*24. Kein Zurück mehr*

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Ich wurde durch eine scharfe Bremsung durchgerüttelt und geweckt. Erschrocken riss ich die Augen auf und sah zu meiner Linken, gegen alle Erwartungen saß dort allerdings Mike und nicht Jay. Er sah kurz unsicher durch die Windschutzscheibe und grinste mich dann an. »Das war mal der Knüller«, behauptet er. Ich rieb mir lediglich den Hinterkopf und sah mich um.

Um uns herum war nur Wald. Ich sah panisch auf den Rücksitz, dort grinste mir ein verschlafener Jay entgegen. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass wir eine Pause eingelegt hatten, geschweige denn, überhaupt eingeschlafen zu sein.

Mike stieg aus dem Wagen, ich sah wieder nach vorne. Um das Auto herum konnte ich nichts als Bäume ausmachen. Kathrines Wagen stand weiter vorne.

Ich hörte, wie Jay hinter mir ebenfalls ausstieg und mir gleich darauf die Tür öffnete. »Und wie ist der erste Eindruck?«, fragte er, doch ich bezweifelte, dass er eine Antwort erwartete.

Die Lichtung auf der wir uns über das Wochenende breitmachen wollten, sah nicht wirklich aus wie ein Zeltplatz. Eher so, als hätte irgendjemand mal die Bäume gefällt und den Platz damit zu einem beliebten Versteck für Jugendliche gemacht.

Ich nahm einen tiefen Atemzug und sah zu Kathrine, die ebenfalls grade aus dem Auto stieg. Jay verschränkte seine Finger mit den meinen, ich sah auf unsere Hände herunter und lächelte. Ich spürte, wie ich mich selbst verlor, jedenfalls das ich, dass ich die letzten Jahre über gewesen war. Ich verlor die Cynthia, die schwieg, die ihr Leben hasste.

Ich war Cynthia Barrow, Jays Freundin, das Mädchen, das tun konnte, was sie wollte. Ich war wieder ich.

Mit einem Lächeln sah ich zu Jay hoch. Er grinste mich ebenfalls an, dann wanderte sein Blick zu Kathrine. Jesse winkte ihn zu sich. »Verzeih, ich glaube, ich muss verhindern, dass Kathrine gleich einen Kollaps kriegt.« Er drückte meine Hand und ließ sie dann los. Ich blieb wo ich war und sah zu wie Jay zu seinem besten Freund joggte und sie sich zusammen zu Kathrine umdrehten. Diese lief hin und her, versuchte die anderen dazu zu bringen, ihre Zelte aufzubauen und die Wagen auszuräumen.

Doch keinen schien das sonderlich zu interessieren. »Magst du mir helfen? Die Blödmänner wollen sich lieber die Beine vertreten«, fragte sie mich. Ich wog grade meine Optionen ab, als Jesse und Jay sich bei ihr unterhakten. Erschrocken sah sie die beiden an. »Was soll das? Wir haben noch eine Menge zu erledigen und ich habe keine – Nein!« Die beiden warfen sie von den Füßen und zog sie rückwärts mit sich mit. Kathrine strampelte mit den Füßen, schrie, schlug und trat um sich. »Cynthia!« Als sie meinen Namen ausrief, kam ich um das Lachen nicht drum rum. Louisa und Vince gesellten sich zu mir, während Mike zusammen mit Tony Jay und Jesse zu Hilfe liefen. Sie packten Kaths Füße und trugen das noch immer kämpfende Mädchen von dem Schotter weg zwischen die Bäume.

»Das sind doch Idioten«, behauptete Louisa mit einem Kopfschütteln, lachte allerdings. Ich grinste.

So musste sich Freiheit anfühlen. Vera lachte über das Szenario, mein Blick wanderte zu ihr und Sophia herüber. Sogar ihre skeptische Freundin hatte ein Lächeln auf den Lippen.

Zwischen den Bäumen, wo das Gras unkontrolliert wucherte, drückten die Jungs Kath in den Rasen. Sie wand ich herum, erwischte Mike mit ihrem Schuh am Arm, der sie darauf hin losließ und befreite sich schließlich auch von den restlichen Jungs.

Als sie aufsprang, flogen Blätter und Grashalme durch die Gegend. Ihre Jeansjacke war am gesamten Rücken grün und nass und auch ihr Hintern und ihre Beine haben von der Nässe abbekommen.

Schmollend wischte sie sich über den Po und gab Jesse einen Stoß mit dem Ellenbogen in die Magengrube, während er lachend versuchte Blätter aus ihrem langen Haar zu befreien.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!