1. Morgel und die Gemeinschaft am Komstkochsteich

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Ein kühler Frühsommermorgen. Nebelschleier ziehen über den Teich. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den dichten Wald und zeichnen drollige Figuren auf das Wasser. Es riecht nach modrigem, nassen Holz. Die Vöglein zwitschern munter durcheinander und die Frösche quaken so laut, dass sie bereits aus weiter Ferne zu hören sind.

Plötzlich ist ein lustiges Pfeifen zu hören. Es wird immer lauter. Ein kleines Männlein mit spitzem Hut kommt aus dem dichten Wald daher gelaufen und ist auf dem Weg zum Ufer des Teiches. Es möchte sich dort, wie jeden Morgen, waschen und die Zähne putzen. Das Pfeifen wird gelegentlich durch ein Grummeln und Aua unterbrochen. Immer dann, wenn es barfüßig auf einen trockenen Ast oder einen Kuhmutschen tritt.
Es ist ein Waldkobold und er heißt Munk Orgu-Telas. Es lebt hier schon seit vielen hundert Jahren in der Nähe der Hohen Wurzel.

Gut gelaunt am Teich angekommen, ist ein Krachen, Stöhnen und Gluckern zu hören. Munk ist am Ufer auf dem feuchten Matsch ausgerutscht und an der schmalen Uferböschung in den Teich geplatscht. Nur der große spitze Hut schaut noch aus dem Wasser. Pitsch nass und von oben bis unten mit Schlamm bedeckt, schimpft er laut: »Autsch mein Po! ... Eyers-Maners-duers, ist das glatt hier. So ein Schlamassel. Bäh!«

Vor lauter Lachen wälzt sich am Ufer ein kleines Rehkitz umher.
»Was gibt es denn zu lachen? Pass nur auf, dass ich dir nicht ... ach was soll es, das ist ja sicher urst komisch, mich hier so belämmert zu sehen. Wer bist du?«, fragt der Kobold das Kitz. »Wie heißt du? Bist du neu hier? Ich habe dich hier noch nie gesehen.«
»Was? Wer? Ich? Meinst du mich?«, fragt das Kitz verwundert zurück. »Ich weiß nicht. Was meinst du damit: Wie heißt du?«
»Ob du einen Namen hast, möchte ich wissen«, antwortet der Waldkobold. »Mein Name ist Orgu-Telas, Munk Orgu-Telas!«
Das Kitz verdreht die Augen: »Echt? Munkor ... was? Das kann man ja gar nicht aussprechen. Meine Mutti nennt mich immer Rehkitz.«
»Wie einfallsreich«, schmunzelt Munk und fängt an, sich die Zähne zu putzen. Nach einiger Zeit fragt er: »Dann heißt deine Mutti wohl Rehricke?«
»Nein, Mutti heißt Gertrud«, erwidert das Kitz.
»Du bist ja drollig. Wo kommst du noch mal her?«
»Och, keine Ahnung. Wir sind schon sehr weit gelaufen. Tag ein, Tag aus. Mir tun schon richtig die Beine weh. Mutti sagt immer, wir müssen für uns ein sicheres Plätzchen suchen. Was auch immer das bedeuten soll«, antwortet das Rehkitz.
»Ganz einfach, das bedeutet, dass sich deine Mutter Sorgen macht und dich sicher aufwachsen sehen will.«
»Ist das was Gutes?«, möchte das Kitz wissen.
Der Kobold nimmt einen großen Schluck Wasser in den Mund, gurgelt laut vor sich hin und spukt alles im hohen Bogen in den Teich. »Klar doch. Das möchte doch jeder«, antwortet er. »Fertig! Nun will ich noch eine Runde schwimmen.«

Das Rehkitz schaut ihm erleichtert nach und wartet, bis der Kobold wieder an ihm vorüber schwimmt: »Wo sind wir hier eigentlich?«
»Am Komstkochsteich. Der kleine Bach heißt Badewasser.«
»Badewasser? Weil du darin badest?«, feigst das Kitz.
»Pipifax! Was weiß ich«, gluckert Munk dahin, denn beim Schwimmen schwappt ihm immer das Wasser in den Mund. »Du kannst einem aber auch richtige Löcher in den Bauch fragen. Gut nun!«

Nach einiger Zeit meldet sich das Rehkitz wieder zu Wort: »Also, jetzt sage ich dir mal was. Du brauchst einen Namen, den ich mir auch merken kann.«
»He?«, fragt der Kobold erstaunt. »Wieso? Ich war die letzten tausend Jahre ganz zufrieden mit meinem Namen.«
»Oh doch! Lass mich mal überlegen ... Mu-or-te ... oder Morg-ut ... vielleicht Morgel. Jawohl, das ist es! Ich nenne dich in Zukunft Morgel. Passt ja auch irgendwie zu dir, du siehst nämlich aus wie einer«, bestimmt das Kitz.
»Morgel? ... Nun ja ... ich weiß nicht ... meinst Du?«, erwidert fragend der Kobold und steigt pitschnass aus dem Wasser, nimmt sein Handtuch zur Hand und fängt an, sich abzutrocknen. »Na gut, nenne mich wie du willst, sonst gibst du ja eh keine Ruhe. Du darfst mich also von nun an Morgel nennen.«

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