~18~

200 29 10

„Und du bist Staatsanwalt?", fragte ich.

„Ja", antwortete Elias und zuckte die Schultern, als sei das nichts Besonderes. Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und trank seinen Espresso mit einem Schluck halb leer.

Dann änderte sich seine Mine plötzlich. Als verfinsterte sich der Himmel, zog er seine Brauen zusammen und seine Lippen wurden zu einem schmalen, weißen Strich. Mit verengten Augen sah er mich an.

Ich blinzelte und sah an mir herab, ob ich etwas an mir kleben hatte. Als ich nichts fand, tastete ich durch mein Gesicht. Auch das ohne Auffälligkeiten festzustellen. Nase, Augen, Mund – war alles noch dran.

„Hab ich etwas falsches gesagt?", fragte ich verunsichert.

Elias Gesichtszüge glätteten sich und er sah mich entschuldigend an.

„Nein, tut mir leid", sagte er, „mir ist nur etwas aufgefallen."

„Was denn?"

Elias sah mich noch ein Mal nachdenklich an und stand nach kurzem Zögern auf. Er ging auf eine kleine Niesche unter der Dachschräge zu, in der ein Schreibtisch stand und zog eine Mappe aus einem Regal. Dann durchsuchte er die Unterlagen und zog schließlich einen Zettel aus ihnen hervor. Mit diesem in der Hand kehrte er an den Esstisch zurück. Elias Schwieg und spannte mich auf die Folter. Ich schielte auf das Blatt in seinen Händen, doch er hatte es mit der Rückseite zu mir gedreht.

„Katharina", begann er ernst, „bitte erschrick jetzt nicht."

Dann drehte er den Zettel um und legte ihn auf den Esstisch zwischen uns. Es handelte sich um ein ausgedrucktes Foto, auf dem ein schwarzer, glänzender Wagen zu sehen war. Davor befanden sich zwei Personen. Ein Mann hatte eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sodass man dieses nicht erkennen konnte. In seinen Armen hielt er eine Frau, der er eine Hand auf den Mund presste. Die Frau hatte die Augen geschlossen. Ihr Gesicht war bleich. Sie hatte lange, schwarze Haare und trug ein Businessoutfit. Die Art, wie sie schlaff in den Armen des Mannes hing, ließ darauf schließen, dass sie Ohnmächtig war. Ich schluckte.

„Erkennst du diese Frau?", fragte Elias vorsichtig.

Ich nickte. Meine Augen brannten, weil ich nicht Mal mehr blinzeln konnte.

„Woher hast du dieses Foto?", fragte ich tonlos.

„Ich bin Staatsanwalt", wiederholte er mit einem matten Lächeln, „es ist mein Job unteranderem Beweise zu sammeln und auszuwerten."

Erinnerungen sprudelten in mir hoch. Ich fühlte mich in der Zeit zurück versetzt. Als wäre es gestern konnte ich mich daran erinnern, wie ich auf den Wohnkomplex zugegangen war, in dem Alex und ich gelebt hatten. Ich spürte die heiße, drückende Luft des Hochsommers und des nahenden Gewitters noch auf meiner Haut. Ich hörte die Schritte hinter mir. Roch den beißenden Geruch der Chemikalie, die mir in einem Tuch auf Mund und Nase gepesst wurde. Ich fühlte die kräftigen Arme, die mich packten und wie mir die Beine wegknickten.

„Das bin ich", hauchte ich, während ich ohne zu blinzeln und ohne zu atmen auf den Ausdruck starrte.

„Das dachte ich mir. Es ist schwer zu erkennen, da er das Gesicht verdeckt und die Augen geschlossen sind. Aber jetzt, wo du mir gegenübersitzt... ist es mir eingefallen", erklärte Elias.

Ich riss den Blick von dem Bild los und schob es mit einer Hand von mir, damit ich es nicht weiter ansehen musste. Mir war an dem Tag nichts weiter geschehen. Josh hatte mich gerettet. Dennoch zählte dieser Moment zu einem der schrecklichsten in meinem Leben. Ich hatte nicht gewusst, was mit mir passierte. Ich hatte todesangst gehabt.

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!