Kapitel 12

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Er guckt mich unsicher durch den Spiegel an und ich merke schon, dass er am liebsten die Frage verneinen will, doch ich komme ihm zuvor: „Es gibt so viel, was ich in dir sehe. Ich sehe einen starken jungen Mann, der das Herz am rechten Fleck trägt, dann ist da aber auch noch deine verletzliche Seite, die du immer verstecken willst, aus Angst. Ich sehe die Maske, die du trägst, um dich zu schützen und doch blicke ich auch hin und wieder hinter diese Maske, wo eine reine Seele ruht. Du bist der Mensch, der mein Herz erwärmt, den ich liebe und immer lieben werde. Du bist geduldig und würdest Jahre warten,bis du die Wahrheit von einem Menschen erfährst, denn lieber wartest du, als das du deinen Gegenüber zwingst zu reden. Du bist ein Sonnenstrahl in der tiefen Dunkelheit, der Mensch, der mich immer wieder rettet. Du bist es, den ich eines Tages für immer an meiner Seite haben möchte und den ich als meinen Lebenspartner vorstellen möchte. Du, Seokjin, bist mein Seelenverwandter." Bei jedem meiner Worte bin ich ihm etwas näher gekommen und nun greift meine Hand nach seiner. Ich liege sie auf meine Brust und er spürt meinen rasenden Herzschlag. „Du bist es, der meine Angst verschwinden lässt. Du bist es, der mein Herz so schlagen lässt. Es ist nicht dein Auftreten auf der Bühne oder anderen öffentlichen Sachen, wo du als Jin auftrittst. Nein, es sind die Momente, wo wir alleine sind, wo Seokjin bei mir ist, diese Momente sind es, die meine Liebe zu dir nur noch mehr stärken. Ich könnte dir noch viel, viel mehr aufzählen und doch wird es dir alles nicht gerecht werden." Erblickt mich mit Tränen in den Augen an und doch kommt kein Wort von ihm. Ich weiß, dass ihm die Worte viel bedeuten, gerade weil viele Fans ihn im Moment mehr fertig machen als unterstützen. Nicht nur er hat die Kommentare gelesen, auch jeder der Jungs und ich ebenfalls.Natürlich ist das Leben als Idol nicht leicht, es gibt Hater und Neider, doch das, was Seokjin gerade erlebt, das wünscht man niemandem. „Du bist einfach wunderbar. Du hast das Herz am rechten Fleck", ertönt da eine Stimme neben uns und wir drehen uns um.Dort im Türrahmen stehen alle Jungs und man sieht auch bei ihnen die Tränen in den Augen. „Du bist unser Anker, auch wenn es sich für dich im Moment nicht so anfühlt. Du bist viel mehr, als manche Menschen in dir sehen", wispert Jeongguk leise und geht auf Seokjin zu. Seine Augen sind gefüllt mit Tränen und er schließt den Älteren in die Arme. „Du bist doch mein Hyung." Seokjin überlegt nicht lange und erwidert die Umarmung sofort. Er streicht Jeongguk beruhigend über den Rücken und versucht ihm so Ruhe und Kraft zu spenden. Kurz darauf treten auch die anderen Member zu ihm und so entsteht ein Haufen voller liebenden Menschen, ehe ich mich versehe,bin auch ich in diesem Haufen.

Ich weiß nicht, wie lange wir so da stehen und doch beruhigen sich alle nach und nach. Der erste, der sich von uns löst, ist Namjoon. Ein Räuspern ertönt und kurz darauf erklingt seine Stimme mit den Worten: „Lasst uns zum Bett gehen, dann können wir in Ruhe reden,was wir machen." Nach und nach lösen sich alle aus dem Knäuel und folgen Namjoon, so das nur noch Seokjin, Jeongguk und ich zurückbleiben. „Kookie? Wir schaffen es", murmelt Seokjin und der Jüngere löst sich langsam von ihm. „Du wirst aber bei uns bleiben, oder?" Diese Worte erweichen mein Herz, denn ich weiß,dass Seokjin die Frage nie verneinen würde, eher würde er in der Band weiter kaputt gehen, als sie zu verlassen. So auch dieses Mal,denn Seokjin bejahrt die Frage, ohne darüber nachzudenken. Zufrieden mit der Antwort schnappt sich Jeongguk Seokjin's Hand und geht mit ihm zu den anderen. Sie sitzen bereits in dem Apartment verteilt und warten nur auf uns. Doch, wenn ich ehrlich sein soll, ich fühle mich Fehl am Platz. Hier geht es um ihre Band und nicht um mich. So verlasse ich still und heimlich das Zimmer. Für mich erscheint es im Moment das beste zu sein.

Draußen hole ich erst mal tief Luft und gehe dann weiter in Richtung Lobby.Ich brauche einfach gerade etwas Zeit für mich, zum Nachdenken.Außerdem muss ich mir langsam mal Gedanken darüber machen, was ich mit meinem Job mache. Als wenn mein Chef wüsste, dass ich in diesem Moment an die Arbeit denke, klingt mein Handy und ich sehe seinen Namen dort stehen. Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich seufze und gehe an mein Handy. Ohne das eine Begrüßung oder ähnliches erklingt, höre ich ihn auch schon sagen: „Min Haru, was ist Ihre Erklärung dafür, dass Sie einfach so verschwunden sind? Was ist mit Ihrer Arbeit? Natürlich hat die werte Dame besseres zu tun. Sie wissen hoffentlich, dass Sie bereits eine Verwarnung hatten. Das ist Ihr zweites Vergehen und Ihnen sollte die Konsequenz bewusst sein."Stumm verfolge ich seine Worte, während ich mich aus dem Hotel begeben habe. Es ist vielleicht keine gute Idee, alleine in einer fremden Stadt unterwegs zu sein, aber es ist immer noch besser, als vor anderen, vor fremden, Menschen in Tränen auszubrechen. „Ich habe Ihnen beim letzten Mal schon gesagt, ein weiteres Vergehen und Sie werden entlassen. Nun schicken Sie aber schon ihre Freundinnen vor, damit diese mir erklären, dass Sie einen familiären Notfall haben. Das soll ich Ihnen Glauben? Gerade wo es anstrengend wird,verschwinden sie wieder spurlos. Miss Min, das war es dieses Mal. Ich dulde Ihre Anwesenheit in meiner Abteilung nicht länger. Hiermit sind sie fristlos gekündigt. Auf Wiederhören." Bevor ich eine Chance haben, meinem Chef, wobei nun ist er ja mein Ex-Chef, die Lage zu erklären, legt er auf. Ich schlucke leicht und meinen Tränen fließen. Dieser Job war alles in meinem Leben, neben meiner Familie.Ich brauche ihn, um meine Reisen zu finanzieren. Doch nun, wo ich arbeitslos bin, werde ich mir die Reisen nicht mehr leisten können.Wie soll ich das nur Seokjin erklären? Es wird alles nur noch komplizierter für uns machen. Es muss doch eine Lösung für das ganze Problem geben. Und selbst, wenn die Lösung noch so schwer zu finden ist, ich werde nicht aufgeben, nicht jetzt.

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