[10.07.2011 - C05 - Wegänderung]

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Das Ganze lief anders, als geplant. Wer hätte gedacht, dass sie Crash für die späteren Spiele dabehalten würden? Joanne nicht, auch wenn sie sich nun für ihre eigene Naivität strafte.

„Glaubst du, du kannst noch weitermachen, Großer?", fragte sie auf dem Weg zu den Umkleiden.

Crash brummte eine Bestätigung, die Augen starr nach vorne gerichtet.

Zwei, drei der anderen Spieler blieben stehen, sprachen ihn an. Fast alle auf Afrikaans. „Du bist echt gut", sagte einer. Ein anderer: „Wo hast du bisher gespielt?"

Wo war Murphy nur?

Sie hatte den Jungen seit über einer Stunde nicht mehr gesehen.

Ein Manager – zu erkennen an dem teuren Anzug – hielt auf sie zu. Er hatte ein geschäftsmäßiges Lächeln aufgesetzt, als er auf sie zukam. „Sind sie Mrs Montgomery?", fragte er auf Afrikaans.

Sie antwortete auf Englisch. „Jetzt nicht. Kommen Sie später." Verdammt, das war ein Job für Murphy.

Sie hatte nicht beabsichtigt, dass sie so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden. Was sollten sie jetzt tun? Und sie hatten nicht einmal eine Umkleide für sich.

Denn in der Umkleide drängelten sich andere Spieler, weitere sprachen Crash an, der nur brummte. Ihr wurden Seitenblicke zugeworfen. Trotz Kleidung war sie als Frau zu erkennen und auch als Scout hatte sie hier eigentlich nichts verloren. Also drängelte sie sich mit Crash in den Nebenraum der Umkleide, der offenbar als Erste-Hilfe-Zimmer gedacht war.

Hier holte sie hier Handy heraus. Schrieb an Murphy: „Wo bleibt ihr? Sind neben Erste-Hilfe-Zimmer. Brauche Unterstützung." Dann wandte sie sich Crash zu: „Du hast echt noch nicht gespielt?"

Er schüttelte den Kopf, hielt dann inne. „Als ich noch zur Schule bin. Da schon. Aber Schulsport, nicht mehr."

Pakhet musterte ihn, räusperte sich. „Du bist gut."

Er brummte nur. Er setzte sich auf die mit grünem Leder bezogene Liege, die am Rand des kleinen Raums stand.

Pakhet setzte sich neben ihn. Was sollte sie sonst tun? Sie war sich nicht sicher, ob ihr Plan jetzt noch funktionieren würde. Eigentlich hatte sie geplant, früher von hier abzuziehen, unter dem Vorwand einer Verletzung. Jetzt aber war sie sich nicht sicher. Ihr war eine Sache klar geworden: Crash hatte hier vielleicht eine Chance.

Sollte sie etwas sagen? Es ging sie schließlich nichts an. Sie wusste ja nicht einmal, wer er war und wie er genau in diese Arena gekommen war. Dann wiederum ... Er war noch relativ jung, soviel wusste sie sicher. Reichte es nicht, dass sie ihr halbes Leben an diesen Job verschwendet hatte?

„Was meinst du, Großer", meinte sie schließlich, um das Schweigen zu brechen.

Ein fragendes Brummen.

„Könntest du dir vorstellen, wirklich zu spielen?"

Ein unschlüssiges Brummen.

Sie konnte ihn verstehen. Immerhin waren sie unter falschen Namen, falschen Daten, falschen Vorgaben hier. Und ja, vielleicht hatte er noch ganz andere Gründe. Eventuell sollte sie einfach die Klappe halten. Sie tat es nicht.„Ich meine, du hast vielleicht echt eine Chance. Du könntest etwas machen, bei dem die Chancen, von jemanden erschossen zu werden, deutlich kleiner sind." Ja, großartiger Peptalk. Sie war mit diesen Dingen nicht gut.

„Das kann nach hinten losgehen, wenn die mitbekommen, dass die Vorgaben falsch sind." Nach diesen Worten presste er die Lippen zusammen, brummte wieder. „Und da ist Alice."

Sie sah sich um. Sie waren hier wirklich allein und es gab keine Kameras. Natürlich nicht. Sieben Jahre in ihrem Job hatten sie paranoid gemacht. „Was ist eigentlich mit Alice?"

Ein weiteres Brummen, unschlüssig dieses Mal. Er zögerte. „Alice ist magisch. Aber  ... Anders. Sie kann Computer manipulieren und sowas."

„Wie ein Hacker?"

„Ja. Aber magisch. Besser. Sie  ..." Er schüttelte den Kopf. „Ich verstehe es bis heute nicht wirklich. Aber Leute wollen sie. Also Firmen. Die haben das damals in der Schule bemerkt. Die kamen und haben versucht uns zu überreden. Haben uns Angebote gemacht. Und dann  ..." Er schüttelte den Kopf.

Pakhet wusste nicht, was genau passiert war. Doch wusste sie, dass die Eltern der beiden tot waren. Die Annahme lag nahe, dass es damit zu tun hatte. Vielleicht ein Versuch, sie zu erpressen. „Wie alt war Alice?"

„Elf." Ein tiefer Laut, der fast an ein Knurren erinnerte, schwang in seiner Stimme mit. Er schüttelte den Kopf. „Wenn es wieder jemand bemerkt  ..."

„Ihr könntet euch neue Identitäten holen", meinte sie. „Neue Identitäten, neue Leben, neue Hintergründe. Das lässt sich alles fabrizieren. Dann könnte auch Alice noch einmal neu anfangen. Smith hat da sicher Möglichkeiten." Wahrscheinlich war Smith ohnehin eher die Person, die darüber sprechen sollte.

Er dachte nach, nickte.

Die Tür öffnete sich.

„Ich habe gehört, ihr habt mich vermisst", flötete Murphy.

„Wir brauchen deine Hilfe, Silberzunge", erwiderte Pakhet. Sie sah zu Crash. „Wir haben ein Problem. Wo ist Hazel?"

„Noch immer dabei, Daten zu ziehen. Soll gleich wieder zu ihr zurück. Was ist das Problem?"

Pakhet nickte Crash zu, der die Augen verdrehte und die Nase anzog. Er mochte die Aussicht nicht, dass Murphy es wäre, der ihm half. „Da wollen Leute mit mir reden. Wegen dem Spielen."

„Wegen dem Spielen?", fragte Murphy.

Pakhet tauschte einen Blick mit Crash, der ihr zunickte. Dann sprach sie: „Es stellt sich heraus, dass er Talent hat. Leute wollen ihn anheuern."

Murphy runzelte die Stirn, als er versuchte, diese Information zu verarbeiten. Dann grinste er. „Und. Was sagst du, Großer?" Er verbesserte sich schnell: „Ich meine, Crash."

Crash zögerte, schaute für eine Weile zu Boden. Dann nickte er Murphy zu.

Ein Grinsen breitete sich auf Murphys Gesicht aus. „Wunderbar. Dann schaue ich mal, was ich dabei rausschlagen kann." Er blickte sich um. „Also, wo sind die Sponsoren?"


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