[31.05.2011 - D13 - Anruf]

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Pakhet hatte die vergangenen zwei Tage in Joburg verbracht. Sie hatte einen Tapetenwechsel dringend gebraucht.

Ihre Wunden vom Arenakampf waren dank magischer Heilung vollkommen verheilt und hatten nicht einmal Narben hinterlassen. Es hätte also weitaus schlimmer sein können.

In Joburg hatte sie einen Club besucht, hatte mit Kerlen geflirtet und sich einen Abend in einem Spa gegönnt. Sie hatte die Entspannung wirklich brauchen können.

Laut Smith hatte Crash derweil seinem Angebot zugestimmt. Zumindest ein Erfolg.

Sie hasste diese Arenen. Es erschien ihr als furchtbar unsinnig für so viele, oft junge Leute, ihr Leben in diesen Kämpfen wegzuwerfen. Doch wusste sie, dass viele von ihnen in Situationen waren, wo sie nur zwischen dem Hungertod oder solchen Dummheiten entscheiden konnten.

Sie sprang von ihrem Laufband ab. Sie hatte heute ihr morgendliches Training hinter sich und würde erst morgen zur Arbeit gehen. Eine Sache lungerte bereits fünf Tage in ihrem Hinterkopf, auch wenn sie es hasste, es zuzugeben: Heidenstein hatte sich seit über einer Woche nicht mehr bei ihr gemeldet und langsam begann sie, sich Sorgen zu machen.

Wieso machte sie sich um den Idioten Sorgen?

Sie ging unter die Dusche, aber auch als sie darunter hervorkam, ihre Prothese wieder an ihrer Schulter befestigt hatte und sich mit einer Kaffeetasse in der Hand auf das Sofa fallen ließ, kreisten ihre Gedanken noch im Heidenstein. Missmutig nahm sie ihr Handy vom Wohnzimmertisch.

Egal, wie sie es wandte: Sie betrachtete Heidenstein als einen Freund. Und da damit die Anzahl ihrer Freunde auf zwei angestiegen war, war sie nicht sicher, wie sie damit umgehen sollte. Sie hasste es, jemanden hinterher zu spionieren. Dann wiederum konnte sie seine Hilfe auf der Arbeit gebrauchen. Er war immerhin ihr verdammter Teamarzt!

Sie wählte seine Nummer, hob das Handy mit der Prothese ans Ohr und wartete.

Es tutete. Ein Mal. Zwei Mal. Drei Mal. Sie nahm einen Schluck Kaffee. Vier Mal. Endlich: Ein Knacken und seine Stimme erklang.

„Heidenstein hier."

„Hey, Doc", meinte sie.

„Pakhet?" Eine Anspannung, die sie nicht näher hätte beschreiben können, lag in seiner Stimme.

„Ja", antwortete sie. „Ich frage mich langsam, wo du steckst."

Er räusperte sich, wie immer, wenn er nervös war. „Ich habe zu tun. Ich habe doch gesagt  ... Ein Freund."

„Probleme mit den Vory?", fragte sie vorsichtig.

Er schwieg.

„Wenn du Hilfe brauchst, musst du nur etwas sagen."

Erneut folgte längeres Schweigen. Dann räusperte er sich wieder. „Es ist eine Privatsache. Kein Grund zur Sorge. Ende der Woche, sollte ich wieder da sein."

Nun schwieg sie. Sie schürzte die Lippen. Irgendetwas an seiner Stimme irritierte sich. Etwas war nicht in Ordnung. „Sicher?"

„Ja, sicher, Pakhet." Er holte tief Luft. „Es ist nur ein Job."

Sie seufzte leise, bemüht, ihn davon nichts hören zu lassen. „Okay."

„Ich sollte auch wieder, Pakhet", meinte er kurz angebunden. „Wir sehen uns später."

„Sicher", antwortete sie, als er bereits aufgelegt hatte.

Sie sah misstrauisch auf ihr Handy. Was zur Hölle war nun wieder los? Hatte er Probleme als Anderson?

Ach, verdammt. Vielleicht war es wirklich etwas Privates. Etwas, das sie nicht anging. Vor allen anderen Sachen waren sie Kollegen und sie hatte kein Recht, sich in seine Sachen einzumischen.

Dennoch wurmte es sie.

„Idiot", grummelte sie und legte ihr Handy weg. Sie trank einen Schluck Kaffee und schaltete den Fernseher an. „Verfickter Idiot."

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