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Als ich zu Hause ankam, war ich immer noch wütend. Ich zog meinen Mantel und meine Schuhe aus und stapfte in das Wohnzimmer, wo Josh auf dem Sofa lag und irgendeine Serie über den Fernseher schaute.

Als er mich hörte, setzte er sich sofort auf und sah mich in einer Mischung aus erwartungsvoll und besorgt an.

„Wie war es?", fragte er.

Schnaubend warf ich meine Tasche auf einen Stuhl am Esstisch, ehe ich mich mit heruntergezogenen Mundwinkeln und Augenbrauen neben ihn auf die Couch fallen ließ.

„Was denkst du wie es war? Gabriel ist immer noch dasselbe arrogante Arschloch", antwortete ich und verschränkte die Arme.

Ich bemerkte aus dem Augenwinkel, wie er mich musterte, während ich mürrisch auf den Fernseher starrte.

„Das klingt doch gar nicht so schlecht", freute sich der Holländer, optimistisch, wie er war, „ist doch besser, als wenn du jetzt vollkommen am Boden zerstört, seelisch ruiniert oder tot wärst!"

Da hatte er Recht. Meine Rage war von den Möglichkeiten das geringste Übel. Dennoch sah ich Josh nun mit hochgezogener Braue und vorwurfsvollem Blick an.

„Was hat er denn gemacht? Erzähl doch mal etwas genauer", verlangte er nun und ich seufzte resigniert.

„Er war einfach... Er", begann ich und zuckte ratlos die Schultern, „der erste Berührungspunkt, den wir nach dem halben Jahr hatten, war eine E-Mail, in der er mir befohlen hat, mit ihm Essen zu gehen. Aber das wirklich Schlimme ist, dass er geglaubt hat, dass ich ihm einen Schokonikolaus auf den Tisch gestellt hätte. Als ob! Der war von Neele! Pff", schnaubte ich, „das Beste ist, dass er ihn für eine Entschuldigung gehalten hat. Eine Entschuldigung dafür, dass ich nicht mit ihm nach England gehen wollte. Jetzt mal ehrlich, Josh, der Kerl hat einen Dachschaden vom feinsten. Er ist vollkommen verblendet. Fern der Realität. Ein wandelnder Gottkomplex!", regte ich mich weiter auf und spürte, wie mein Puls wieder Fahrt aufnahm. Josh legte mir eine Hand auf mein Knie und lächelte mich schräg an, wofür ich ihm einen angriffslustigen Blick zuwarf.

„Was grinst du so?", pampte ich herum. Josh ließ sich von meiner Laune nicht beeindrucken und zuckte lässig die Schultern.

„Nur so", sagte er und sah mich noch einen Moment an, ehe er sich auf dem Sofa zurücklehnte und irgendwie zufrieden aussah. Er verschränkte seine Arme hinter dem Kopf und schmunzelte vor sich hin. Ich schüttelte den Kopf.

Nach einer Weile seufzte ich resigniert und rieb mir mit den Händen mehrfach über das Gesicht.

„Eigentlich war er dann rotzfreundlich zu mir, während ich ihm so richtig vor den Bug geschissen hab. Wenn ich er wäre, würde ich mich jetzt feuern, ehrlich", gab ich zu.

Josh sah mich mit gerunzelter Stirn an.

„Ich dachte du hast Angst vor ihm, wie kommst du dann auf die Idee auch noch frech zu sein?", fragte er.

Ich sah ihn ratlos an, doch Josh grinste schon wieder.

„Weil du eben Kathi bist", entschloss er schulterzuckend.

„Ich weiß auch nicht", seufzte ich, „ich weiß einfach bei ihm nie, wie ich mich verhalten soll. Er macht mich so scheißwütend mit seiner selbstverherrlichenden Art. Dann ist er plötzlich nett zu mir. Ich habe ein riesiges Donnerwetter erwartet, wenn er zurückkommt. Aber jetzt scheint es, als hätte er mir meine Flucht verziehen, was ich mir nicht vorstellen kann. Ich misstraue dem Braten. Ich hab keine Ahnung, woran ich bei ihm bin. Was wahr ist und was nur ein Schauspiel. Wer weiß, ob er mir nicht morgen mit einem Lächeln eine Kündigung auf den Tisch legt oder den Kopf meiner Mutter, was weiß ich! Er soll sauer sein, mich anbrüllen, von mir aus auch handgreiflich werden. Aber diese Psychonummer ist doch Kacke. Ich traue mich nicht, zu glauben, dass wirklich alles okay ist!"

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!