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Den ganzen Sonntagvormittag hatte ich mit Joshua gebruncht. Wir begannen schon um 09:00 Uhr mit frisch aufgebackenen Brötchen einschließlich diversen Herzhaften und Süßen Belägen wie Käse, Wurst, Räucherlachs und Nussnougatcreme. Gegen 11:30 Uhr erweiterten wir das ganze mit Speck und Eiern aus der Pfanne und rundeten alles mit einem selbstgemachten Joghurtdessert auf Erdbeeren ab. Es war sehr lecker und machte Spaß. Wir haben uns gut unterhalten und ich war beeindruckt, wie viel Essen in den drahtigen Dealer passte. Wo steckte er das alles nur hin? Josh an diesem Morgen so unbeschwert zu sehen, hatte mein Herz aufblühen lassen und gab mir Hoffnung, dass er diese schwere Zeit gut überstehen würde. Aber jetzt, wo wir hier zusammen lebten, konnte ja nichts mehr schief gehen. Ich hatte ein Auge auf ihn und er hatte eins auf mich. Wir räumten gerade die Reste in die Spülmaschine, als mein Handy klingelte. Ich zog es aus meiner Hosentasche und entfernte mich etwas von Josh, der klappernd weiter das dreckige Geschirr in die Maschine räumte.

„Valentine?", meldete ich mich.

„Hallo Katharina", begrüßte mich eine tiefe Männerstimme.

„Christoph?", ungläubig zog ich die Stirn kraus.

„Ja. Ich bins. Wie geht es dir?", fragt mich der Mann meiner besten Freundin. Meine Verwirrung wuchs. Wieso rief er mich an?

„Mir geht es gut. Genieße das Singleleben und meine Arbeit. Und du?"

„Mir geht es..." Begann er zögerlich und ich wartete mehr oder minder geduldig, bis er weiter sprach. „Ich bin seit Mittwoch in einer Akutklinik. Ich habe mich bei dem Polizeipsychologen vorgestellt und meine Situation erklärt. Er hat dann sehr schnell alles in die Wege geleitet. Ich bin gut hier angekommen und Marie und Damian kommen mich in drei Wochen besuchen. Vorher darf noch niemand zu mir kommen. Wir vermissen uns, aber Marie ist glücklich", offenbarte er mir mit fester Stimme. Ich hob meine Augenbrauen an und machte die Augen groß. Er konnte es zwar nicht sehen, aber ich nickte anerkennend.

„Das ist großartig, Chris. Wirklich! Das freut mich zu hören. Du wirst sehen, es wird dir nur Vorteile bringen. Und deiner Familie.", sagte ich seine Worte bekräftigend.

„Ich fühle mich gut, Katharina." Fuhr er fort und ich konnte ihn am anderen Ende der Leitung tief einatmen hören. „Dank Dir. Ohne Dich hätte ich diesen Schritt wohl nie oder viel zu spät gemacht. Ich..", erneut zögerte er seine Worte mit einem Tiefen einatmen hinaus.

Ich höre?

„Danke dir!"

„Gern geschehen.", sagte ich und lächelte schief. „Nachdem ich dir eine Flasche über den Schädel gezogen habe, war dass das Mindeste, was ich tun konnte". Diese Worte brachten ihn sogar zum Auflachen.

„Ja! Eigentlich hätte mich dieser Schlag schon aufwecken sollen. Es tut mir leid, dass ich dich angezeigt habe. Ich war wütend auf mich selbst. Aber das wollte ich nicht einsehen und hab einen Schuldigen für meine Situation gesucht.",fuhr er fort und ich rechnete ihm seine Worte hoch an. „Es tut mir leid.", wiederholte er noch einmal.

„Ist schon gut Chris. Solange du eingesehen hast, dass du ein Problem hast und du jetzt Hilfe bekommst, ist alles gut. Dann hat sich das alles gelohnt.", versuchte ich, ihm weiter Mut zuzusprechen. „Jetzt konzentrier dich auf dich und komm bald wieder gestärkt und als guter Vater und Mann zurück."

„Das werde ich. Danke Katharina. Marie wird dich sicher über alles auf dem Laufenden halten. Machs gut!", verabschiedete er sich.

„Machs gut, Christoph.", sagte ich und legte auf. Ein tiefes seufzten entwich meinen Lippen. Würde sich Maries Leben nun auch endlich zum guten wenden? Würde Christoph als anderer Mann aus der Klinik kommen?

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!