Kapitel 11

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Doch ich finde keine Ruhe. Ich möchte ihm helfen, er soll wieder glücklich werden, mit der Band. So liege ich wach neben ihm, lausche seinen sanften Atemzügen und überlege, wie ich sein Lächeln zurückhole. Erst jetzt wird mir bewusst, dass sein Lächeln eines der schönsten in meinem Leben ist. Zusammen mit seinem Charakter ist das Lächeln dafür verantwortlich, dass ich ihn so sehr brauche.Seine Tipps und seine Ruhe sind mein Anker in den schlimmsten Zeiten meines Lebens, seine Lache und sein Lächeln mein Lichtblick in der Dunkelheit. Immer mehr wird mir bewusst, dass er mein Schutzengel ist, meine Luft zum Atmen und mein Sinn des Lebens. Ohne ihn wäre ich nicht mehr da, das ist mir mehr als nur bewusst. Und doch wird er niemals erfahren, wie tief die Narben reichen, welche nicht nur meine Haut zieren. Die Schlinge um meinem Hals wird immer enger, langsam bleibt mir die Luft weg und ich merke, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln. Doch ich möchte nicht weinen, nicht jetzt, er verdient seinen Schlaf, seine Ruhe. Ein Schluchzen entweicht mir und ich ziehe meine Knie an. Mein Kopf sinkt auf sie nieder und stumm lasse ich meinen Tränen freien Lauf.

Doch wieso ich genau weine, kann ich nicht sagen. Zu viele Eindrücke prasseln auf mich nieder, zu viele Gefühle kommen hoch. Ich hab mir geschworen, stark zu sein und doch breche ich jetzt wieder zusammen.Wie ich so weine, merke ich nicht, wie Seokjin langsam wach wird.Erst als sich seine Arme um mich schließen und er uns sanft hin- und her wiegt, spüre ich seine Anwesenheit. Wie durch Zauberhand verschwindet alles, was mich eben noch bedrückt hat und ich drehe mich zu ihm. Automatisch wandern meine Arme um seinen Hals und ich weine in seinen Armen weiter. „Haru", mehr braucht er nicht sagen, denn ich höre die Liebe und die Sorge aus diesem einen Wort.Er weiß nichts von meiner Vergangenheit, er wird sie vielleicht auch nie erfahren und doch ist er gerade hier und hält mich fest. „Soll ich Yoongi holen? Oder Taehyung", fragt er mich leise. Ich blicke ihn verweint an und sage ebenso leise: „Ich brauche sie nicht. Du bist im Moment alles, was ich brauche. Sie könnten mir nicht so helfen, wie du es gerade tust." Er nickt nur und wiegt uns weiter.

Gefühlte Stunden vergehen, in welchen wir in einer Stille getaucht in dem Zimmer sitzen und unseren Gedanken nachgehen. Das Schweigen wäre wohl noch ewig so weiter gegangen, wenn nicht ein Klopfen die Stille gebrochen hätte und Seokjin sich von mir löst. Er geht zur Tür und öffnet dieser. Wenig später erscheinen Yoongi und Taehyung in dem Raum und blicke uns an. „Ist alles gut bei euch?" Natürlich merken sie die angespannte Stimmung zwischen uns, doch sind wir wirklich bereit darüber zureden? Mein Blick wandert zu Seokjin, ich spüre seinen wachsamen Blick auf mich, scheinbar erwartet er eine Antwort von mir. Wie von selbst, stehe ich auf. Mein Weg führt mich zu meinem Cousin, dessen Hand ich greife und dann mit ihm zusammen das Zimmer verlasse. Natürlich weiß ich, dass mein Verhalten mehr als nur seltsam ist und sowohl Seokjin als auch Taehyung jetzt bestimmt viele Fragen haben, aber ich brauche einfach gerade meinen Cousin und seinen Rat. Denn auch wenn er mit der Band seit Jahren viel unterwegs ist, er weiß immer noch am besten von allen, wie er mir helfen kann. Es sind seine Ratschläge, die mir schon oft im Leben geholfen haben, eben auf einen dieser Ratschläge hoffe ich nun auch. Er folgt mir stumm und weiß ganz genau, dass ich erst dann reden werde, wenn ich mich beruhigt habe. Wir gehen zusammen in sein Zimmer, wo wir uns dann hinsetzen. Mein Blick wandert durch dieses, bis mein Blick letztendlich den von Yoongi einfängt. Kaum treffen meine Augen seine, bricht der Bann und ich sage:

„Ich habe Angst. Angst vor seiner Reaktion, Angst vor den Auswirkungen,Angst vor allem. Ich... Ich will es ihm endlich sagen, doch irgendwas hindert mich daran. Es tut mir weh, dass ich es weiter verheimliche,aber ich will ihn nicht verlieren. Er... Er ist doch alles, was ich habe, neben dir und Taehyung." Mir laufen Tränen die Wange entlang, ein Schluchzen entweicht mir. Yoongi blickt mich an und meint dann in seiner ruhigen, sanften Art: „Haru, stress dich nicht selbst. Wir wissen beide, dass du dir den Stress alleine machst. Es kommt früher oder später alles raus, aber dann bist du auch bereit dazu und zwingst es dir nicht selbst auf. Seokjin wird es verstehen und er wird darauf warten, denn er liebt dich über alles. Er wird weiterhin so geduldig sein wie bisher, das ist einfach sein Charakter, seine Persönlichkeit. Er wird auch immer versuchen, dich aufzuheitern, alleine weil er es nicht erträgt, wenn seine Liebe,wenn sein Gegenstück, traurig ist. Aber das weißt du ja besser als ich." Ich nicke nur bei seinen Worten, natürlich weiß ich das. Yoongi hat ja auch Recht und doch kommt sofort der Stress wieder hoch, wenn ich mich an das Gesicht von Seokjin erinnere, als ich eben mit meinem Cousin das Zimmer verlassen habe. Es wird mir einfach immer schwer fallen, mit Seokjin darüber zureden, auch wenn es mittlerweile Zeit geworden ist. Doch die Angst ist stärker. Yoongi sieht mir an, wohin meine Gedanken gehen, denn er sagt nur „Haru,du schaffst mich." bevor er seinen Arm um mich legt und mich an sich zieht. So kalt mein Cousin auch nach außen hin und wiederwirken mag, so warm und groß ist sein Herz. Gerade diese Eigenschaft macht es mir nun auch leichter mich zu entspannen und ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Wäre doch nur alles mit einer Umarmung gelöst.

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