Tisch 1971

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Unter lautem Getöse raste ein Mann auf einem merkwürdigen Gefährt gegen einen zum Glück unbesetzten Tisch. Er (der Mann) schien wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein und beendete seinen kurzen Flug in einem Haufen aus gesplittertem Holz.

Fluchend und schimpfend richtete er sich auf, befreite sich von den Trümmern des Tisches und griff nach seinem Gefährt, das kaum mehr als eine Stange mit Griff und Sattel war. Wegen des Kegelförmigen Auspuffs am Ende hätte man es von Ferne für einen Reisigbesen halten können.

Der Mann war etwas verdutzt, als ein paar wieselflinke Wesen herbeieilten, die Trümmer wegräumten, durch einen neuen Tisch ersetzten, zwei Gläser darauf abstellten und wieder verschwanden und das alles, ohne einen Ton von sich zu geben.

Nachdem er sich nur kurz über seine Umgebung orientiert hatte, setzte er sich stöhnend auf den einzigen Stuhl und rieb sich dabei seine Hüfte. Seine Aufmerksamkeit galt nun den beiden Gläsern. Das eine war klein und enthielt etwa zwei bis drei Zentiliter einer wasserklaren Flüssigkeit, die nach starkem Alkohol roch. Der Mann beschloss, dass dies nun genau das richtige für ihn sei, und stürzte die Flüssigkeit hinunter.

Als sich wohlige Wärme in ihm ausbreitete, stellte er fest, dass es sich um einen vorzüglichen Wodka gehandelt hatte.

Das zweite Glas beziehungsweise sein Inhalt war ihm jedoch suspekt. Es war größer, fasste vielleicht einen Liter und enthielt ebenfalls eine wasserklare Flüssigkeit. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es sogar Wasser, denn in dem Glas schwamm ein winzig kleiner Fisch.

Er beschloss, dieses Glas zunächst stehenzulassen.

Das grandiose Schauspiel über seinem Kopf ignorierend kramte er umständlich einen Briefumschlag aus einer unzugänglichen Tasche seines Overalls, riss ihn auf und las:

Lieber Herr Tichy,

Ihnen an dieser Stelle alle Einzelheiten auseinandersetzen zu wollen, würde wahrlich den Rahmen und die Möglichkeiten dieser knappen Mitteilung sprengen. Ich verweise daher auf einen gemütlichen Abend bei einer Flasche Wein, an dem wir all diese Dinge bis aufs Kleinste besprechen werden, bzw. besprochen haben werden ... Aber ich will die Sache nicht durch temporalgrammatikalische Genauigkeit verkomplizieren.

Sie, Herr Tichy, befinden sich nun am Ende des Universums oder besser gesagt: am Ende eines Universums. Dieser Raum- und Zeitpunkt soll der Ausgangspunkt für Ihre eigentliche Expedition sein.

Wie Sie sich erinnern werden, haben wir im Vorfeld bereits darüber gesprochen, dass ich mit meinem neuen transtemporalen und transdimensionalen Radioempfänger Zugang zu Informationen habe, die unsere künftigen Möglichkeiten ins geradezu Phantastische erweitern.

Einer dieser Informationen gilt es nachzugehen.

In dem Universum, in dem sie sich nun befinden, soll eine Person, eine Entität oder eine Instanz eingetroffen sein, die über unglaubliches Wissen und unfassbare Macht verfügen soll.

Es ist mir gelungen, mittels eines transdimensionalen Senders einige Vorbereitungen zu arrangieren. Dadurch wird Ihnen Ihre Arbeit um einiges leichter fallen.

Den Fisch, den Sie vor sich sehen, bugsieren Sie bitte in Ihr Ohr. Es handelt sich um einen so genannten Babelfisch, der sich von Schallwellen ernährt, sie verarbeitet und in Form von Hirnwellen wieder ausscheidet. Der Nutzen dabei ist, dass er dadurch als Universalübersetzer einsetzbar ist.

Als nächstes gilt es, einen Kontaktmann aufzusuchen, der Ihnen die Reise zu Ihrem endgültigen Ziel ermöglichen wird. Sie finden ihn in den Gewölben unter dem Saal, in dem Sie sich jetzt gerade befinden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und freue mich auf Ihren ausführlichen Bericht, den Sie mir von Ihrer zeitlichen Position aus natürlich längst gegeben haben werden ...

Hochachtungsvoll,

Prof. Tarantoga

Der Mann faltete nachdenklich den Brief zusammen und blickte dann äußerst skeptisch auf das große Glas vor sich, in dem das Fischlein munter umherschwamm. Er nahm nur am Rande zur Kenntnis, dass Max Quordelplien wieder die Bühne betrat und in einem für ihn – noch – unverständlichen Idiom zu seinem Publikum sprach.

Ein gelungener AbendLies diese Geschichte KOSTENLOS!