kein Paradies kann so schön sein, dass es diesen Müll ausgleicht

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Nicole:


Wenn es nicht illegal wäre, Menschen zu töten, stände Markus anerster Stelle. Um 4 Uhr morgens zu dem scheiß Studio nur imFrühstücksfernsehn zu sein. Umso glücklicher war ich als esendlich 8 Uhr war und ich zum nächsten Termin konnte, irgendeinFotoshoot mit einem Paul Ripke. Allerdings war ich etwas zu spätweil ich noch zum goldenen M wollte und Susi sich dazu gesellte. FastFood ist nicht gesund und schlecht, aber ich sehnte mich so danach.Mit zwei vollen Tüten betraten wir das Studio und der Fotograflachte nur „Ich hätte alles erwartet, aber dass du mit McDonaldsTüten hier auftauchst nicht. Ich bin Paul Ripke, freut mich.". Ichreichte ihm eine Tüte und sagte ihm, er kann auch ruhig was nehmen,da meine Augen immer größer sind als mein Magen. Die erste halbeStunde vom Fotoshoot saßen wir nur und aßen, was eine schöneAbwechslung war. Die meisten Fotografen sind Arschlöcher und nehmensich nie Zeit, seit Jahren war es nur ein Hinstellen, Fotos undwieder gehen. Paul erzählt mir über seine letzten Aufträge unddass er viel Zeit in Amerika verbringt, momentan nur in Berlin weilsein bester Freund ihn bräuchte. Auch erzählt er mir überHeidelberg, seine Heimatstadt. Voller Freude sagte ich ihm, dass esauch meine Heimatstadt sei und schon unterhielten wir uns im tiefstenDialekt. Wir fingen dann auch mal an die eigentliche Aufgabe zuerledigen. Er gab mir noch seine private Nummer für den Fall dassich mal wieder Bilder bräuchte von einem echten Heidelberger.


Als ich mit Susi auf dem Weg zum nächsten Termin war, mailte er mirdie Bilder.

„Die Bilder sind schön, da lachst du ehrlich. Und hast nicht dasgefälschte Lachen auf wie bei den anderen Shootings.", flüstertSusi.


Am Abend fiel ich in mein Hotelbett und schlief ein, jedoch wachteich gegen Mitternacht wieder auf. Da 'früh aufstehen' die nächstenTage nicht in meinem Plan war, beschloss ich eine Runde zu laufen.Vielleicht den Kopf frei bekommen, oder irgendwo ein Bier trinken.Als ich einen Späti fand, kaufte ich mir ein Bier und saß auf einerParkbank. Mein Kopf fühlte an als würde er platzen vor lauterGedanken, darüber wie sehr ich momentan mein Leben hasse. Ichentsperrte mein Handy, las einige Nachrichten auf Instagram, was fürein tolles Vorbild ich sei und wie sehr sie mich bewundern. Leiselachte ich währenddessen, wenn die nur wüssten wie viel von demallem falsch ist, wäre ich nicht mehr das tolle Vorbild. Eher wäreich ein Beispiel für falsche Entscheidungen und Einsamkeit. AufTwitter konnte ich viel Vorfreude über das kommende Album lesen. Einpaar Fav's und Retweets verteilte ich. Mit meinen Fingern fuhr ichdurch meine Haare unter der Kapuze. Kurz schrieb ich Natalie eineNachricht, hoffte eigentlich auf keine Antwort, aber sie kam.


>Hey Nat, bin momentan in Berlin, hasse immer noch alles undjeden. Hoffe in deinem Job geht es besser. Wohnst du noch hier oderbist du wieder umgezogen?<

>Nicole, warum bist du noch wach? Ja, ich wohne noch hier, bingrad auf einer Party, willst du vorbei kommen? Wäre schön dich malwieder zu sehen.<

>Gib mir die Adresse, hab eh nichts besseres zu tun. Solange nichtjemand panisch schreit wenn ich auftauche, komme ich sehr gerne.<

>Ist die Party von meinem Freund, hier ist glaub niemand der dannschreit, das sind alles harte Rapper hier.<


Anbei war die Adresse, welche zum Glück nicht weit entfernt war.Dort angekommen wartet sie bereits unten vor der Tür auf mich. Dieletzten Meter rannte ich in ihre Umarmung und fühlte wie sich meineAugen mit Tränen füllten. Eine Mischung aus Freude und Trauer. AuchNatalie's Augen waren etwas wässrig. Wir blieben einige Zeit untenstehen und sie hörte meinen Kummer an. Die Worte sprudelten nur soaus mir raus, die Tränen wurden weniger, dennoch sichtbar.

Goldener KäfigWhere stories live. Discover now