[03.06.2011 - F03 - Untypisch]

9 3 0

Die Firma war nie verlassen. Allerhöchstens in den frühen Morgenstunden. Immerhin war die Nacht ein willkommener Komplize für einige ihrer Jobs. Nein, die Tageszeit beeinflusste wenig, wie leer oder voll das Gebäude von Forrester Security Inc. war. Viel eher beeinflusste die Auftragslage, wie vielen Kollegen Pakhet auf den Fluren über den Weg lief. An diesem Abend war es ruhig.

Sie hatte wieder mit Spider und Murphy trainiert. Mit Spider, Murphy und Crash, den Smith vorerst unter ihrer Aufsicht gelassen hatte.

Sie war noch nicht gänzlich sicher, was sie von ihm denken sollte. Er schien in Ordnung, aber schweigsam.

Mit den anderen beiden war es dasselbe wie immer gewesen: Spider war begeistert, Murphy wollte am liebsten fort. Mik lag mit seiner Gehirnerschütterung im Krankenzimmer. Idiot.

Sie war im Erdgeschoss, lief gerade an einer der Kaffeeecken vorbei, als Schritte hinter ihr erklangen.

„Pakhet, meine Liebe."

Michael.

Sie drehte sich um. Er sah aus, als wäre er auf dem Weg nach Hause. Seltsam, man konnte normal meinen, er lebte in seinem Büro.

Natürlich wusste sie, dass er eine Wohnung in Sea Point hatte – sie war sogar das ein oder andere Mal dort gewesen – doch war es selten, dass man ihn kommen oder gehen sah.

Moment. Hatte er sie abgepasst?

„Michael", erwiderte sie und gab ihrer Stimme einen leicht sardonischen Klang.

Er grinste sein humorloses, eisiges Grinsen. „Na, wie geht es unserer Crew Neulinge."

„Bestens, wenn wir von einer Gehirnerschütterung absehen", antwortete sie nüchtern.

„Na, glaubst du, die Truppe ist für den großen Einsatz bereit?" Er schlug einen Plauderton an, aber in seinen Augen erkannte sie etwas anderes. Etwas Berechnendes. Das war nicht, weshalb er mit ihr sprach.

Der große Auftrag. Die Betriebsspionage. Es waren kaum mehr als zwei Wochen bis dahin. Sie war sich nicht sicher, ob es eine gute Idee war. Speziell, wenn sie daran dachte, was Smith ihr gesagt hatte: Sie sollten aufs Meer vor Langebaan hinaus. Und sie wussten wenig über die Sicherheit vor Ort.

„Das werden wir sehen, wenn es soweit ist."

Michaels Grinsen veränderte sich, wurde ironischer. „Ja, tun wir wohl", meinte er. Er musterte sie. „Du scheinst erstaunlich gut mit den Noobs klarzukommen."

„Was verschafft dir diesen Eindruck?"

„Du hast keinen von ihnen ernsthaft verletzt."

„Hast du Heidenstein vergessen?"

Michael seufzte melodramatisch. „Okay. Einen. Den anderen geht es aber erstaunlich gut. Das ist eine bessere Quote, als ich erwartet habe."

Pakhet zuckte mit den Schultern und öffnete die Tür. „Ich habe mich unter Kontrolle."

Er lächelte, ignorierte diese Anmerkung. „Man könnte fast meinen, dass du Freundschaften schließt."

Dies würdigte sie keiner Antwort. Sie schnaubte.

„Wer hätte das gedacht. Ich meine, du hattest ja immer deinen kleinen Mechaniker, aber ich habe mir halt gedacht, dass jeder seine eine Sache braucht. Manche haben Haustiere, manche halt den Sandkastenfreund, hmm?"

Sie verdrehte die Augen. Wut stieg in ihr hoch, doch sie unterdrückte sie. Sie hasste es, wenn er so über Robert redete. Sie hasste es, daran zu denken, dass Michael eines Tages Robert gegen sie benutzen könnte.

Sie blieb stehen, drehte sich zu ihm um. „Worauf willst du hinaus, Michael?"

„Ich bin nur überrascht, wie gut du mit dem guten Doktor auskommst. Mir ist aufgefallen, dass du öfter bei ihm gewesen bist."

„Spionierst du mir nach?"

„Ich schaue nur ab und an, wie es meinen Assets so geht."

Wieder schnaubte sie und funkelte ihn an. Nicht, dass sie Vergleichbares nicht schon lange von ihm gewohnt war. „Das geht dich nichts an."

Michael musterte sie amüsiert. „Weißt du, ich bin nur überrascht. Ich hatte dich nicht als so jemand eingeschätzt."

„So jemand?", grummelte sie.

„Na, eine Romantikerin, weißt du?"

Sie wandte sich ab und ging. Sie hatte auf diesen Scheiß keinen Bock.

„Pass besser auf, Pakhet", rief Michael ihr hinterher. „Pass auf, dass es nicht zur Schwäche wird."

Sie sah über ihre Schulter. „Fick dich, Michael. Der Doc hat sich ohnehin seit zwei Wochen nicht mehr gemeldet. Und weißt du was? Es ist mir egal."

Er grinste. „Sicher."

Pakhet schwieg, eilte zur Garage. Manchmal hasste sie Michael. Ach, verflucht, sie hasste ihn beinahe immer, nachdem sie mit ihm geredet hatte.

MosaikWo Geschichten leben. Entdecke jetzt