Getränke voller Asche, Menschen die ich hasse.

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Gelangweilt saßich in diesem Meeting und hatte keine Lust etwas bei zu tragen. Ichbeobachte die Vögel wie sie in Freiheit fliegen und nicht dienächsten Wochen planen müssen. Sie sitzen in keinem goldenen Käfigund müssen nach außen hin perfekt wirken. Sie sind einfach frei...


„Nicole, hast duzugehört?", schreit der eklige Idiot Markus. Ich hasse ihn undseine Art. Ich hasse diesen Knebelvertrag zwischen uns. Seit dreiJahren schon besteht der Vertrag und läuft in 6 Monaten aus. Es wardamals die falsche Entscheidung, ich konnte mich nicht so entfaltenwie ich es wollte, es musste alles radiotauglich sein. Hauptsacheeinen hohen Wert am Markt haben.


„Jaja, hab ich.Kann ich jetzt gehen?", frage ich genervt. Er nickt und gibt mireine Liste voller Adressen, die ich in den nächsten Tage besuchenmuss. Für was genau wird Susi erklären. Susi kümmert sich um alleswas Markus befehlt und achtet darauf dass ich es auch mache. Auch siehat die Schnauze voll von diesem Wixxer und zählt die Tage bis derVertrag nicht mehr läuft. Schnell wurde mein Auto mitWerbegeschenken vollgeladen und ich fuhr nach Hause.


Die Vorzüge desinternationalen Erfolges überwiegen und viele der geschenkten Sachenwaren wirklich super, aber was soll ich mit 8 verschiedene Nuanceneines Make-ups? Ach ja, genau – verlosen damit meine Instagramseiteweiterhin oft besucht wird. Fickt euch. Durch Markus und dem Vertraghabe ich in 4 Jahren nur ein Album aufgenommen, für mehr war nichtZeit. Ich wurde bzw werde immer noch von einem Termin zum anderengehetzt. Eine Fotoshoot für irgendeine Marke, ein Parfüm, eineFoundation oder irgendetwas was gerade Promo braucht.


In meinem eigenenHaus bin ich selten, wenn ich Glück habe vielleicht einmal im Monat.Wahre Freunde hab ich kaum, da blieb mir nur Natalie. Sie arbeitetmittlerweile bei einem Label hier in Deutschland und wir telefonierenoft, aber gesehen zuletzt vor einem Jahr. Traurig. Traurig was dieserscheiß Vertrag mit meinem Leben macht. Einsam und unglücklich imgoldenen Käfig. Immerhin gelang es Susi mir mehr Freizeiteinzuräumen und keine Termine im Ausland für 3 Monate. Das istLuxus für mich.


Ich checke meineMails und sehe ich soll morgen nach Berlin für einige Fotoshoots.Super, ich brauch keine Ruhe, lieber Vollidiot. Ich packte meineTasche, ging baden und danach schlafen. Den Weg nach Berlin fuhr ichmit meinem eigenen Sportwagen. Es war selten dass ich mein Traumwagenfuhr, denn zu oft saß ich in einem Flugzeug. Die Fahrt von 4 Stundenging schnell und entspannte mich total.


Dort angekommenerledigte ich alles was ich konnte, so schnell wie möglich. Mein Tagendete in einer Kneipe, etwas abseits von allem. Ich trank ein Bierund starrte auf die nächsten Aufgaben. Morgen früh in irgendeinidiotisches Frühstücksfernsehen um mein Album anzukündigen. Momentwas? Was für ein Album? Schnell schrieb ich Susi, die teilte mir mitdass ein weiteres Album geplant ist und in einem Monat erscheinensoll. Gut, dass ich davon nichts weiß... Als ich den Terminkalenderweiterlas, waren 4 Tage in einem Studio hier in Berlin geplant. DieTexte werden von irgendwelchen Ghostwriter geschrieben. Markusvertraute meinen Texte nicht, also lies er andere die Sachenschreiben, die sich gut verkaufen. Ich hasse es. Als ich anfing mitder Musik wollte ich auch Richtung Rock bleiben, oder etwas mehr inRichtung Rap. Aber niemals Pop. Versteht mich nicht falsch, Popmusikist gut und schön, aber das bin nicht ich. Ich bin nicht die blondeFrau die darüber singt, was für tolle Freunde und was für einperfektes Leben sie hat. Ich bin keine Helene Fischer die atemlosdurch die Nacht zieht und in glitzernen Outfits über die Bühnerennt. Aber das verkauft sich international sehr gut, also muss iches machen.


Ich zog meineKapuze meines Hoodies tiefer ins Gesicht und trank mein Bier leer.Die Kneipe war leer, so leer wie ich innerlich. Es war nur derBarkeeper und ich als die Tür aufging und irgendwelche Typen hineintraten. „Hey Jakob, wen hast du abgezogen für den Masarati vordeiner Tür? Das ist ein Gran Turismo! Dafür würde ich jemandentöten!", ruft einer mit deutlichen Berliner Dialekt lachend.

„Du und deineAutos, Nico. Können wir drei Bier haben?", sagt nun ein andererohne hörbaren Dialekt und steht neben mir. „Mach vier daraus, wenndie Dame möchtet."


Ich schaute ihnnicht an, aber ich wette er hat gezwinkert weil er sich für einengeilen Hengst hält. Schnell hole ich einen 10e Schein aus meinerTasche, bezahle mein Bier mit anständigem Trinkgeld, vielleicht auchweil ich keine weitere Sekunde in der Nähe von solchen Idiotenverbringen möchte, stehe auf und steige in meinen Wagen. Mein Zielwar das nächste Hotel das ich finde.


Maxim:


„Ich glaub, siewollte kein Bier.", lacht Tarek mich aus. Ich stand immer nochverdutzt an der Bar und komme nicht klar. Ein einfaches Nein hätteauch gereicht...

„Leute, ihrgehört der Masarati! Was auch immer sie macht, sie macht es richtig.Ich würde tö..."

„Jaja, tötenfür das Auto, wir wissen es Nico.", lacht Tarek.

„Wisst ihrüberhaupt wer das war?", fragt Jakob etwas verwundert mit großenAugen.

„Woher solltenwir wissen wer da sitzt? Zudem hatte sie ihre Kapuze auf.",antworte ich.

„Das war NicoleWhite. Ihr wisst schon, die die seit Jahren irgendwie überall ist.Ihre Lieder in den Charts nonstop, oder mal Gastauftritte in Serienoder Werbespots."

Tarek springtdirekt auf und schreit Nein, weil er es nicht glaubt. Wir waren alleFans von ihr. Zwar war ihre Musik in den letzten Jahren nichtwirklich unser Geschmack, aber betrunken sangen wir trotzdem ihreLieder. Ihre ältere, rockigere Lieder hören wir oft im Studio odervor Auftritten.

„Ich hätte einBild mit ihr machen können, meine Freundin wäre gestorben vorNeid!". Wir saßen zusammen und redeten noch über sie. Ich hätteeigentlich nicht gedacht, dass sie so arrogant ist...

Goldener KäfigWhere stories live. Discover now