*22. Zertörte Mauern*

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Noch am selben Samstagabend, fing Jay mich ab und zog mich ins Badezimmer. Er schloss die Tür hinter uns und drehte sich dann langsam zu mir um.

»Wieso meidest du mich?« Ein Teil von mir wollte ihn küssen, meine Wut rückgängig machen, ein anderer Teil, erinnerte sich an Mirandas Worte zurück. »Cynthi« Er nahm mein Gesicht in seine Hände und zwang mich so ihm ins Gesicht zu sehen. Ich verlor mich in seinen Augen, wollte den Moment für immer bewahren. »Kathrine hat mir erzählt, was Miranda dir angetan hat.«

»Sie hat behauptet, ihr hattet was am Laufen«, wisperte ich.

Das zauberte Jay ein Grinsen ins Gesicht. Ich wollte auf ihn einschlagen dafür. Dafür, dass es ihn scheinbar amüsierte, dass er mich so wütend machte, dass ich ihm nicht böse sein konnte.

»Hör auf so zu grinsen!«, forderte ich, doch er lächelte mich weiterhin an.

»Du bist so verdammt süß«, behauptete er. »Vor allem, wenn du eifersüchtig bist.«

»Bin ich nicht«, widersprach ich schwach, doch wen versuchte ich hier überhaupt zu überzeugen? Noch immer grinsend lehnte Jay sich vor und küsste mich. Ich hielt mich am Ausschnitt seines Shirts fest, ließ mich fallen, ertrank in den Gefühlen, ertrank in ihm und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, frei wie ein Vogel zu sein. Seine Hände vergruben sich in meinen Haaren und ich überbrückte die wenigen Zentimeter die unsere Körper noch voneinander trennten. Wir waren eins. Unsere Beine berührten sich, unsere Bäuche, meine Brust berührte, sie seine. Mein Herz schlug wie wild und als wir uns voneinander trennten, schnappte ich nach Luft.

Jays Stirn lehnte an meiner, er war genauso atemlos. »Wow«, murmelte ich.

»Wow«, wiederholte er, dann nahm er mich in den Arm und zog mich in eine Umarmung, sein Gesicht in meiner Halsbeuge vergraben. »Du hast mir gefehlt.«

Ich schloss meine Augen wieder, atmete ihn ein. Ich fühlte mich umhüllt von Jay, geborgen. Vollkommen zufrieden. »Du hast mir auch gefehlt«, gestand ich.

Wir trennten uns erneut voneinander und er küsste mich ein letztes Mal kurz auf die Lippen, ehe er die Tür wieder aufschloss. Dann griff er nach meiner Hand und lächelte. »In der fünften Klasse habe ich sie auf ein Eis eingeladen, wir gingen zwei Wochen miteinander, gaben uns Kinderküsse und hielten manchmal Händchen.«

Das entlockte auch mir ein Lächeln.

»Würdest du mich bitte am Mittwoch besuchen? Und meine Mum kennenlernen?«

Ich nickte und lehnte meinen Kopf an seine Brust. Ich wollte noch nicht zurück, wollte Jay umarmen, ihn küssen. Mehr brauchte ich nicht.

Doch die Erde dreht sich weiter.

Als der Mittwoch schließlich kam, wischte ich mir gefühlt alle fünf Minuten meine Hände an der Jeans ab. Jay hatte seinen Arm um meine Schultern gelegt und wir gingen zusammen von seinem Auto zur Wohnung. Er ließ mir den Vortritt in das Gebäude. »Die freut sich schon.«

»Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob ich bereit dazu bin«, gestand ich.

Jay winkte ab. »Es wird nicht viel anders sein, als sonst. Wenn's dir zu viel wird, hauen wir einfach ab, das ist kein Problem.«

Für mich stellte es allerdings ein riesengroßes Problem dar. Wie konnte ich, während jemand bemüht darum war, mich kennen zu lernen, einfach abhauen? Wie konnte ich Jay noch in die Augen sehen, wenn ich es nicht mehr aushielt und die Wohnung verlassen wollte. Sie verlassen musste.

Während Jay die Tür aufschloss, wischte ich mir ein letztes Mal die Hände an der Jeans ab. Oder besser gesagt: ich wischte sie die letzten fünf Male ab. Die Tür sprang auf, wir betraten die Wohnung. Jay so locker wie eh und je und ich angespannt – im Grunde hatten wir beide also zu unseren Normzuständen gefunden. Ich streifte mir die Schuhe ab.

Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!