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Als ich am Freitag Abend geschafft nach Hause kam, fand ich Josh vor meiner Tür. Er hatte die Hände in seinen Hosentaschen vergraben und wippte auf seinen Chucks wie ein Schuljunge, der auf den Bus wartet, vor und zurück. Über einer Schulter hing seine abgetragene Sporttasche.

„Hey Kathi", begrüßte er mich mit lausbübischem Grinsen.

Ich hob eine Augenbraue an und musterte ihn. Es kam selten vor, dass Josh bei mir vorbeikam. Genau genommen war es das erste Mal überhaupt.

„Hey", entgegnete ich misstrauisch, „was machst du hier? Ist was passiert?"

„Nee", sagte Josh und blickte zu mir herauf, als ich bei ihm angekommen war. Wie er das bewerkstelligte, war mir nach wie vor ein Rätsel. Immerhin war er mindestens einen Kopf größer als ich.

„Lässt du mich rein?", fragte er und ich zuckte die Schultern.

„Klar, komm mit", sagte ich. Ich schloss die Wohnung auf und trat mit ihm zusammen ein. Josh sah sich kurz um. Bisher kannte er mein Appartment nur von den Bildern auf dem Handy, die ich ihm gezeigt hatte. Er drehte sich einmal im Kreis und warf seine Tasche anschließend irgendwo in die Ecke. Wie zu Hause zog er sich die Schuhe aus und lümmelte sich auf mein Sofa, sodass dort kein Platz mehr für mich war.

„Gehst noch?", fragte ich empört.

„Jap. Danke", lächelte Josh unschuldig.

Ich schüttelte den Kopf und schlüpfte aus meinen unbequemen Arbeitsklamotten. Dass er mich dabei beobachtete störte mich nicht. Ich zog an einem Ende meiner Seidenstrumpfhose und hüpfte galant wie ein Flamingo auf einem Bein, bis ich sie irgendwie ausgezogen hatte. Rock und Bluse pfefferte ich auf direktem Wege in meinen Wäschekorb, nur um anschließend meinen Schlafanzug anzuziehen.

„Heiß", kommentierte Josh.

„Gell?", grinste ich stolz und präsentierte meinen Pyjama.

„Möchtest du auch etwas trinken? Einen Tee oder so?", fragte ich gastfreundlich und wühlte in meinen Kartons bereits nach einer zweiten Tasse. Nächste Woche war Zahltag. Dann gab es endlich ein paar Verstaumöglichkeiten.

„Jup, gern", sagte Josh.

Ich kochte uns etwas Roibuschtee mit Milch. Josh setzte sich auf, sodass ich neben ihm Platznehmen konnte. Gemeinsam schlürften wir an unserem dampfenden Gebräu.

„Ich dachte, es wird Zeit, aus der Ferienhütte rauszukommen", erklärte Josh schließlich.

Ich nickte verstehend.

„Ja, warst jetzt auch lange genug dort. Was hast du jetzt vor?", wollte ich wissen.

Joshs Augen funkelten über den Rand seiner Tasse hinweg. Er fuhr sich durchs Haar, doch die wilden Strähnen wollten sich von niemandem zähmen lassen.

„Ich dachte, ich könnte ja einfach zu dir kommen. Ich habe auch noch mein Zimmer im Club aber da ich ja gerade mein Leben ändern will, sollte ich da vielleicht nicht hin. Zu nah, an diversen Verführungen. Hier könnten wir uns die Miete teilen und keiner von uns wäre mehr ständig allein", Josh war allerdings noch nicht fertig. Er schien sich eine ganze Reihe an Erklärungen, Vorteilen und Rechtfertigungen zurechtgelegt zu haben. Doch ich unterbrach ihn, ehe er noch weiter ausholen konnte.

„Klar", sagte ich. Er blinzelte. So einfach hatte er sich das offenbar nicht vorgestellt.

„Echt?", fragte er nur, um nochmal sicherzugehen.

„Klar kannst du bei mir einziehen Josh. Du bist bei mir willkommen. Aber damit das klar ist: geraucht wird hier nicht, verstanden?"

Ich bohrte ihm mahnend meinen Zeigefinger in die Brust. Josh grinste über beide Ohren, stellte seine Tasse ab und verschränkte die Arme hinter den Kopf.

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!