20 cm

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"Dolores Jane Umbridge ersetzt Albus Dumbledore als Leiterin der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei."

"Jungs und Mädchen dürfen sich einander höchstens auf 20 cm nähern."

"Das ist schrecklich! Wir sind dem Untergang geweiht!", schon fast hysterisch läuft Hermine im Gemeinschaftsraum auf und ab. "Die kann mich mal mit ihren 20 cm!", demonstrativ werden meine Lippen von meinem angesäuerten Freund in Beschlag genommen. Grinsend und kopfschüttelnd kuschel ich mich danach wieder an seine Brust. Allerdings kann ich Mine sehr gut verstehen! Die pinke Kröte hat ein dutzend weiterer Regeln eingeführt und selbst die Bilder wurden alle abgenommen! Ich meine, die Bilder! Hogwarts ist nicht Hogwarts ohne die sich bewegenden Bilder, die manchmal etwas zu gesprächig sind! Vor allem, wenn es um nächtliche Aktionen geht, können die auf ein Mal ganz schön viel reden. Nicht, dass wir je auf dumme Ideen kommen würden.... Es ist eine schreckliche depressive Stimmung im Schloss eingefallen. Selbst das Wetter scheint nicht mehr froh zu werden.

Grinsend lasse ich mich von meinem Freund durch die Gänge des labyrinthartigen Schlosses ziehen. Es kommt mir wie gestern vor, als ich mich das erste Mal hier verlaufen habe, weil ich noch neu gewesen bin. "Wo gehen wir denn hin?", frage ich nachdem wir ein weiteres Mal abgebogen sind und uns nun im siebten Stock befinden. "Abwarten!", wir eilen den Gang hinunter und Fred öffnet eine unauffällige Tür, welche mir noch nie aufgefallen ist. Aber bei den dutzenden Räumlichkeiten Hogwarts, ist das wohl auch kein Wunder. Schnell betreten wir den Raum und die Tür schließt mit einem leisen Klicken. Neugierig sehe ich mich um. Der Raum ist abgedunkelt und nur das seichte, prasselnde Feuer im Kamin taucht den Raum in ein warmes Licht. Es enthüllt auch eine geräumige Couch und kleinen Tisch daneben. "Was ist das hier?", frage ich aus meinen Gedanken gerissen, als mich seine Arme umschlingen und seine Brust sich an meinen Rücken schmiegt. "Wie gesagt, die kann mich mal mit ihren 20 cm. Hier sind wir mal etwas ungestörter.", ich kann sein Lächeln quasi sehen, ohne mich dafür umdrehen zu müssen. Wir kuscheln uns auf die Couch. Ich liege vorne und Fred hinter mir, einen Arm über meinem Bauch. In einer angenehmen Stille sehen wir den kleine Funken beim fallen zu. "Wie hast du diesen Ort gefunden?", frage ich leise und streichel sanft über seinen Arm. "Naja, sagen wir, er ist mir im richtigen Moment erschienen...", meine Nackenhärchen stellen sich auf, als sein Atem sie beim sprechen trifft. Ich drehe mich auf den Rücken, sodass ich ihn ansehen kann. "Wir sind im siebten Stock... Das ist der Raum der Wünsche oder nicht? Es ist ungewohnt in so klein und leer zu sehen.", lächel ich. Als Antwort bekomme ich lediglich einen Kuss. Wir genießen noch etwas die Zweisamkeit, ehe wir uns durch den ein oder anderen Geheimgang zurück zum Gryffindorturm schleichen und das natürlich bevor die Sperrstunde beginnt. Ist ja klar.

Am nächsten Tag muss sich die Armee dann der Folter unterziehen. Oh, pardon! Ich meine natürlich erzieherischen Maßnahmen. Die großen Haustische der großen Halle sind Schülerpulten gewichen, an welchen wir mit diesen komischen Folterfedern Sätze schreiben müssen. Umbridge indessen sitzt vorne auf dem großen Stuhl des Direktors und schlürft ihren verdammten Tee. Und ja, ich weigere mich strikt dagegen, sie als Direktorin zu bezeichnen!

Schmerzerfülltes zischen und keuchen erfüllt den Saal. Wer hat diese dämlichen Dinger bitte erfunden?! Und dann wundern sich einige über sie Selbstmordrate durch ritzen. Ich würde ihr gerne dieses zufriedene Grinsen aus dem Gesicht wischen. Mit zusammengekniffenen Augen beobachte ich sie. Arrogant erwidert sie meinen Blick. Das bringt mich echt zum kochen! Zeit, Umbridge mal einen kleinen Schrecken einzujagen! Meine Augen fixieren sich zuerst auf die Teekanne neben ihr. Ich spüre das Wasser und wie es langsam anfängt heiß zu blubbern. Als er schließlich ein leises Zischen von sich gibt und die Frau Direktorin abgelenkt ist, konzentriere ich mich auf die Tasse in ihrer Hand. Kurz schreit sie erschrocken auf, als die Tasse sich schlagartig erhitzt durch das warme Wasser. Doch bevor sie sie wegstellen oder fallen lassen kann, ertönt das Geräusch von brechendem Porzellan und Umbridge findet sich in ihrem Hexentee gebadet wieder. Alle beginnen schallend zu lachen. Selbstzufrieden beobachte ich, wie sie rumschreit mit ihrer quitschigen Stimme. "Wer war das?! Derjenige wird dafür bezahlen!" Hach ja, die Meerjungfrauenkräfte haben ihre Wirkung gezeigt.

Nach einer weiteren Stunde voller kratzender Federn können wir den Saal endlich verlassen.  Davor wartet Cho. Sie ist dezent unten durch bei allen, auch wenn ich nicht glaube, dass sie uns freiwillig verraten hat. Sie versucht zwar mit Harry zu reden, aber mehr als einen kurzen Blick würdigt er ihr nicht. Ich folge ihm schnell raus auf die Brücke, ebenso wie Hermine und Ron. Über Hogwarts lastet eine dicke Nebelfront. Die höchsten Turmspitzen Hogwarts kann man schon gar nicht mehr erkennen.

Ich weiß genau, wie Harry sich fühlt. Er hat Angst um seine Freunde, ist wütend auf Umbridge und das Ministerium, aber am aller meisten auf sich selbst. Dafür, dass er seine Freunde dieser Frau ausgesetzt hat und mit ansehen muss, wie sie uns foltert ohne etwas dagegen tun zu können. Mir ergeht es da nicht anders... Harry scheint aber um einiges mehr durch den Wind zu sein als ich. Wobei ich auch dazu neige nicht immer allen zu zeigen, wie ich manchmal fühle. Vor allem jetzt! Alle haben genug Sorgen, da muss man ihnen nicht noch zusätzlich welche drauf laden. "Ihr habt getan, was ihr konntet. Gegen die alte Hexe kann keiner gewinnen.", versucht Ron meinen Bruder wieder aufzubauen. "Selbst Dumbledore hat es nicht kommen sehen. Leute, wenn überhaupt ist es unsere Schuld!", es mag zwar lieb von Mine gemeint sein, dass heißt aber nicht, dass Harry ihr da auch zustimmt. "Ja, wir haben euch ja überredet!", wahre Freunde erkennt man eben erst in den schlechtesten Zeiten. Aber Harrys Gegenfeuer lässt nicht lange auf sich warten: "Aber ich..." -  "Wir!", fahre ich ihm direkt in die Parade. Ich hasse es manchmal, wenn er den beschützerischen großen Bruder raus hängen lässt, auch wenn er es nur gut meint. Es sind doch nur ein paar Minuten! "Wir waren einverstanden! Ich... Wir wollten so dringend helfen und haben alles nur schlimmer gemacht! Egal, das spielt keine Rolle mehr! Ich will mit den Spielereien aufhören. Ihr hängt euch nur zu sehr rein und je mehr ihr euch rein hängt, desto mehr, habt ihr zu verlieren. Es ist vielleicht besser die Sache...." - "Was?", fragt Hermine durchaus etwas empört. Wer Harry kennt, weiß in etwa, was jetzt kommt. "Die Sache allein durchzustehen.", na bitte. Hab ich es nicht gesagt! "Harry James Potter! Unterstehe dich...", ich werde von einem Zischen unterbrochen. Unsere Blicke richten sich auf den Torbogen, welcher das Ende der Brücke markiert und hinter welchem Hagrid sich halb zu verstecken versucht. "Hagrid?", das kann nichts allzu gutes bedeuten....

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Ein neues Kapitel ist fertig! Es werden jetzt wieder öffter Updates kommen, da meine Prüfungen abgeschlossen sind und ich jetzt wieder fleißig am schreiben bin.

LG
Rubin137

Die Zwillinge und der Orden des PhönixWhere stories live. Discover now