Ankunft

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„Auf einem kleinen, unbedeutenden Stern irgendwo inmitten von nirgendwo Besonderem – nirgendwo, das heißt, nirgends, wohin man je gelangen könnte, da der Stern von einem gewaltigen Unwahrscheinlichkeitsfeld abgeschirmt ist – regnete es.

Der Regen prasselte und tanzte auf das Wellblechdach der kleinen Hütte, die mitten auf einem öden Stück Land stand.

Drinnen war das Geräusch des Regens auf dem Dach der Hütte ohrenbetäubend laut, wurde aber von ihrem Bewohner so gut wie nicht beachtet, dessen Aufmerksamkeit auf andere Dinge gerichtet war ..."

Der Mann schaute sich interessiert in der Hütte um, als sähe er sie zum ersten Mal. Er sah einen alten, abgewetzten Armsessel, einen alten, zerkratzten Tisch, eine alte Matratze, ein paar Kissen und einen Ofen, der klein, aber warm war.

Wasser tropfte durch das Dach auf seine zerzausten Haare. An sich herabblickend bemerkte er eine leicht vom Wetter mitgenommene alte Katze, die schnurrend um seine Beine strich. Fast war es, als wolle sie den Mann begrüßen. Dieser hielt es für eine gute Idee, sich erst einmal zu setzen. Behutsam nahm er die Katze auf den Schoß und begann, sie versonnen zu streicheln.

„Mein lieber Gott", murmelte er.

Nach einer Weile vernahm er ein Pochen, das sich irgendwie von dem Prasseln der Regentropfen auf dem Dach unterschied. Das Pochen wiederholte sich nach einer weiteren Weile – rhythmisch, fordernd.

„Erwartest du noch andere außer mir?", fragte der Mann die Katze.

Diese maunzte etwas ungehalten, sprang von seinem Schoß und widmete sich in einer relativ trockenen Ecke der Hütte ihrer Körperpflege.

Der Mann überlegte noch ein wenig und entschloss sich dann, die Tür zu öffnen. Schließlich würde er nie herausfinden, was sich dahinter verbarg, wenn er nicht nachschaute.

Sechs Männer betraten zögernd die Hütte. Mit Blick aus der Tür konnte ihr Bewohner sechs schwarze Raumschiffe erkennen, die reglos in der Luft hingen.

Die sechs sahen sich fragend und betreten an. Der Bewohner der Hütte setzte sich einfach wieder in seinen Sessel und betrachtete sie interessiert.

Der vermutlich jüngste unter den sechs fasste sich schließlich ein Herz und sprach ihn an: „Ich ... Yoda schickt mich ... Bist du ... der Meister?"

Der Mann in dem Sessel lächelte den jungen Mann freundlich an. Amüsement schien in seinen Augen aufzuflackern, ein schelmisches Blitzen, das von geheimem Wissen zeugen mochte. Der Blick wurde jedoch nachdenklich, als verblasse dieses Wissen oder als schlichen sich Zweifel in seine Gedanken.

„Ich weiß es nicht", antwortete er schließlich. „Ich denke, es liegt bei dir zu entscheiden, wer ich für dich sein soll."

Der Mann in dem blauen Raumanzug stöhnte daraufhin leicht resigniert auf. Anscheinend kannte er rätselhafte Antworten dieser Art zur Genüge. Auch der kahlköpfige Mann verdrehte die Augen.

„Beantwortest du alle Fragen auf diese Weise?", fragte er.

„Ich sage, was mir in den Sinn kommt, wenn ich meine, jemanden reden zu hören."

Der Mann in dem grauen Kapuzenumhang trat vor und musterte den Mann.

„Was machst du hier an diesem Ort?", hauchte er.

„Ich habe den Eindruck, in einem Sessel zu sitzen und mich mit sechs Männern zu unterhalten. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein."

Der Mann kicherte auf einmal und sagte dann: „Aber vielleicht sind die sechs Männer auch hier, um meiner Katze etwas vorzusingen."

„Ich meine", sprach der Umhangträger leicht erbost, „was du sonst hier machst."

„Das ist eine Frage nach Zukunft und Vergangenheit, nicht wahr?"

„Ja", sagte der Umhangträger hoffnungsvoll.

Wieder blitzte der Schalk in den Augen des sitzenden auf.

„Woher soll ich wissen", sagte er, „ob die Vergangenheit keine Fiktion ist, die nur erfunden ist, um den Zwiespalt zwischen meinen augenblicklichen Sinneswahrnehmungen und meiner Geistesverfassung zu erklären?"

Der Mann in dem Kapuzenumhang trat offensichtlich beeindruckt zurück und schien ernsthaft über diesen Satz nachzudenken. Der Mann in dem Sessel verzog jedoch wieder seine Miene, als versuche er eine verblassende Erinnerung zu greifen.

„Wenn ich aber so darüber nachdenke", murmelte er kaum hörbar, „meine ich mich zu erinnern, erst vor kurzer Zeit hier eingetroffen zu sein."

Der Mann in dem Overall hatte sich derweil mit der Katze beschäftigt. In seinen Taschen hatte er eine alte Dose Fisch entdeckt und sie damit gefüttert.

Nun wandte er sich dem Mann in dem Sessel zu und fragte: „Wie ist eigentlich dein Name?"

Die Frage riss ihn aus seinen Grübeleien. Er hob den Kopf und sagte ohne groß nachzudenken: „Douglas ..."

Dann stockte er, und tiefe Furchen gruben sich in seine Stirn.

„Es scheint mir sehr merkwürdig", sagte er schließlich, „einem Bündel vager Sinneswahrnehmungen einen Namen zu geben."

Der eben noch wie ein Mann in einem roten Raumanzug wirkende steinalte Mann in einem weißen Totenhemd trat an die Seite des Sessels und stützte sich an der Lehne ab. Er lächelte wissend als er seine papierüberzogene Knochenhand auf die Schulter des Mannes legte.

„Singen wir deiner Katze einfach noch ein paar Lieder vor", kam es krächzend aus seiner Kehle.

Da Ijon Tichy daran gedacht hatte, ein paar Flaschen aus dem Restaurant am Ende des Universums mitzunehmen, wurde es noch ein sehr gelungener Abend.

Ende

Ein gelungener AbendLies diese Geschichte KOSTENLOS!