Aya

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Mit einem Ruck fuhr ich aus dem Schlaf. Mein Atem ging schnell und stoßweise. Zum wiederholten Male hatte ich nun diesen Traum. 

Benommen rollte ich mich auf den Rücken und starrte die Risse in der Decke an. 

Es war bereits Morgengrauen, die Kälte ließ meinen Atem gefrieren. Ich war dennoch schweißgebadet und das Bettzeug klebt nur so an meinen Gliedern. 

Ich fühlte mich sogleich unbehaglich. 

So strampelte ich die Decke ans Fußende und fuhr mir unsicher durch das wirre Haar. Ich konnte mich schon wieder nicht an den Traum erinnern. Es ist immer wieder derselbe, doch wenn ich aufwache ist alles weg. 

Ärgerlich schob ich in meinem Geiste die Gedanken beiseite. Was bringt es denn schon darüber groß nachzudenken. 

Seufzend zog ich mir ein ärmelloses, löchriges Hemd über den Kopf, schlüpfte in den zerknautschten Rock, den ich zu meinem Leide anziehen musste, wie es meine Mutter immer von mir verlangte und streifte Sandalen über meine blanken Füße. 

Eilig ging ich aus meinem Zimmer, die splitternde Holztreppe hinunter, während ich im Gehen noch meinen breiten Gürtel umschnallte. Unten angekommen bemerkte ich meine Mutter, mal wieder am Apfelmost kochen. 

Sie kochte, seit mein Vater uns verlassen hatte, Gläserweise Apfelmost. 

Wir haben bereits so viel vom klebrigen Zeug, dass es für die nächsten Jahrzehnte ausreichen würde. Doch Mutter hörte nie auf zu kochen, da es sie wohl davon ablenkte. Sie war dann in ihrer ganz eigenen Welt. 

Ächzend fuhr ich mit meinen knochigen Fingern den Gürtel entlang. 

Ich bin wirklich nicht gut in sowas. 

Meine Mutter hob ihren Blick vom rostigen Kochtopf und schüttelte den Kopf. 

Sie kam zu mir rüber und schnürte den Gürtel lockerer. 

,,Danke. Fast wäre ich gestorben." 

Sie tadelte mich mit ihren Blicken, die ich wie sonst auch völlig ignorierte. 

Ich streifte derweil leicht nervös den Rock glatt. Ich hasste Kleider, Röcke und alles was die verzogenen Mädchen aus meinen Dorf so trugen. 

Ich befürchtete dann immer das ich mich genauso in eine zickige Anstandsdame verwandeln würde. Doch Mutter erlaubte mir sowieso nicht ohne Rock das Haus zu verlassen. 

Wenn ich versuchte mit etwas anderem als einem Rock das Haus zu verlassen, bekam ich stets ihren Kochlöffel gegen den Kopf geworfen. 

Ich blickte zu ihr und sie deutete mit einem vorwurfsvollen Blick auf einen Beutel, ehe ihre Augen wieder trübe wurden und sie sich dem Apfelmost zu wendete. 

,,Ja , ich weiß das ich zu spät zur Arbeit komme," seufzte ich. 

Schnell nahm ich den Beutel und schlenderte hinaus. Im Gehen zog ich mir noch meine Felljacke über. 

Vor dem Haus holte ich nochmal tief Luft. 

Ich hatte erst kürzlich eine Arbeit bei der Turmuhr angenommen, denn ich war kürzlich schließlich fünfzehn geworden und hatte mit der Schule aufgehört um meiner Mutter unter die Arme zu greifen. 

Außerdem konnten wir die Schulgebühren nicht mehr zahlen. 

Die Arbeit im Uhrwerk ist zwar schwer aber auszuhalten. Zudem bekam ich genügend Silbermünzen die Woche, sodass es für knapp 3 Mahlzeiten am Tag und anderen wichtigen Kram wie z.b die Schulden ab zu bezahlen, reichte. 

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!