1. Flucht

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1. Flucht

Mit einem Klappern fiel wieder einmal die Tür ins Schloss. Dann hörte man eilige, aber leise Schritte auf der Treppe und wie sich die Haustür öffnete und wieder zu fiel.

Emily drehte sich auf ihrer Matratze um und zog sich die dünne Decke über den Kopf. Es war einer von unzähligen Streits, die sie mit ihrem Bruder Harry über die Ferien hinweg gehabt hatte. Sie konnte sich noch nicht mal an den Grund erinnern, wie so oft. Und wie so oft hatte Harry es nicht mehr hier ausgehalten und war irgendwo nach draußen geflüchtet. Emily hatte keine Ahnung wo hin, bislang hatte sie das Haus von Tante Petunia und Onkel Vernon noch nicht verlassen.

Es ärgerte sie, dass sie sich so oft stritten, aber irgendwie wunderte es sie auch nicht. Seit Beginn der Ferien wohnten sie wie immer zusammen in Dudleys altem Zimmer, in das man einfach nur eine Matratze für Emily gelegt hatte und das viel zu klein und beengt war für zwei Leute. Es gab keine Möglichkeit sich aus dem Weg zu gehen.

Dann hatte Harry nachts oft genug mit Albträumen zu kämpfen, die ihn tagsüber müde, gereizt und wütend machten. Als Emily ihn das erste Mal darauf angesprochen hatte, kam es zum ersten großen Streit zwischen den beiden. Danach hatte sie es gelassen.

Emily verschlief die meiste Zeit, ihre Medikamente gegen die Nachwirkungen des Giftes machten sie ständig müde und erschöpft. Ihr ging es fürchterlich auf den Keks, dass sie so ans Bett gefesselt war, dass ihr Körper nicht so wollte, wie sie. Es machte sie genauso gereizt wie Harry.

Hinzu kam, dass dies der heißeste Sommer war, an den Emily sich erinnern konnte und es war einfach nur stickig und warm in dem kleinen Zimmer, so dass Emily es Harry noch nicht mal groß verübeln konnte, dass er andauernd nach draußen floh.

Weil ihr nun viel zu langweilig war, sie aber zu müde war um sich groß zu bewegen, zog sie aus ihrem Koffer ihren Skizzenblock hervor. Sie hatte diesen Sommer schon so viel gemalt, dass der Block bald voll war. Aber nachdem sie schon ihre ganzen Hausaufgaben erledigt hatte, die Schulbücher durchgelesen und alle Briefe ihrer Freunde, die aber auch nicht viel sagten, blieb ihr nicht viel anderes übrig um sich zu beschäftigen.

Wenigstens war Dudley auch außer Haus und konnte Emily nicht ärgern. Ihr Cousin hatte mittlerweile den drei- bis vierfachen Umfang von ihr und hatte gedacht er könnte sie ärgern. Doch Emily hatte ihm ein blaues Auge verpasst und ihn beinahe verhext, so dass er sie in Ruhe ließ. Allerdings hatten sie lauter blaue Flecken auf ihren Rippen und hatte danach die nächsten drei Tage verschlafen. Jetzt terrorisierte Dudley nur noch die Nachbarskinder.

Irgendwann dämmerte Emily weg und als sie wieder aufwachte, hatte sich der Himmel zugezogen und selbst in dem kleinen Zimmer war es empfindlich kühl geworden. Gähnend tapste Emily zum Fenster, kurz wunderte sie sich, dass Harry noch nicht zurück war und wollte es zumachen.

Doch ein Zittern überlief ihren Körper, eins das nichts mit der plötzlichen Kälte zu tun hatte. Sie sah hinauf zum Himmel und erschrak. Statt der Sterne und des Mondes war dort nichts außer einer ewigen Schwärze zu erkennen. Auch hörte sie nichts, sonst war der Ligusterweg an solchen Sommerabenden noch voller Leute gewesen.

Hastig schmiss sie das Fenster zu und nahm ihren Zauberstab vom Bett, setzte die verhasste Brille auf (ihre Augen waren im letzten Jahr nicht besser geworden, aber das kam davon wenn man die Brille nie trug) dann verließ sie so leise wie möglich das Haus. Irgendetwas stimmte nicht und Emily hatte so die leise Vermutung, dass keine natürlichen Ursachen dahinter steckten.

Von Harry spürte sie auch nichts, aber dadurch dass sie so oft meditierte und ihren Geist leerte, hatte sie schon lange nichts mehr gespürt.

Emily wandte sich in Richtung Magnolienweg, ohne Schuhe und nur mit Latzhose (die Dudley während der Grundschule gehört hatte) und Tshirt bekleidet, so dass sie immer mehr fror. Es wurde vor allem auch immer kälter und dunkler je weiter sie den Magnolienweg entlang schritt. Sie wusste, dass am Ende ein Spielplatz lag, aber weiter kannte sie sich hier nicht aus.

Anathema - III -  Harry Potter FanfictionLies diese Geschichte KOSTENLOS!