Tisch 1961

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Der junge Mann erschien von einem Moment auf den anderen an dem runden Tisch, der sich malerisch in eine kleine exotisch bepflanzte Nische schmiegte. Dadurch war der Platz ausreichend gegen den Lärm und die Weite des gewaltigen Kuppelsaals abgeschirmt.

Der Mann warf einen kurzen Rundblick in die riesige Halle. Trotz ihrer unglaublichen Weite barst sie geradezu vor Leben. Überall standen Tische wie dieser, meist größer als der, an dem er saß. An jedem hockten, standen oder lagen die unterschiedlichsten Lebewesen, teils so fremdartig und bizarr, dass selbst er ein wenig erstaunt war. Dazwischen waren Pflanzen, Statuetten und Skulpturen platziert, wobei es nicht immer leicht war, Lebewesen und Einrichtungsgegenstände auseinanderzuhalten. All das gruppierte sich um eine große Bühne im Zentrum, direkt unter der gewaltigen, goldschimmernden Kuppel, die alles überwölbte.

Der Mann lächelte zufrieden und lehnte sich in seinen Sitz zurück. Nur kurz blickte er auf, als ein merkwürdiges Wesen an den Tisch trat, zwei Gläser mit einer grünen Flüssigkeit abstellte und schweigend wieder verschwand.

Der Blick des Mannes richtete sich nun auf den zweiten Sitz an dem Tisch, der leer war. Geduldig saß er einfach nur da und lauschte mit halbem Ohr der leichten Musik, die von der Bühne kam. Es gelang ihr nur mit Mühe, das allumfassende Gemurmel, Gedröhne, Gezirpe und Geschmatze der zahllosen teils lautstarken Unterhaltungen zu übertönen.

Der Mann wartete.

Er erschrak nicht im Mindesten, als mit einem Mal ein weiterer Mann auf dem zweiten Platz erschien. Er schob dem blaugekleideten Neuankömmling einfach eines der Gläser zu.

Der andere fasste sich instinktiv in den Nacken und verzog kurz das Gesicht, als durchfahre ihn ein stechender Schmerz. Doch dieser Eindruck der Hilflosigkeit verflog sofort wieder.

Mit stahlgrauen Augen sah er sich um und nahm die Umgebung in sich auf. Allein seine Haltung drückte Selbstbewusstsein und Souveränität aus. Dieser Mann schien die Lage voll im Griff zu haben. Zumindest hatte er den unbedingten Willen, die Lage so bald als möglich in den Griff zu bekommen.

Fest sah er seinem Gegenüber in die Augen. „Hallo Ernst", sagte er mit einer Stimme, die sowohl freundlich als auch bestimmt klang. „Es ist schön, dich zu sehen."

Nach nur kurzer Pause fügte er hinzu: „Was will ES von mir an diesem Ort?"

Der andere ergriff lächelnd sein Glas. Sofortumschalter, schoss es ihm durch den Kopf. Er trägt diesen Namen nicht umsonst.

„Ich freue mich auch, dich zu sehen, Perry. Nimm erst mal einen Schluck. Sie servieren hier einen hervorragenden Vurguzz. Ich werde dir alles erklären."

Während die beiden Männer sich zuprosteten und tranken, wurden die Lichter im ganzen Saal langsam dunkler, und die Band auf der Mittelbühne schlug ein flotteres Tempo an.

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