und hielt den Bogen in der Rechten. 

Braum gab das Signal und nach und nach mussten wir hintereinander los galoppieren und die Pfeile abschießen. 

Der Fuchs schüttelte seinen Kopf hin und her. 

Ich streichte über sein struppiges Fell am Hals und beruhigte ihn mit einem leisen Summen. 

Er wirkte noch immer etwas nervös. 

Wahrscheinlich war er ein Frischling und hatte gerade erst gelernt, wie man als Streitross fungierte. 

Ich klopfte ihn auffordernd gegen den starken Hals, als Braum mir das Zeichen gab. 

,,Los!" rief ich, trat leicht in die Flanke des Tiers. 

Er galoppierte augenblicklich los und schon in Windeseile kam die erste Zielscheibe in Sicht. Ich ließ die Zügel instinktiv locker, hob den Bogen, zog einen Pfeil aus dem Köcher, der an meinem Rücken angebracht war und zielte kurz in mich verharrend auf die Zielscheibe hoch oben am Ast hängend. 

Ich ließ surrend den Pfeil los, der nach vorne schnellte und sich oben links in die Zielscheibe bohrte, worin bereits einige Pfeile der anderen steckten. 

Innerlich erfreut über den Schuss spornte ich auch den Fuchs an und er preschte geradewegs auf die nächste Zielscheibe zu. Vor mir sah ich, dass einer der anderen gerade mit der letzten Zielscheibe fertig war und brüllend die Hände in die Luft streckte. 

Ich schüttelte den Kopf. 

Es geht nicht darum wer am schnellsten war, sondern wie man die Zielscheibe trifft. 

Ich konzentrierte mich auf die nächste Zielscheibe, die mir irgendwie kleiner als die vorherige erschien. Ich spannte den bogen ein weiteres Mal, zog ein Pfeil und ließ die Sehne für einen Augenblick an meiner Wange verharren, dann ließ ich los und der Pfeil bohrte sich fast knapp neben der schwarzen Mitte in die Zielscheibe. 

Ich schnaubte. 

Fast hätte ich mitten ins Schwarze getroffen, mir fehlte nur noch ein kleines Stückchen. 

Der Fuchs geiferte unter mir. Die Hufe wirbelten den Sand des Platzes auf. Ich schoss zwei weitere Pfeile, einer der beiden ging ins Leere, der andere bohrte sich direkt neben einen anderen wieder knapp an der Mitte vorbei in die Zielscheibe.

Keuchend konzentrierte ich mich nun auf die letzte Zielscheibe. Die war um ein weiteres kleiner als die davor. 

Ich sah, dass auf der Zielscheibe nur ein einziger Pfeil heraus ragte. Der Pfeil war direkt in der schwarzen Mitte. Die anderen vor mir, außer anscheinend einer, hatten es nicht geschafft die Zielscheibe zu treffen, die nur so groß wie meine Faust war. 

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!