*23. Meine rebellische Seite*

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Wo ist mein verdammter Schlafsack!« Kathrines kreischen hallte mir in den Ohren nach. Die Garage war vollgestopft und die Regale gingen bis zur Decke. Ich war mir nicht sicher, wie viel davon eigentlich noch als Gegenstand bezeichnet werden konnte und wann es eher als Müll galt. Ich entdeckte einen Plattenspieler auf einem der Regale, darauf lagen mehrere Stapel von nicht identifizierbaren Magazinen.

Hier müsste mal dringend jemand aufräumen. Ich zog die Nase hoch und Kathrine, die mit der Stirn an einer Wand gelehnt stand, klopfte mit ihrem Kopf vorsichtig dagegen. Ich sah ihr dabei zu, wie sie erst ein Mal dagegen schlug, dann ein zweites Mal und als sie zum dritten Mal ausholte, entschied sie sich doch des besseren und drehte ich stattdessen wieder zu mir um.

Wie vom Blitz getroffen wandert sie ans andere Ende der Garage. Ich folgte ihr mit den Augen und pulte ein wenig Dreck von der Ladefläche des Chevrolets, auf der ich saß.

Kathrine behauptete, sie sei die Einzige aus der gesamten Gruppe, die ihrem Vater wenigstens erzählte, dass sie mit ihren Freunden wegfuhr.

Wenn sie nicht Bescheid geben würde, wäre ihr Vater wohl verwundert, wohin seine Tochter – wohl bemerkt ohne Führerschein – mit dem alten Pick-Up hingefahren wäre. Oder noch schlimmer: Er würde die Polizei anrufen und den Wagen als gestohlen melden und seine Tochter vermutlich auch noch als vermisst anzeigen.

Aus dem alten Radio des Wagens dröhnten die ersten Akkorde eines alten Rocksongs, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnerte. Ich sah von meinen Händen auf um nachzusehen, ob Kathrine irgendeinen Erfolg erzielt hatte.

Sie leerte grade einen Karton aus. Die Dinge, die sie achtlos hinter sich warf, landeten verstreut in der ganzen Garage. Eine Plüsch-Ente segelte zu mir herüber, schaffte es allerdings doch nicht auf die Ladefläche.

Im Gegensatz zu der verrückt gewordenen Kreatur, die sich ein neues Opfer zum ausleeren suchte, hatte ich meine Sachen schon gestern gepackt. Ich war viel zu nervös und aufgeregt gewesen, um mir damit Zeit zu lassen. Mein Blick wanderte durch das Chaos und bis er an einem Sack aus Mikrofasern hängen blieb.

Ich räusperte mich. »Kath?«

»Was?«, fauchte sie wütend und machte sich an ein Regal zu schaffen.

»Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist dunkelblau.«

»Sehr witzig, Cynthia, aber – « Sie unterbrach sich, wirbelte herum und gestikulierte wild mit den Armen. »Wo?«, war das einzige, was ich am Ende verstand. Ich sprang von der Ladefläche, zog einen der Klappstühle ran und angelte den Schlafsack vom obersten Regal.

Bombardiert mit Dankeschöns nahm Kath den Sack entgegen und warf ihn dann achtlos auf die Ladefläche. Mit einem dumpfen Geräusch landete er in der Nähe meines Rucksackes. Den Schlafsack, in dem ich übers Wochenende schlafen sollte, würde Jay für mich besorgen. Selbst wenn meine Eltern einen hätten, wäre es zu auffällig gewesen, wenn ich mein Zuhause damit verlassen würde.

Kathrine sah sich noch mal prüfend um, wischte sie die Hände an der Jeans ab und kletterte auf die Ladefläche. Oben angekommen, schob sie ihren Schlafsack mit dem Fuß zu unserem Zelt und ihrem Rucksack. Dann drehte sie sich zu mir um und blickte auf mich herab.

»Gut, wir machen das jetzt so – « Sie zog das so in die Länge und seufzte anschließend. Sie schien zu überlegen, dann wies sie mit dem Finger auf die Klappstühle hinter mir. »Du reichst sie mir hoch und ich spiele Tetris mit unserem Gepäck?«

»Du bist der Chef«, entgegnete ich darauf und zog den ersten Stuhl zum Pickup. Im Endeffekt bestand mein Job lediglich darauf, sie Sachen in Kathrines Reichweite zu bringen, die Stühle musste ich nicht einmal anheben. Ich zog sie einfach hinter mir her und stellte sie am Wagen wieder ab. Mit Leichtigkeit hob Kath sie an und zog sie zu sich hoch.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!