4.01. Was war das denn?

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Dein Begleitoffizier und du, ihr passiert soeben die Schranke, da spricht dich der Schrankenwärter an: "Ihr Besucher ist Mr. Kabaltos?"
Du unterbrichst den Wärter: "Das ist schon okay, Sir, der Officer hat es erlaubt. Mr. Kabaltos darf noch bleiben."
"Nein, nein", wehrt der Wärter ab, "es ist sein Cellphone, das er hier deponiert hat, das summt ständig."
Dein Begleitoffizier wechselt schnell einige Worte mit dem Wärter, spurtet dann zum Zellenvorplatz und holt Michael. Der überprüft sofort sein Cellphone. Unterdessen gehen der Offizier und du in das Polizeigebäude.

Einige Sekunden später betretet ihr Officer Sarangs Office. Der Begleitoffizier setzt sich an Sarangs Schreibtisch. Hinter Officer Pangutanas Monitor sitzt ein gutaussehender, sportlich-elegant gekleideter Herr. Er ist um die 40 Jahre alt. Der schlanke Herr, er trägt am Handgelenk eine sicherlich unechte Breitling, springt auf und reicht dir freundlich die Hand: "Mr. Heger, schön Sie kennenzulernen. Ich habe von Ihrem Missgeschick gehört. Darf ich mich vorstellen, Pizzaro, Attorney Pizzaro."
Ihr schüttelt euch kräftig die Hände, obwohl das auf den Philippinen nicht Tradition ist. Das Englisch des Anwaltes scheint recht gut zu sein.
'Wahrscheinlich war der Anwalt ein paar Jahre im Ausland.', sinnierst du.
Attorney Pizzaro setzt sich wieder hinter den Monitor und bedient die Tastatur des Computers. Du sitzt ihm an der Schreibtischecke gegenüber und kannst den Screen des Monitors nicht sehen. Du entgegnest: "Ja, ein Missgeschick, so könnte man es nennen. Ich denke, das ist mehr ein Missverständnis."
"Sie kennen die Kinder und deren Eltern, Mr. Heger?"
"Ja, natürlich, Sir. Ich kenne die Jungen seit deren Geburt und die Eltern schon länger."
"Gut, das ist ein Pluspunkt. Einen Attorney haben Sie noch nicht?"
"Nein, Sir, Sie sind der erste Attorney, mit dem ich spreche."
Attorney Pizzaro liest in einer dünnen Polizeiakte.
Du fragst verstört: "Ist das meine Akte?"
Attorney Pizzaro ist verwundert über deine Frage: "Ja, eine Kopie, Ma'am Tolisan war so freundlich."
In deinem Gehirn beginnt es zu arbeiten. Dir wird klar, das ist der Anwalt, den die Polizistinnen empfehlen. Dagegen fragst du dich, ob ein Anwalt, der von der Polizei - unter vorgehaltener Hand - empfohlen wird, wirklich der Richtige ist? Du wirst vorsichtig.
Der Attorney fährt fort, während er die Akte studiert: "Nun gut, die Kinder sagen nichts über Missbrauch aus. Es gibt auch keine anstößigen Fotos. Sie haben die Cottagetür freiwillig geöffnet, Mr. Heger. Die Kinder haben geschlafen und niemand ist nackt gewesen, als die Rettungsaktion stattgefunden hat. Aber die Jungen haben zuvor nackt im Hotel auf den Betten getobt. Ups, merkwürdig", sagt er beim Umblättern, "da fehlt eine Seite. Die ist wohl nicht für mich bestimmt."
Der Attorney grinst ölig und wendet sich dem Computer zu. Er tippt kurz und haut laut auf die Entertaste: "Republic Act 9208, Human Trafficking, lebenslange Haft."
Du erschrickst, bist schockiert und glaubst, der macht Witze. Das Gesagte prallt an dir ab. Das willst du nicht hören.
Der Attorney legt nach. Er tippt hektisch auf die Tastatur ein, wieder knallt die Entertaste laut: "Republic Act 7610, Child Abuse, 12 bis 15 Jahre Haft."
Dir wird heiß, dein Puls erhöht sich und der Blutdruck steigt. Dein Blutzucker dagegen fällt, denn du beginnst leicht zu zittern und du fühlst dich augenblicklich hundeelend. Verwirrt schüttelst du den Kopf, wischst mit deinem kleinen Tuch den Schweiß von der Stirn und stammelst und krächzt mit trockener Kehle: "Aber, aber, die Kinder, die, die, sagen doch nicht gegen mich aus und die Eltern sind für mich und meine Freunde."
Deine Gedanken drehen sich im Kopf wie ein Karussell und du deklarierst Attorney Pizzaro als verrückt.
'Das Geschäft mit der Angst!', durchzuckt es dich wie ein Blitz. 'Jawohl!', schreit es in dir, 'Der will dir Angst einjagen, um dich als seinen Klienten zu gewinnen!' Sofort fällst du dein Urteil über Attorney Pizzaro: 'Nein, mit dem nicht! So nicht!'
Attorney Pizzaro ist aber noch nicht fertig mit seinen unglaublichen Aussagen: "Die Eltern sind Ihre Freunde? In der Situation wäre es besser, die Eltern zeigen Sie an."
Du glaubst, dich verhört zu haben. Das schlägt dem Fass den Boden aus. Du bist total verwirrt und krächzt heiser: "Niemals!" Dein trockener Rachen kratzt, du hustest und räusperst dich und ergänzt: "Warum sollten die das tun?" Zu mehr Worten bist du nicht fähig.
Attorney Pizzaro bearbeitet die Tastatur und antwortet beiläufig, es wirkt arrogant: "Weil es besser ist."
Für dich ist das Gespräch gelaufen. Du verschränkst demonstrativ die Arme vor der Brust und rückst mit dem Stuhl ein wenig nach hinten. Der Kunststoffstuhl knarzt erbärmlich auf dem Betonfußboden. Wie ein Trompeter machst du dicke Backen und stößt die Luft laut aus.
Attorney Pizzaro versteht deine Körpersprache, er wirkt auf dich sarkastisch: "Geht es Ihnen gut, Mr. Heger?"
Du wischst erneut Schweiß aus dem Gesicht und von der Stirn. Du schweigst, denn du bist sprachlos.
Der Attorney hat plötzlich eine Visitenkarte in der Hand. Die hat die Größe und Dicke einer Scheckkarte, ist aus Plastik und die Oberfläche ist hochglänzend. Wenn du die Karte drehst, wirken die Schrift und das Logo dreidimensional.
Du drehst gedankenverloren die Hightech-Visitenkarte und betrachtest sie traurig von allen Seiten. Am liebsten würdest du sofort aufspringen, aus dem Raum rennen und beim netten Michael sein. Obwohl du nie im Leben geraucht hast, schreit dein Körper, während du an Michael denkst, plötzlich nach Nikotin. Oder schreit dein Körper nach Zucker? Nach Schokolade? Es ist dir unklar, was mit deinem Körper los ist. Aber dir ist immer noch elend und du zitterst leicht.
Wieder scheint Attorney Pizzaro in deinen Kopf schauen zu können: "Sie brauchen Rechtsbeistand, Sir Heger."
'Ach, plötzlich redet er dich mit "Sir" an', denkst du verärgert.
Attorney Pizzaro steht nun hinter dem Schreibtisch. Entgegen seiner eleganten Erscheinung hängt und klimpert an seinem Gürtel ein Schlüsselbund am Karabiner, mit mehreren Schlüsseln daran. Markant sind die voluminösen Toyota-Autoschlüssel. Die gehören sicherlich zu einem voluminösen SUV.

"Rufen Sie mich an oder geben Sie den Polizistinnen Bescheid und warten Sie nicht so lange. Meine Telefonnummer ist auf der Karte."
Ihr schüttelt euch erneut die Hände. Seine Hand ist dominant und kraftvoll und wedelt deine kraftlose Hand wie ein Taschentuch in der Luft herum. Mit großen Schritten verlässt der Attorney den Raum. Du sinkst erschöpft in den blöden, laut knarzenden Kunststoffstuhl. Du bist verwirrt und verärgert und hast nur einen Gedanken: 'Was war das denn?'

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