3.14. Wie Kinder nun einmal sind

9 4 0

(Fortsetzung Kapitel 3.10.)

Die sieben Jungen haben ihren Mittagschlaf gehalten und spielen mit dem neuen Basketball auf dem Hof. Aboy, Phil und Dan kommen hinzu. Sofort bilden sich die gleichen Mannschaften wie zuvor. Die Fünf aus dem Dorf spielen gegen die drei Straßenjungen, die mit den zwei Brüdern eine Mannschaft bilden. Es gibt nur ein Basketballnetz. Es dauert nicht lange und die fünf Freunde werfen fünfzehn Körbe und gewinnen. Sie sind das eingespieltere Team.

Nun sitzen die zehn Knaben atemlos und schwitzend auf den Betonklötzen.
"Sam, was hast Du der Dicken Samstag erzählt?", fragt Aboy, nachdem sie wieder zu Atem gekommen sind und wischt sich den Schweiß von Gesicht und Stirn mit der Vorderseite seines T-Shirts ab.
Sam ist von der Frage überrascht und stottert: "Wa..., was?"
Phil schaut Sam finster an: "Du hast der Dicken erzählt, dass wir mit unseren Dingern gespielt haben, als Du mit Ihr alleine gequatscht hast. Dabei hat die doch immer laut laut "Oh, my gosh" gerufen."
Mit spitzbübischer Miene erklärt Dan: "Oh my gosch, oh my gosch, hat sie gerufen. Wir haben nämlich an der Tür gelauscht" und nickt nachdrücklich langsam.
Aboy fügt hinzu: "Deshalb haben uns die zwei Dicken zu sich gerufen und in die Mangel genommen, weil Du das erzählt hast. Aber wir haben denen auch erzählt, dass Du unter der Decke Dein Teil schnell gerubbelt hast."
Dan lacht und wiederholt: "Gerubbelt hast."
Auch der Anführer der Straßenjungen Dodung, lacht: "Aha, Sam ist also so weit." Er verballhornt das Wort 'Exercise', lacht in Richtung Sam und sagt: "Täglich Sexercise? Hahaha!"
Sam ist die Unterhaltung unangenehm: "Na und, habe das Equipment gecheckt. Aber Aboy, Phil und Dan haben ja gerufen, wer hat den Größten? Ihr hattet einen Contest."
Dodung grinst in Richtung Aboy, Dan und Phil: "Und, wer hat nun den Größten?"
"Aboy", lacht Dan.
"Sam", ruft Phil.
"Der hat ja gar nicht mitgemacht. Sam zählt nicht!", ruft Aboy empört.
Phil nickt nun und grinst verschmitzt.
"Ihr seid alle doof!", mischt sich Jan ein. Er blickt düster zu Sam: "Sam, das hättest Du der Dicken nicht erzählen müssen."
"Ich wollte ja nicht", erwidert Sam jetzt traurig.
"Aber warum hast Du es dann erzählt?", will Phil wissen.
"Na ja", schluchzt Sam, spricht aber nicht weiter.
" Na ja, was?", fordert Jan. Sein kleiner Bruder Dan plappert nach: " Na ja, was?"
"Ach..., nein, ich...", stottert und schluchzt Sam, "die Dickte hat gesagt, ich soll die Wahrheit sagen, wenn nicht, bleiben wir bis zu unserem 18. Geburtstag im BSWD." Sam ist nahe, in Tränen auszubrechen. Alle neun Jungen schweigen und blicken auf Sam. Der holt Luft und sagt schnell beim Ausatmen: "Ich darf das niemals jemandem erzählen, hat Ma'am mir gesagt, sonst bis 18."
Sam wirkt nun, scheinbar, da die Sache raus ist, erleichtert.

Die Jungen müssen das Gehörte zuerst einmal verarbeiten. Sie blicken sich nicht an, sondern zu Boden, in den Himmel oder sonst wo hin.

Dodung ist der erste, der Worte findet: "Mann, glaubt der nicht, die Dicke blufft. Ich und die zwei Looser neben mir (er meint seine Leidensgenossen Necko und Bernie), wir haben schon viel mit dem BSWD erlebt. Wir gehen rein und wieder raus, rein - raus, rein - raus, rein - raus,.rein - raus."
"Ist gut jetzt", stoppt ihn genervt Jan und wiederholt resigniert "Bis 18!"
"Mann", beginnt wieder Dodung, "die wollen Euch Angst machen. Ihr sollt das sagen, was die zwei Dicken gerne hören wollen, klar? Die wollen Euren großen Kumpel fertig machen. Wie heißt der noch mal?"
Aboy antwortet laut: "Tommy!"
Dodungs zwei Leidensgenossen nicken während Dodungs Rede heftig. Die zwei Brüder sitzen teilnahmlos und gedankenverloren etwas abseits. Sie verstehen nicht, worüber gerade geredet wird. Dodung redet sich in Rage. Die Fünf aus dem Dorf hören mit großen Augen zu: "Ja, der große Tommy, hat der gesagt, Ihr sollt Euch einen rubbeln? Hat der zugeguckt? Solche Typen gibt es. Habe ich Euch schon mal erzählt. Gar nicht lange her, war gestern. Perverse Typen. Wenn Dein Zuhause die Straße ist, erlebst Du viel. Wir Straßenaffen gehen nicht zur Polizei, wenn so etwas passiert. Manche unserer Freunde haben wir nie wieder gesehen, nachdem sie zur Polizei sind."
"Tommy ist so einer nicht", unterbricht ärgerlich Aboy Dodung.
Auch Phil ist aufgebracht: "Tommy ist nett. Der hilft uns!" Jan, Dan und Sam nicken.
Jan sagt: "Tommy hat uns nix Böses getan!"
"Aber ich verstehe das nicht! Uns Klebstoffschnüfflern, uns Rugbyboys behandelt man schlimmer als Hunde. Wir werden geprügelt, vergewaltigt, erschossen, in den Dreck getreten. Ihr seht ja, die Scheißtypen vom Fernsehen wollen nix von uns wissen und bei Euch? Bei Euch machen die wegen ein bisschen Dummheiten im Hotel so eine riesen Geschichte daraus. Seit Ihr hier seid, gibt es tolles Frühstück und alle sind plötzlich scheißfreundlich. Ich frage mich warum?"
Dodung steht seit einiger Zeit und gestikuliert bei seiner Ansprache wild mit allen Gliedmaßen. Seine beiden Kumpanen schluchzen und weinen fast. Der intelligente, kurzgeschorene, dürre, hochgeschossene 13-jährige Lulatsch mit den Second-Hand-Klamotten, die ihm mindestens zwei Nummern zu groß sind, mustert scharf die Fünf aus dem Dorf: "Na, klickt es im Köpfchen, Ihr Süßen?"
Die fünf Freunde schütteln verdutzt die Köpfe. Das war gerade alles etwas zu viel.
Dodung will soeben seine Frage selbst beantworten, da kommt ihm Jan zuvor: "Weil, weil, weil, der Tommy, weil der Tommy ein Ausländer ist?"
"Wow!", antwortet Dodung ehrlich beeindruckt. "Schlaues Bürschen."

Schweigen!

Nach etwas mehr als einer Minute, fragt Aboy traurig: "Und was ist mit den 18 Jahren?"
"Lasst Euch nicht bluffen, Ihr Helden. Ich rate Euch, Klappe halten! Nix mehr zu den Dicken, dem Fernsehen oder der Polizei sagen."
"Das sagst Du so einfach", seufzt Aboy.
"Es ist doch nix passiert im Hotel? Zwischen Euch und Tommy? Jetzt mal die Wahrheit!"
"Nein, nein!", kommt es von den Fünf im Chor.
"Gut, gut!', ich glaube Euch ja."

In diesem Moment tritt die immer gut gelaunte Ma'am Burque aus dem Gebäude und zu den Jungen: "Was ist denn mit Euch los? Habt Ihr Euch gestritten?"
Dan springt auf und wirft sich Ma'am Burque an den Hals: "Ma'am, Ma'am, müssen wir, bis wir 18 sind, hierbleiben?"
Ma'am Burque streicht Dan liebevoll über das dichte schwarze Haar: "Wer hat Dir denn solchen Quatsch erzählt, Dan?"
"Niemand, Ma'am! Keiner, Ma'am!", antwortet die Jungengruppe schnell für Dan.

Copyright © by NOKBEW™

REISE INS VERDERBEN - Copyright by NOKBEWLies diese Geschichte KOSTENLOS!