20. „Schwärm schwärm und noch mehr schwärm."

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"Ich bring sie um!", rief ich aufgebracht und rauschte in mein Zimmer, ehe ich das Blatt, was mir von einer Eule zugesteckt wurde, in den Mülleimer schmiss, wo es auf ewig versauern konnte. "Ich bring sie um!"

Ich wollte grade ins Bad rasen, als sich Remus vor mir aufbaute, seine Hände beruhigend an meine Schultern legte und mir eine Strähne hinters Ohr strich.

"Was hat sie jetzt wieder geschrieben...", fragte er mich leise und beugte sich runter zum Mülleimer.

Remus warf einen kritischen Blick auf das zerknüllte Papier in seiner Hand und schmunzelte dann leicht.

"Nummer-Im-Wald-Gryffindor und "wie hieß der da nochmal?"-Typ gesichtet wie sie den Krankenflügel verließen-zusammen. Ist da etwa ein Liebesproblemchen der Auslöser? Und ist June nicht eigentlich mit Sirius Black zusammen? Fragen über Fragen, aber eine stellt sich mir besonders: Wenn man schon jeden von der Schule haben kann, warum ihn?!"

Ich sah Moons mit großen Augen an.

Wie konnte das er denn so gelassen nehmen?

Er wurde so runter gemacht und alles was er tat, war darüber zu lachen?!

"Aber...?"

"Hör zu, du musst mich nicht verteidigen. Wir wissen doch beide besser, wie es ist. Tatsächlich hat sie damit sogar ein Stück weit Recht...", lachte er leise und warf den Schrott zurück wo er hingehörte.

"Dieses schiefe Grinsen...", murmelte ich abwesend. "Ich hasse es."

"Was, wieso denn das?", wollte er etwas irritiert wissen.

"Weil es so verdammt gut aussieht, maaaan... ", jammerte ich und schlug leicht gegen seine Brust.

Erneut zogen sich seine Mundwinkel hoch, als ich ihn an seiner gelockerten Krawatte zu mir runterzog.

"Wie geht's dir mit dem Vollmond?", fragte er kurz darauf und löste sich von mir, was ich mit einem leichten Schmollen quittierte.

"Mir geht's super. Wirklich. Ich hab ja auch noch 2 Tage...", murmelte ich und zog ihn wieder zu mir, doch auch diesen Kuss löste er schon nach einer einzigen Sekunde auf. "Mensch, Remus, was ist denn?!"

"Können wir uns nicht einmal unterhalten, wenn wir nicht nur Milimeter von aneinander entfernt sind?"

"Pfff", machte ich beleidigt und nahm demonstrativ Abstand.

Wenn er weniger Nähe wollte, konnte er das von mir aus gerne haben.

"Bitte schnapp jetzt nicht wieder ein...", stöhnte er genervt. "Wieso bist du in letzter Zeit nur so unfassbar anstrengend?"

"Vielleicht weil du einfach ein schlechter Freund bist?!"

"Ich gebe mein bestes, okay?! Du bist nur so... Nervig ..."

"Aha?!", machte ich und verschränkte bockig die Arme. "Und wieso sind wir dann überhaupt noch miteinander zusammen?!"

Remus verlor deutlich an Anspannung und Verärgerung, streckte eine Hand aus und fuhr mit seinen Fingerkuppen über die Wange.

"Was soll ich denn ohne das ganze Drama machen?", fragte er schmunzelnd und strich eine dunkelblonde Strähne hinter mein Ohr.

Mein Ärger verflog bei dieser einzigen Berührung ohne umschweife.

"Du bist kacke...", murrte ich beleidigt, da er es schonwieder geschafft hatte, mich komplett auf die Palme zu bringen und mich anschließend wieder runterzuholen.

"So oft wie ihr euch streitet, würde ich euch einen Therapeuten empfehlen...", unterbrach James diesen intimen Moment.

"James!", rief ich erschrocken und löste mich automatisch von Remus. "Wie lang bist du schon hier?!"

"Die ganze Zeit. Ich bin unsichtbar."

"Du bist nicht unsichtbar.'

"Wenn man sich lang genug nicht bewegt, wird man unsichtbar."

"Du bist nicht unsichtbar!"

Remus lachte leise und zog einen Stuhl beiseite, auf den er sich fallen ließ.

"Ich liebe meine Freunde..."

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"Wir treffen uns heute Abend für Verwandlung", bestimmte Remus, als wir aus der großen Halle schlenderten.

Ich nickte widerwillig und blieb dann stehen.

"Nein."

"Wie bitte?"

"Nein, wir treffen uns nicht!", sagte ich standhaft und mein Magen zog sich ekelhaft zusammen in dem Gefühl, etwas fürchterlich falsch zu machen. "Ich hab keine Lust."

Remus starrte mich einen Moment an, dann grinste er über das ganze Gesicht - was bei ihm wirklich selten war - und kam ein Stückchen auf mich zu.

"Du hast es geschafft!", rief er leise und aufgeregt.

Ich hatte die letzten Tage immer wieder versucht, seinen ungewollten Befehlen zu mishorchen, doch geklappt hatte es noch nie.

Noch nie bis jetzt.

"Ich bin stolz auf dich, Wölfchen!"

Ich grinste breit, auch wen das Gefühl noch nicht wirklich verschwunden war.

Vielleicht konnten wir nun auch mal eine normale Beziehung führen, so weit die als Werwolf "normal" sein konnte.

Aber wahrscheinlich besser als mit einem Zauberer ohne dieses haarigen Problems.

Remus verstand mich einfach auf eine Art, in der mich Niemand sonst verstand- noch nicht mal Helena.

Auch wenn wir uns oft streiteten- und uns danach sofort wieder in den Armen lagen- passten wir einfach zusammen.

Es stimmte einfach.

-Missetat begangen--

Ende

---759 Worte---


Mr. Fear | RumtreiberWo Geschichten leben. Entdecke jetzt